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Oscar macht auch VW neugierig: Hier kommt die Autozukunft

VON MANFRED KÜHNAPPEL - zuletzt aktualisiert: 07.05.2008 - 14:04

Düsseldorf (RPO). In unserer Umfrage bekennen sich 32,2 Prozent dazu, ihr Auto nicht stehen lassen zu können – wie hoch der Spritpreis auch immer klettern mag. Aber 20,3 Prozent der Autofahrer wollen bei 1,60 Euro den Schlussstrich ziehen. Ob das Elektroauto „Oscar“ für sie eine Alternative ist?

Milliarden steckt die Autoindustrie in die Entwicklung alternativer Antriebe, um Wege aus der Spritpreis-Falle und dem CO2-Desaster zu finden. An Hybrid, Brennstoffzelle oder Elektroantrieben wird gefeilt. Felix von Borck noch nicht an den Durchbruch. Der 38-jährige Maschinenbau-Ingenieur leitet die Forschungsgruppe Akasol.

Die Entwickler und Studenten, die an der Technischen Universität Darmstadt beheimatet sind, haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt. Im Unterschied zu den bisherigen Entwürfen „haben wir die Anforderungen der Autoindustrie mal ganz konkret durchgespielt“, erklärt von Borck. Herausgekommen ist: Oscar.

Für kurze Wege in der Stadt

Das elektrisch betriebene Open-Source-Car für kurze Wege in der Stadt besitzt den Charme eines Messerschmitt Kabinenrollers aus den 50ern. Aber dank seiner effektiven Null-Emmissions-Technologie zog Oscar bereits neugierige Blicke eines VW-Ingenieurs auf sich. Was macht den Kleinen so interessant?

„Vor allem das Antriebskonzept mit unserer kraftvollen Lithium-Ionen-Batterie“, erläutert von Borck, sie sei das Ergebnis langer Forschung und deswegen relativ teuer. Doch weil die Spritpreise ins Unendliche zu klettern scheinen - von zwei Euro bis Jahresende ist mittlerweile die Rede - gehe die Rechnung mit dem Stadtflitzer so langsam auf.

Im nur 2,50 Metern langen und 1,20 Metern breiten Oscar finden zwei große Erwachsene hintereinander Platz. Alternativ können ein Erwachsener und zwei Kinder auf der Rückbank mitfahren. Luxus ist kein Thema. Der Wagen wiegt 650 Kilogramm, wobei die Batterie mit 250 Kilo am schwersten ist. Über die Solarzellen auf dem eigenen Dach aufgeladen, reicht sie je nach Fahrweise für 100 bis 300 Kilometer aus. Dabei kommt der spritzige Oscar mit etwa sechs kWh auf 100 Kilometern aus. Das entspricht etwa einem Liter Diesel, umweltschonend aus der Steckdose.

Erste Crashtests wurden auch schon simuliert. Um die Insassen besser zu schützen haben die Ingenieure zwischen der steifen Fahrgastzelle und dem vorderen Stoßfänger spezielle Deformationselemente aus Aluminium mit Doppelkammerquerschnitt montiert.

Leistungsfähige Batterie

Für die nächste Generation des Oscar planen die Akasol-Forscher eine leichtere und noch leistungsfähigere Batterie. Die Entwickler gehen von klaren Daten aus: Im Durchschnitt sei ein Auto mit 1,3 Personen besetzt. Über 90 Prozent aller Fahrten seien kürzer als neun Kilometer – kein Fahrzeug sei bisher für diesen Bedarf optimiert.

„Serienreife Elektroautos wie der neue Tesla-Roadster helfen dem Thema zwar“, sagt Felix von Borck, doch der 38-jährige Maschinenbau-Ingenieur glaubt nicht an eine massenhafte Produktion: „Der Teslar ist ein Spielzeug, er ist wie ein Ferrari, den sich die Leute nicht werden leisten können.“ Der Antrieb über 6000 Laptop-Akkus werde sich zudem nicht bewähren.

Geht der leichte Oscar irgendwann einmal in Serie, soll er zum Preis von 5000 Euro verkauft werden. Er sei sicher, sich mit diesem Auto von der Abhängigkeit vom Öl lösen zu können, bekräftigt von Borck: „Wenn erst einmal VW-Chef Martin Winterkorn eine Runde im Oscar dreht, hilft das bestimmt die Entscheidungsprozesse bei Volkswagen zu beschleunigen.“


 
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