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Trendforscher im Einsatz: Die Auto-Ikonen von morgen

VON DAGMAR HAAS-PILWAT - zuletzt aktualisiert: 02.12.2007 - 14:14

Düsseldorf (RP). Was wollen die Kunden von morgen? Wie sehen Autos in der Zukunft aus? Trendforscher sind weltweit im Einsatz und suchen nach Antworten. Eine Erkenntnis: Das „Weltauto ist Vergangenheit. Individuelles ist gefragt, denn jeder Markt ist verschieden.

Seit 16 Jahren lebt Sven Kilian-Nakamura in Tokio. In der Mega-City mit ihren 32 Millionen Einwohnern ist der mit einer Japanerin verheiratete Münchner als Trenddetektiv unterwegs. Dort, wo Hotels in den Himmel wachsen, die Erde täglich bebt, Leuchtreklamen so bunt wie nirgendwo sonst sind, „liegt die Welt von morgen auf der Straße. Die Japaner sind zukunftsverliebt, kaufen alles, was neu ist. Hier ist der größte Luxuswarenmarkt der Welt zu Hause“, sagt der 37-Jährige. Auch für Autos.

„Ein Handy ist nach drei Monaten veraltet, schrille Mode wird täglich neu erfunden, in der Architektur wird unvorstellbar innovativ mit Material und Form experimentiert.“ Ein idealer Nährboden für einen Trendscout, der von solcher Inspiration lebt, um Firmen wie Siemens und Dior, Nokia und Lufthansa beraten zu können. Denn kein Modekonzern, keine Firma mit Design- oder Trendprodukten kann es sich leisten, Japan als Ideenquelle zu ignorieren. Auch keine Autobauer.

Wo geht‘s lang, wie sehen die Ansprüche von morgen aus? Das wollen Chefdesigner Klaus Bischoff von VW und Stefan Sielaff von Audi wissen und lassen sich bei einer Trendtour durch Tokio von Bildern und Bauten anregen. Beispielsweise von den Inszenierungen des jungen Künstlers Tokujin Yoshioka, der nächste Woche auf der Art Basel Miami als Designer des Jahres ausgezeichnet wird. Interessant für Autobauer sind auch die spektakulären Häuser von Sanaa.

Individuelles ist gefragt

Das berühmte Architekturbüro hat einen Einkaufstempel von Dior an der Omotesando, Tokios edlem Einkaufsboulevard, in eine weiße transparente Acrylglasfassade verpackt. Sie sieht aus wie eine himmlische Hülle für einen irdischen Inhalt.

Um Form und Funktion geht es schließlich auch beim Automobil. Dabei setzt sich nach Recherchen der Trendscouts zunehmend die Devise durch: Global agieren, regional denken. Das „Weltauto“, eines für alle, ist Vergangenheit. Individuelles ist gefragt, denn jeder Markt ist verschieden, so Sven Kilian.

Wenn Klaus Bischoff, Chef von 300 Mitarbeitern in Wolfsburg, ohne Zwänge ein Auto für die Zukunft entwerfen sollte, wie sähe das ideale aus? „Mit den drei Concept-Cars ,Up!‘, ,space Up!‘ und ,space Up! blue‘ hat Volkswagen bereits ein eindeutiges Statement abgegeben. Das Erfrischende an allen drei Fahrzeugen ist, dass sich ein unkonventionelles und konsequent umgesetztes Konzept mit attraktiven Formen realisieren lässt.“

Up! als ehrgeiziges Ziel

Beim Up und seinen Brüdern ist das Raumangebot verblüffend, und die Ziele für Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit sind ehrgeizig, betont der Design-Chef. Er ist überzeugt, dass der Kleinwagen wie der Käfer Automobilgeschichte schreibt. „Er hat das Zeug zur Ikone.“

Gleich 50 Jahre nach vorn blicken die Volkswagen Designer in Santa Monica. „Slipstream” heißt die Vision, die aufrecht und auf zwei Rädern durch die Stadt fährt. So wird nur ein Fünftel der Fläche eines normalen Pkw beansprucht. Auf der Autobahn neigt sich das Auto in die Horizontale und nimmt eine aerodynamisch günstige Position ein. Das kühne Konzept für 2057 zeigt, so Klaus Bischoff, „die Verantwortung für Mensch und Umwelt wird ernst genommen”.

Nicht nur aus allen Nähten platzende Städte wie Tokio verlangen nach neuen Mobilitätskonzepten. „Die globale Ressourcenknappheit braucht intelligente Lösungen, innovative Konzepte und neue Antriebstechnologien. Der Space Up! blue ist eine mögliche Antwort”, heißt es aus Wolfsburg. Ein Elektromotor treibt den dritten Up-Kömmling an. Er bezieht seine Energie aus Lithium-Ionen-Batterien. Die wiederum sind einfach an der Steckdose oder mittels einer Hochtemperatur-Brennstoffzelle aufladbar. Damit soll die Zukunftsvision schadstoffarm eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h schaffen.

Sympathische Gesichter

Anders als japanische Autos, deren Frontpartie stets stark an die in Asien so beliebten Comicfiguren erinnern, setzen VW und Audi auf sympathische Gesichter und nicht auf kitschige Fratzen. Der neue Audi A1 bekommt die große Marken-Schnauze mit dem wuchtigen Kühlergrill. „Wir besinnen uns auf unsere Wurzeln”, erklärt Stefan Sielaff. Der Up guckt freundlich, und die Stupsnase ist absichtlich groß, was den Sympathiewert erhöhen soll.

Wie nie zuvor ist die Automobilindustrie technologisch und gesellschaftlich gefordert. Darum werden, wie Audi-Chef Rupert Stadler betont, „Technik und Design mehr als bisher Hand in Hand arbeiten, Form folgt Funktionalität”. Das verschärft den Druck auf die Kreativen, günstige, klimagerechte Autos zu entwerfen. Für den VW-Designer Bischoff bedeutet dies: „Klare, puristische Linienführung, mit charakteristischer Front- und Heckoptik.” So lassen sich auch Einliter-Autos experimentierfreudig und spannend nach dem Vorbild avantgardistischer japanischer Architektur verpacken.


 
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