"Richtig spannend": Experte: Rußfilter kurbelt Diesel-Geschäft an
zuletzt aktualisiert: 07.08.2004 - 11:59Gelsenkirchen (rpo). Ein Experte ist sich sicher: Die geplante steuerliche Entlastung für neue Diesel-Pkw werde den Absatz dieser Fahrzeuge erneut beschleunigen. Händler, die entsprechende Wagen bis dahin nicht im Angebot hätten, müssten sich auf Preisnachlässe einstellen.
"Richtig spannend wird das Partikelfilter-Geschäft ab 2005, wenn die angedachte Steuerförderung von 600 Euro einsetzt", prognostiziert der Inhaber des Lehrstuhls für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Gelsenkirchen, Ferdinand Dudenhöffer.
"Dann werden gut zwei Drittel aller Diesel mit Partikelfilter verkauft", sagt Dudenhöffer, zugleich Geschäftsführer des Prognose-Instituts B&D-Forecast in Leverkusen (www.bd-forecast.de), voraus. Wer den Partikelfilter dann nicht im Angebot habe, wird seine Autos "mit gut 1000 Euro Rabatt verkaufen müssen. Daher werden die Händler in den nächsten Monaten sehr vorsichtig mit der Bestellung von Diesel ohne Partikelfilter umgehen."
Der Filter werde zudem "zu einem wichtigen Zusatzgeschäft für die Automobil-Zulieferer", ist Dudenhöffer überzeugt. Gehe man von einem Einkaufspreis von derzeit 200 Euro für den Partikelfilter aus, bestehe allein in Deutschland für die Zulieferindustrie ein Umsatzvolumen von 55 Millionen Euro in diesem Jahr. Bereits 2006 steige der Partikelfilter-Markt in Deutschland auf ein Niveau von 300 Millionen Euro.
Nahezu alle Hersteller werden wohl den Partikelfilter anbieten
Der Branchenkenner geht davon aus, dass ab kommendem Jahr nahezu alle Hersteller den Partikelfilter anbieten - und zwar überwiegend mit Aufpreis. Erst ab 2006/2007 würden die Aufpreise nach und nach verschwinden, wenn dann die Steuerförderung ausgelaufen sei. Dudenhöffer ist sich sicher: "Der Partikelfilter ist dann nicht mehr wegzudenken und muss durch den Wettbewerbsdruck in die Serie aufgenommen werden."
Noch sei das Angebot der Hersteller beim Partikelfilter lückenhaft, skizzierte der Fachmann die Situation. Audi, Nissan, Mitsubishi, Hyundai, Skoda und Seat könnten erst zur Jahreswende mit dem Partikelfilter aufwarten. Sie seien daher in den nächsten Monaten mit einem Handicap im Pkw-Markt unterwegs. Aber auch bei BMW sei heute der 3er Pkw noch filterlos. Die VW-Gruppe mit ihrem kleinen Partikelfilter-Angebot habe ebenfalls einen "größeren Nachteil". Hingegen gehe Peugeot als Erfinder des Partikelfilters hervorragend gerüstet in die neue Dieselzeit.
Eines sei klar: "Fahrzeuge ohne Partikelfilter werden im Gebrauchtwagenmarkt des Jahres 2006 und später nur mit größerem Wertverlust zu verkaufen sein", betont der Branchenexperte. Genauso sei es Ende der 80er Jahre bei der Einführung des Katalysators gewesen. Je nach Diesel-Modell müsse in Zukunft mit bis zu 1000 Euro Abschlag bei Gebrauchten ohne Partikelfilter gerechnet werden.
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