Auto Show in Tokio: Die Autozukunft ist flippig und rund
zuletzt aktualisiert: 24.10.2007 - 12:41Düsseldorf (RPO). Auf der Motor Show in Tokio geht alles ein bisschen abgedrehter zu. Farbige Kugeln auf vier Rädern wechseln sich mit Sitzplätzen auf drei Rädern ab. Welche futuristischen Entwürfe die Besucher erwarten und was die deutschen Hersteller enthüllt haben, sehen Sie bei uns.
Wenn das Auto eine Zukunft haben soll, muss es sich gravierend verändern. Das zumindest ist ein Eindruck, der sich beim Rundgang über die Motorshow in Tokio (26. Oktober bis 11. November) bietet. Allerdings geht es dabei nicht nur um umweltfreundliche und ressourcenschonende Antriebskonzepte, die noch im September auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt das Bild bestimmten. Vielmehr suchen vor allem die Entwickler der japanischen Hersteller nach Konzepten, die den Spaß am Auto auch dann erhalten, wenn man die meiste Zeit im Stau steht.
"Wenn es um Mobilität und den Weg von A nach B geht, ist das Auto in Städten wie Tokio nur ein Klotz am Bein", sagt der Designer Tobias Nagel, der bei Nissan nach Trends für morgen und übermorgen fahndet. Während die technische Diskussion weitgehend in den Hintergrund rückt, zeigen die Hersteller deshalb bei der Messe vor allem ausgefallene Studien und ungewöhnliche Serienmodelle, die den europäischen Vorstellungen vom Auto mitunter zuwider laufen.
Die kleinen Deutschen
Auch die deutschen Hersteller beteiligen sich am Blick in die Glaskugel. So hat VW die zweite Spielart des IAA-Showcars Up! enthüllt und dem Zweitürer aus Frankfurt einen großen Bruder an der Grenze zum Microvan zur Seite gestellt. Bei BMW macht das tii-Konzept Lust auf eine individueller gestaltete Sportversion des neuen 1er Coupés und Audi zeigt mit dem 3,91 Meter kurzen Metroproject quattro, wie sich die Marke ihr neues Einstiegsmodell A1 vorstellt.
Doch spätestens in zwei, drei Jahren kann man selbst die Studien der Deutschen in Serie kaufen. Für die meisten Studien der Japaner gilt das nicht: Weder der kugelrunde Nissan Pivo2, der mit seinen drehbaren und von elektrischen Nabenmotoren angetriebenen Rädern auch quer einparken kann, noch der Toyota RiN, der aussieht wie eine liegende Telefonzelle auf Rädern, der von den Spuren des Windes in einem Kimono inspirierte Wankelsportler Mazda Taiki oder der Honda Puyo, dessen Karosserie aus Gel besteht und die Farbe wechseln kann, haben auch nur annähernd Chancen auf eine Produktionsfreigabe.
Elektrische Einsitzer
Das gilt auch für eine Reihe von Konzepten, die an der Nahtstelle zwischen Nutz- und Freizeitfahrzeug stehen. So hat Suzuki mit dem X-Head einen winzigen Unimog für Outdoor-Sportler gebaut. Bei Daihatsu lockt der Mudmaster-C zum Abenteuerausflug und bei Nissan gibt es mit dem NV200 einen smarten Transporter für alle, die gerne mal aus dem Alltag abtauchen - nicht umsonst lässt sich im ausfahrbaren Regal eine Taucherausrüstung verstauen.
Aber nicht nur die Form des künftigen Autos wird sich ändern. Auch Format und Einsatzzweck passen sich in der Vision der Designer dem stockenden Verkehr an: Toyota und Suzuki etwa haben elektrisch angetriebene Einsitzer entwickelt, die fast aufrecht durch die Stadt stromern und kaum mehr Platz benötigen als ein Fußgänger.
Am Bürgersteig abholen
Kleine Autos kommen laut Nissan-Designer Nagel dem japanischen Geschmack sehr nahe: "Je kleiner die Autos sind, desto besser kommt man voran." Diesem Prinzip folgen der Suzuki Palette, der Nissan Cube oder der Daihatsu Tanto, dessen Sitz sogar ausschwenkt und den Fahrer am Bürgersteig abholt. Über solche Fahrzeuge schütteln europäische Beobachter nur den Kopf, weil es hierzulande dafür kaum einen Markt geben dürfte.
Doch das gilt längst nicht für alle Japan-Neuheiten in Tokio. So sind die Lexus-Studien LF-A und LF-Xh recht konkrete Vorboten für einen neuen Supersportwagen und die nächste Generation des Luxus-Allradlers RX. Bei Honda weist die Studie CR-Z den Weg zu einer möglichen Wiederkehr des kompakten Sportcoupés CR-X, bei Suzuki gibt der neue Splash seinen Einstand, bei Subaru steht ein sportlicher Impreza WRX-STI und Nissan feiert in Tokio die Neuauflage des legendären Sportwagens GT-R. Er wird in der jüngsten Generation zum Porsche-Gegner und kommt mit 353 kW/480 PS Anfang 2009 erstmals auch nach Deutschland.
Doch ganz frei von Umweltsorgen ist auch der Branchengipfel in Asien nicht. "Nur sind die Japaner einfach schon ein Stückchen weiter", sagt ein Mazda-Sprecher. Während die Europäer gerade ihren Hybrid-Nachholbedarf decken, ist die Kombination von Benzin- und Elektromotor dort in vielen Baureihen längst Serie. Stattdessen freunden sich die Japaner langsam mit dem Diesel an, experimentieren mit exotischen Technologien wie einem Wasserstoff-Wankel-Hybrid und bewegen Konzeptfahrzeuge wie selbstverständlich mit Elektromotoren - selbst wenn die dafür vorgesehenen Lithium-Ionen-Batterien auch für sie noch nicht verfügbar sind. Doch das ist für sie kein Hindernis. Im Gegenteil, sagt Nissan-Chef Carlos Ghosn: "Wenn es so weit ist, werden wir deshalb bei den ersten sein."
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