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Ölkonzerne halbieren Preisvorteil: Gibt es bald kein Normalbenzin mehr?

zuletzt aktualisiert: 13.08.2007 - 16:38

Hamburg (RPO). Die Mineralölkonzerne haben den Preisunterschied zwischen Super- und Normalbenzin ohne Vorankündigung halbiert: Die Differenz beträgt nun nur noch etwa einen Cent. Experten vermuten, dass die Mineralölkonzerne damit das Ziel verfolgen, Normalbenzin abzuschaffen.

 "Es deutet alles auf die mittelfristige Abschaffung von Normalbenzin hin. Super wird das neue, dann aber teurere Normal", sagte Wolfgang-Ernst Fürst zu Ysenburg, Präsident des Automobilclubs von Deutschland (AvD), der "Bild"-Zeitung´".

Weil erneut alle Anbieter zur gleichen Zeit ihre Preise verteuert haben, forderte Ysenburg das Eingreifen der Wettbewerbshüter: "Hier ist das Kartellamt gefordert. Dieses unverschämte Abkassier-Programm bedeutet eine neue, eiskalte Abzocke zu Lasten des Normal-Verbrauchers. Wenn das auf Dauer so bleibt, erleben wir eine der krassesten Benzinpreiserhöhungen aller Zeiten."

Kartellamt kann nichts tun

Aus kartellrechtlicher Sicht bleibt das Verhalten der Mineralölmultis zunächst allerdings folgenlos. "Für eine Absprache im Fall des Normalbenzins fehlen die Beweise", erläuterte Markus Zeise vom Bundeskartellamt auf Anfrage unserer Redaktion. Dass alle Anbieter zur gleichen Zeit ihre Preise verteuerten und anglichen, reicht den Wettbewerbshütern nicht. 

ADAC-Präsident Peter Meyer sieht in der Verringerung des Preisabstandes zwischen Super- und Normalbenzin jedoch eine Strategie: "Den Mineralölfirmen geht es bei dieser Maßnahme natürlich nur um eines: Ertragssteigerung. Ein anderer Grund für die Verringerung der Preisdifferenz zwischen Super- und Normalbenzinn ist nicht erkennbar", betonte er.

Weltweit hohe Nachfrage

Jahrelang konnten Autofahrer sich darauf verlassen, dass Normal zwei Cent billiger ist als Superbenzin. Seit zwei Wochen beträgt der Abstand nur noch einen Cent. Normalbenzin wurde einen Cent teurer, wie Sprecher der Ölfirmen auf Nachfrage der Nachrichtenagentur AP bestätigten.

Als Grund nennen die Konzerne die weltweit hohe Nachfrage nach Normalbenzin, das auch als 91-Oktan-Benzin bezeichnet wird. Zeitweise sei Normal auf den internationalen Märkten sogar teurer gewesen als das eigentlich hochwertigere Super mit 95 Oktan.

Betroffen von der Preiserhöhung sind vor allem Fahrer einfacherer und älterer Autos, die oft noch mit Normalbenzin laufen. Teure und sportliche Autos sind dagegen eher auf Super oder gar auf das noch teurere Super Plus ausgelegt.

Betroffen sind aber auch alle Sparfüchse, deren Auto auf Super ausgelegt ist, aber auch mit Normal problemlos fährt. Bei einer 50-Liter-Tankfüllung sparen sie jetzt nur noch 50 Cent. Früher war es 1 Euro. Bei einer Tankfüllung pro Woche sinkt die jährliche Ersparnis von rund 50 Euro auf 25 Euro.

"Auf dem Weltmarkt gibt es eine starke Nachfrage aus den USA, aber auch aus China nach Normalbenzin", sagte Esso-Sprecherin Gabriele Radke. In beiden Ländern gebe es viele Fahrzeuge, die nur 91-oktaniges Benzin bräuchten.

In Deutschland ist Normalbenzin dagegen seit Jahren im Niedergang. Im Jahr 2006 betrug der Normal-Anteil am Ottokraftstoff (Benzin) nur noch rund 27 Prozent. Super kam auf 70 Prozent, Superplus auf 3 Prozent.

Schutz vor Motorklopfen

Der Unterschied zwischen Normal und Super ist die höhere Oktanzahl. Sie beschreibt die so genannte Klopffestigkeit des Sprits. Ein Benzinmotor kann klopfen, wenn das Luft-Benzingemisch in den Zylindern nicht gleichmäßig verbrennt, sondern in Einzelexplosionen. Durch dieses Klopfen kann der Motor kaputt gehen. Je höher die Oktanzahl, desto gleichmäßiger verbrennt das Benzingemisch.

Die höhere Oktanzahl wird laut Industrie vor allem durch besondere Zusatzstoffe erreicht, so genannte Additive. Additive für Super sind teurer als für Normal, was den höheren Preis für Super erklärt. Bis in die 80er Jahre wurde dem Benzin Blei als Anti-Klopfmittel beigemischt, dann aber wegen Gesundheitsgefahren verboten.

Der ADAC hat Zweifel an der Darstellung der Industrie über höhere Weltmarktpreise für Normalbenzin: "Zumindest in Europa erscheint das fragwürdig", sagte Sprecher Peter Hemschik, "denn außer Deutschland gibt es kaum noch Länder mit Normal und auch hier zu Lande fällt die Nachfrage." Seine Vermutung: "Vielleicht wollen die Konzerne mehr Kunden zum Super locken?"

Branchenkenner vermuten seit Jahren, die Ölkonzerne wollten Normalbenzin lieber heute als morgen abschaffen: Der Wechsel auf Super würde zusätzliche Millioneneinnahmen bringen. Gleichzeitig würden die Kosten fallen, weil weniger Zapfpistolen gebraucht würden und weniger getrennte Tanks. Alle großen Konzerne weisen aber diese Spekulation zurück. "So lange die Kunden Normal nachfragen, bieten wir es auch an", sagte Claudia Braun von Aral.

Shell hat allerdings einen ersten Schritt zur Abschaffung von Normal getan: Die Marke mit der Muschel bietet die Einfach-Sorte nicht mehr an allen Zapfsäulen an.

Quelle: afp2

 
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