Detroit Auto Show: Die Totenmesse startet wieder durch
zuletzt aktualisiert: 07.01.2010 - 08:16Düsseldorf (RPO). Zwölf Monate nach der vermeintlichen "Totenmesse" in Detroit lebt die US-Autobranche immer noch. Auf der Detroit Auto Show 2010 stehen die Zeichen auf Neuanfang. Eine neu eingerichtete Electric Avenue lockt mit Elektro-Autos zum Probe fahren.
Das dramatische Krisenszenario des Vorjahres hat sich leicht abgeschwächt. Ford verscherbelte einst teuer gekaufte Marken wie Volvo, Jaguar oder Land Rover und ist durchgestartet. General Motors hat sich vom Staat einen neuen Anfang finanzieren lassen, in Europa (Opel/Vauxhall) die Muskeln spielen lassen und erwartet für 2010 wieder schwarze Zahlen. Chrysler, ebenso wie GM knapp der Insolvenz entronnen, geht mit Fiat neue Wege. Der Detroit-Besucher kann wieder mit einer selbstbewussteren US-Show rechnen.
Elektro-Fahrzeuge im Fokus
Wenn die Hersteller das neue Autojahr traditionell in Detroit zwischen dem 11. und 24. Januar auf der North American International Auto Show (NAIAS) in der Cobo Hall eröffnen, sind ganz große Premieren freilich eher die Ausnahme. Nur zu gerne rücken die Amerikaner Elektro-Fahrzeuge in den Fokus.
Neben weitgehend ausgereiften Fahrzeugen wie dem Nissan Leaf oder dem Mitsubishi i-MiEV feiert eine Reihe von ganz neuen E-Modellen seine Premiere. BMW beispielsweise bringt seinen strombetriebenen 1er mit. Unter dem Namen Concept ActiveE soll ähnlich wie beim MiniE zunächst eine Versuchsflotte aufgebaut und dann eine Kleinserie produziert werden. Mit seinen 125 kW/170 PS und seinen Lithium-Akku-Batterien bringt es der BMW auf eine Reichweite von 160 Kilometer.
Volvo zeigt seinen ausschließlich elektrisch angetriebenen Volvo C30, der auf einen Radius von 150 Kilometer kommt. Die Schweden pruzieren in Kürze eine Testflotte mit mindestens 50 Fahrzeugen, die ab 2011 unter realistischen Bedingungen im Alltagsverkehr zum Einsatz kommen wird. Als Entwicklungspartner hat sich Volvo den schwedischen Energiekonzern Vattenfall ausgesucht.
Ziemlich exotisch
Der Nissan Leaf und der Mitsubshi i-MiEV waren auf der IAA in Frankfurt nicht vertreten, sollen 2010 aber beide nach Europa kommen. Das gilt nicht für andere in Detroit gezeigte elektrifizierte Kleinwagen wie etwa den Tango 600 von Commuter Cars oder den Carbon Zero Roadster von Saba Motors. Sie sind schon sehr ziemlich exotisch: Der Tango 600 ist gerade mal einen Meter breit. Der Roadster mutet an wie ein Wiessmann im Taschenformat.
Auch die Chinesen wollen auf dem Elektromarkt kräftig mitmischen. Der bislang nur als Studie gezeigte e6 des Herstellers BYD steht vor seiner Premiere als Serienfahrzeug. Chevrolet wird seinen Volt - das Schwestermodell des Opel Ampera - wieder medienwirksam ins Rampenlicht rücken.
Die Experteneinschätzung in Sachen Detroit und E-Zukunft ist allerdings ernüchternd: "Kaufbares gibt es abgesehen von einigen E-Autos von Nischenanbietern kaum", urteilt Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft an der Uni Nürtingen.
Viel Aufgewärmtes
In der Hybrid-Abteilung wird kräftig aufgewärmt. Den Honda CR-Z mit seinem spezifischen IMA-Antriebssystem kennt man ebenso wie den Mercedes S 400 Hybrid, der seit Sommer 2009 als erstes deutsches Hybrid-Serienfahrzeug den Markt bereichert. Der ML 450 Hybrid ist zunächst nur für den US-Markt vorgesehen.
Mercedes öffnet überdies erstmals das Verdeck der E-Klasse in den USA. Mini begibt sich mit der neuen Studie Beachcomber an den Strand. Volkswagen wird sein Geheimnis womöglich erst auf in Detroit lüften. Ist eine neue Coupé-Studie zu sehen oder zeigt VW nur den bereits in Los Angeles gezeigten Up! Lite? Während Cadillac mit dem Coupé CTS-V klare PS-Kante zeigt, wird aus deutscher Sicht vor allem ein volumenfähiges Fahrzeug enthüllt: Der neue Ford Focus betritt die Bühne. Unter Fachleuten ist unklar, ob er noch 2010 oder erst 2011 zu uns kommt.
Im übrigen verzichtet die US-Branche keineswegs auf große Geländewagen, Pick-ups, Sportwagen oder Neuwagen mit großvolumigen Motoren. Die Hersteller wollen zeigen: "Wir sind wieder da." Und dennoch: Es wird noch Jahre dauern, bis die US-Autobauer wieder Anschluss an die mittlerweile führende Konkurrenz aus Europa und Asien bekommen.
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