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Elektro-Autos: Diese Stromflitzer stehen in den Startlöchern

VON ROBERT RIST - zuletzt aktualisiert: 14.01.2010 - 07:40

Düsseldorf (RP). Nicht nur auf der "Electric Avenue" der Automesse in Detroit weiß man: Strom ist ein heißes Thema. Keine Abgase, kein Gestank und dazu umweltfreundlich - Elektroautos gelten als saubere Lösung. Doch bis sie alltagstauglich sind, muss die Industrie vor allem die Infrastruktur aufbauen.

Es wird aber noch Jahre dauern, bis es ausreichend Strom-Tankstellen gibt. Die Deutschen haben offensichtlich ein grünes Gewissen: Drei von vier Autokäufern würden ein umwelt-korrektes Elektroauto einem Benzinschlucker vorziehen. Dies besagt zumindest eine vom ADAC veröffentlichte Studie. Die Verbraucher stehen also in Sachen Elektroauto in den Startlöchern, doch Infrastruktur und Technik hinken hinterher. Dass die Zahl der Elektroautos auf deutschen Straßen in den vergangenen Jahren sogar gesunken ist, mag vor allem an nicht ausreichenden Ladestationen liegen.

Renault und RWE kooperieren

Zur Verbesserung der Infrastruktur haben sich jetzt Automobilindustrie und Stromanbieter zusammengeschlossen. So kooperiert zum Beispiel Renault mit RWE. Das Ziel sei, so Sprecher Reinhard Zirpel, eine flächendeckende Infrastruktur mit Ladestationen in den wichtigsten deutschen Großstädten. Einen ähnlichen Weg gehen Volvo und Vattenfall, wobei sich der Stromlieferant nach Angaben von Volvo-Sprecher Olaf Meidt sogar an der Entwicklung des ersten schwedischen Plug-In-Hybridfahrzeugs beteiligt.

Parallel ringen Industrie und Politik um einen einheitlichen Stecker, der die Handhabe der E-Autos beim Aufladen erleichtern soll. Das klinge zwar trivial, sei aber technisch aufwendig, heißt es aus Fachkreisen: Stecker und Kabel müssen unterschiedliche Spannungen und Ströme verkraften, den Datenaustausch zwischen Fahrzeug und Ladesäule ermöglichen und absolut sicher sein. Die ablehnende Haltung der Automobil-Hersteller gegenüber einer einheitlichen Lösung mag daran liegen, dass jeder Konzern viel Geld in die Entwicklung seines Elektroautos gesteckt hat. Die einfachste Lösung scheinen Peugeot und Mercedes derzeit parat zu haben. Smart und "Ion" lassen sich zuhause an einer einfachen Steckdose aufgeladen.

Einheitlicher Stecker

Für einen einheitlichen Stecker macht sich auch der unabhängige deutsche Elektrotechnik-Verband (VDE) stark und legt ein neues Modell als Kompromiss vor. "Ich hoffe, dass sich dieser Stecker in Deutschland durchsetzt", sagt Harald Fletcher, Pressesprecher von RWE. Fest steht: Je schneller eine Lösung auf dem Tisch liegt, umso zügiger geht auch der Ausbau des Stromzapfsäulen-Netzes voran.

In Düsseldorf zum Beispiel betreibt RWE bisher nur eine Zapfsäule mit zwei Lademöglichkeiten. Abgerechnet wird noch relativ umständlich: Der Nutzer muss sich bei RWE registrieren und wird dann freigeschaltet. Anschließend erkennt die Zapfsäule das Auto, lädt es auf und bucht die Kosten vom Konto ab.

Eine interessante Variante haben die Stadtwerke in Düsseldorf entwickelt: die Ladestation an Straßenlaternen. "Dieses Pilotprojekt, das wir zurzeit an einer Laterne testen, läuft sehr gut", erklärt Pressesprecherin Christina Näckel. Es habe noch keine gravierenden Probleme gegeben. Der Kostenpunkt beträgt 500 bis 1000 Euro, um eine Laterne umzurüsten. Bislang seien bei den Stadtwerken etwa zehn Autofahrer registriert, die ihren Strom an der einzigen öffentlichen Zapfsäule im Parkhaus am Carlsplatz beziehen. Der Strom für 100 Kilometer fahren kostet zwei bis vier Euro.

500 Millionen Euro

Mit 500 Millionen Euro will die Bundesregierung die Entwicklung der Elektroautos weiter vorantreiben Das Verkehrsministerium hat in diesem Zusammenhang deutschlandweit acht Modellregionen bestimmt. In denen sollen Vertreter aus Wissenschaft, Industrie und Kommunen zusammenarbeiten. Auch hier lautet wieder das Ziel: Aufbau der Infrastruktur und Test der Autos im Alltag. Dazu gehört auch der Einsatz von Elektrobussen im Nahverkehr.

Vorreiter in Sachen Alltagstauglichkeit sind Daimler-Benz und RWE. Im Dezember 2009 haben sie in Berlin ein Pilotprojekt gestartet. Ausgewählte Kunden können dort für 700 Euro monatlich einen Smart Electric der neuen Generation mieten. In dem Paket inbegriffen ist Strom für 18 Monate sowie der Service. Bisher haben die Stuttgarter vom Smart nur 1000 Autos produziert. Besteht das Modell in Berlin den Alltagstest, dann könnte es ab 2012 in großer Stückzahl produziert werden. Mindestens bis dahin muss man sich wohl gedulden, "denn", so der Daimler-Sprecher, "nicht nur die Technik, auch die Gewohnheiten der Menschen müssen sich – bezogenen auf das Elektroauto – noch ändern". Mit einmal volltanken kann man im Moment noch nicht viel weiter als 100 Kilometer fahren.

Quelle: RP

 
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