Autovermieter nimmt Ulla Schmidt aufs Korn: Die Sixt-Werbefeldzüge mit Promis
VON MANFRED KÜHNAPPEL - zuletzt aktualisiert: 28.07.2009 - 12:26Düsseldorf (RPO). Sixt nutzt die Affäre um Ulla Schmidt für eine pfiffige Werbekampagne: "Mit dem Dienstwagen in Urlaub? Es gibt Sixt doch auch in Alicante", heißt es auf der Internetseite mit einem Foto der Ministerin. Diebstahlversicherung und Chauffeur könnten mitgebucht werden. Es ist nicht das erste Mal, dass der Autovermieter Promis aus aktuellem Anlass aufs Korn nimmt.
Anlässlich einer Debatte um die Frisur der heutigen Kanzlerin, zeigte Sixt 2001 Angela Merkel mit Sturmfrisur - verbunden mit der Ermunterung sich ein Cabrio zu mieten. Merkel reagierte gelassen: Man könne sie als Ausgleich ja mal zu einer Cabrio-Fahrt einladen, meinte sie damals.
Den quälend langen Bahnstreik mit den Betonköpfen Hartmut Mehdorn (damals Bahnchef) und Gewerkschaftsboss Manfred Schell quittierte der Autovermieter 2008 mit der lakonischen Werbebotschaft: „Danke, Herr Schell.“ Da hatte der größte Autovermieter Deutschlands gerade neue Rekordzahlen vermeldet.
„Wir bemühen uns, tagesaktuelle Themen aufzugreifen und somit Aufmerksamkeit zu erzielen“, gibt ein Sixt-Sprecher unumwunden die Hintergründe der Strategie zu. Der Autovermieter versucht erst gar nicht zu verschleiern, dass er Kapital aus den Ereignissen schlagen will. Da die Einfälle meist geistreich-heiter sind, kommt es so gut wie nie zu Protesten der Betroffenen.
Lafontaine klagte
Eine Ausnahme gab es 1999: Als Oskar Lafontaine nach nur einem halben Jahr als SPD-Finanzminister zurücktrat, spottete Sixt in einer Werbekampagne mit seinem Konterfei: „Sixt verleast auch Autos für Mitarbeiter in der Probezeit." Das brachte den für seinen Kampfgeist bekannten Oskar in Rage. In einem jahrelangen Rechtsstreit klagte er gegen Sixt und diese Werbung. „Allerdings verlor er am Ende vor dem Bundesgerichtshof“, erinnert man sich beim Autovermieter. Bis 2006 zog sich die Klage auf 100.000 Euro Schadensersatz hin.
Nicht alle Aktionen sind spontan. Viele Werbeauftritte von Promis sind auch von langer Hand geplant. So versuchte Schlagersänger Matthias Reim vor fast genau zwei Jahren mithilfe von Sixt gegen seine finanziellen Schwierigkeiten anzusingen. Damals düste Reim in einem Mercedes-Cabrio über die Straßen von Mallorca und reimte:
"Verdammt, ich hab nix,
ich miet bei Sixt,
verdammt, ich brauch nix,
es gibt ja Sixt.
Verdammt, ich will nicht,
will wirklich nicht,
nicht noch mehr Geld verlier’n."
Als Jopie Heesters das stolze Alter von 104 Jahren erreicht hatte (im Dezember wird er 106), fuhr er in einem Sixt-Cabrio mit der damaligen "Germany's Next Topmodel"-Kandidatin Gina Lisa durch die Gegend. Dabei fühlte er sich laut Werbebotschaft dank Sixt „wie 99“. Dabei lachte er und reckte den Daumen hoch.
Nun also mal wieder etwas aus der Abteilung Spontanes. Mal sehen, wie viel Spaß Ullala Schmidt versteht. Sie ist ja bekanntlich Aachenerin und für ihren Humor bekannt. Noch ist freilich nicht überliefert, ob die Kunde von der Werbung bis zur Bundesgesundheitsministerin bis nach Spanien vorgedrungen ist.
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