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Regelmäßige Eignungstests?: Führerschein nur noch für 15 Jahre

VON WOLFRAM GOERTZ, DESIREE LINDE UND TINA STOCKHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 30.01.2009 - 11:35

Viersen (RP). Ab 2013 gilt die neue Führerscheinrichtlinie. Dann müssen Autofahrer alle 15 Jahre die Dokumente erneuern lassen. Beim Verkehrsgerichtstag debattierten Experten, ob damit auch regelmäßige Gesundheits-Checks und Eignungstests einhergehen sollen.

Für Winfried Krege (68) aus Viersen ist das Auto Lebensqualität.  Foto: F.-H. Busch, RP
Für Winfried Krege (68) aus Viersen ist das Auto Lebensqualität. Foto: F.-H. Busch, RP

Der Volvo Kombi steht bei Winfried Krege nie lang in der Garage seines Viersener Bungalows. Die Enkel wollen abgeholt, Freunde besucht, Besorgungen erledigt werden. "Ein eigenes Auto, das ist Lebensqualität", sagt der 68-Jährige.

Doch gerade Senioren wie Krege sollen nach Ansicht einiger Verkehrsexperten mit Eignungstests und Gesundheits-Checks regelmäßig auf ihre Fahrtauglichkeit getestet werden. Beim Deutschen Verkehrsgerichtstag in Goslar diskutierten  Verkehrsexperten, Staatsanwälte und Verkehrsrichter, ob eine derartige Vorschrift Sinn machen würde. Denn ab 2013 gilt die neue Führerscheinrichtlinie.

Dann ist die Fahrerlaubnis nicht mehr unbegrenzt gültig, sondern muss alle 15 Jahre erneuert werden. Laut EU-Vorgaben ist lediglich ein Austausch der Dokumente vorgesehen, um die Fälschungssicherheit zu verbessern. Doch einige Verkehrsexperten erwägen, an diese neue Vorschrift in Deutschland auch regelmäßige Eignungstests und Gesundheits-Checks für Autofahrer zu koppeln.

ADAC wehrt sich

Der ADAC wehrt sich heftig gegen derartige Vorstöße. "Diese neue Regelung würde vor allem ältere Autofahrer treffen, die einem solchen Prüfungsstress nicht gewachsen sind", sagt ADAC-Sprecher Maximilian Maurer. "Dabei sind sie statistisch gesehen die am wenigsten unfallträchtigen Verkehrsteilnehmer." Senioren führen meist umsichtiger und vorsichtiger als junge Menschen. Es bestehe deshalb keine Notwendigkeit für diesen behördlichen Aufwand.

Auch Emmi Tiggelkamp ist überzeugt, dass ihre langjährige Fahrpraxis sie zu einer guten Autofahrerin macht. Seit 1960 fährt die 69-Jährige aus Goch Auto – und hatte noch nie einen Unfall. "Ich bin viel unterwegs und habe daher auch viel Erfahrung am Steuer." Tiggelkamp fährt fast jeden Tag in die Stadt und oft zum Bruder ins Sauerland. "Ich fahre auch immer sehr umsichtig."

Kein erhöhtes Unfallrisiko

Dass Senioren sich verantwortungsbewusster und rücksichtsvoller im Straßenverkehr verhalten, bestätigen Untersuchungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. "Nach unseren bisherigen Erkenntnissen besteht bei älteren Autofahrern kein erhöhtes Unfallrisiko", sagt Klaus Brandenstein, Sprecher für den Bereich der Unfallforschung des Verbandes. "Denn Senioren kompensieren ihr schlechteres Reaktionsvermögen mit einer vorsichtigeren Fahrweise."

Ähnlich sieht das Prof. Sebastian Jander, Neurologe an der Uniklinik Düsseldorf: "Gewiss steigt das Risiko für neurologische Erkrankungen wie Demenz und Schlaganfall mit dem Alter. Dennoch kann man nicht pauschal sagen, dass ältere Menschen unsicherer fahren als jüngere." Wenn Anhaltspunkte für eine Gefährdung durch eine Krankheit vorlägen, dann gebe es auch heute Regeln für eine Begrenzung der Fahrerlaubnis – das betrifft auch Sehstörungen oder Herzprobleme. "Wichtig ist es, dass sich betroffene Autofahrer rechtzeitig durch Ärzte beraten lassen."

Freiwillige Seminare

Eine Einschätzung, die sich mit Beobachtungen der Fahrlehrer deckt: Volker Freigang unterrichtet seit 27 Jahren in Rees Fahranfänger – und schult auch Senioren. "Natürlich kann es sein, dass ein älterer Fahrer etwas schlechter sieht", räumt Freigang ein. "Doch jeder, egal wie alt, hat die Verantwortung, so etwas beim Arzt überprüfen zu lassen." Er hat die Erfahrung gemacht, dass Ältere oft freiwillig in seine Fahrschule kommen und an Auffrischungs-Seminaren teilnehmen. "Einige setzen sich auch in den Theorieunterricht."

Winfried Krege findet so etwas gut: "Ich nehme auch freiwillig an Reaktions- und Seh-Tests teil, wann immer sich die Möglichkeit bietet", sagt er. "Wenn man merkt, dass man nicht mehr so schnell reagiert wie früher, fährt man dafür umso wachsamer." Aber den Führerschein, den müsse er deshalb noch lange nicht abgeben. Krege fährt schon seit 50 Jahren unfallfrei.

Quelle: RP

 
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