Systeme für sichere Lkw: Hallo wach
VON LUDWIG JOVANOVIC - zuletzt aktualisiert: 04.02.2006 - 04:08Düsseldorf (RP). Eine neue Sensortechnik soll Lkw sicherer machen und die "Fehlerquelle" Mensch in den Griff kriegen. Die Elektronik hat auf den Fahrer ein wachsames Auge.
Sie sind groß, sie sind schwer, und wenn sie in einem Unfall verwickelt werden, können die Folgen verheerend sein: 2004 starben bei 477 Unfällen mit Lastkraftwagen 1.284 Menschen. Das sind mehr als 20 Prozent aller Todesopfer im Straßenverkehr. Und "die Technik war in den wenigsten Fällen die Unfallursache", sagt Dr. Arno Meyna, Professor für Verkehrstechnik an der Uni Wuppertal. Vielmehr trage meistens der Mensch die Schuld - weil er übermüdet aufs Gas drückt, einen zu geringen Abstand einhält oder schlichtweg hinterm Steuer eines Mehrtonners den Überblick verliert.
"Wir können das so hinnehmen. Oder aber wir suchen nach technischen Lösungen, um den Fahrern zu helfen", so Meyna weiter, der Lkw-Unfälle einmal analysiert hat. Unter anderem auf Basis seiner Erkenntnisse hat der Wuppertaler Fahrzeugsystem-Hersteller Delphi nun einen neues Sicherheitspaket geschnürt, das schon bald in einem Lkw eingesetzt werden könnte.
Der experimentelle Delphi-Truck ist mit zwei verschiedenen Radarsystemen ausgestattet, die sowohl den Nahbereich bis zu fünf Meter vor und hinter dem Laster erfassen als auch eine jeweils zwei Meter breite Zone links und rechts der Fahrerkabine. Zusätzlich streckt ein Fernradar in der Schnauze des Lasters seine unsichtbaren Fühler bis in eine Entfernung von 150 Meter aus und ertastet, was sich vor dem Fahrer tut. "Damit lässt sich beispielsweise der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug kontrollieren", sagt der Delphi-Physiker Norbert Diedrich, der das System entwickelt hat - und dem Lkw auch gleich noch ein Nachtsichtgerät spendiert hat.
Wie in der Oberklasse
Alles eine Technik, die zumindest in ähnlicher Form bereits in Oberklasse-Limousinen erfolgreich eingesetzt wird. Doch Delphi ist noch mehrere Schritte weitergegangen: So erfasst eine Kamera nicht nur, was hinter dem Truck oder links und rechts vom Anhänger vor sich geht, sondern auch, wie spurtreu der Lkw ist. Das System gibt sofort eine Warnung aus, falls auch nur im Ansatz die Gefahr besteht, dass der Laster zu weit von seiner Spur geraten könnte. Die Elektronik ist zudem intelligent genug, um zu merken, ob der Fahrer absichtlich die Spur kreuzt - beispielsweise weil er ein anderes Fahrzeug überholen möchte.
Damit der Fahrer dabei nicht Gefahr läuft, etwas zu übersehen, setzt Delphi gegen den toten Winkel gleich mehrere Infrarot-Sensoren, die sich bewegende Wärmequelle erkennen - also Fußgänger, Radfahrer oder Autos neben dem Mehrtonner.
Lidschlag erfasst
Aber auch der Trucker selbst steht im Fokus der Sensoren: Eine Kamera erfasst die "Frequenz seines Lidschlages und die Blickrichtung", erklärt der Physiker. Lässt seine Aufmerksamkeit nach oder übermannt ihn der Schlaf, könnte der Gurtstraffer am Fahrer zupfen und zerren - ihn aufwecken.
Wann die ersten Laster mit den neuen Sensoren unterwegs sind, kann "ich noch nicht sagen", so Diedrich. Das System wird demnächst verschiedenen Lkw-Herstellern vorgestellt, die es einbauen können - um es dann Logistik-Unternehmen bei der nächsten Umrüstung anzubieten.
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