Freie Tankstellen kämpfen gegen Aral&Co.: "Ich erkenne keinen freien Wettbewerb"
VON NICOLAS BERTHOLD - zuletzt aktualisiert: 13.02.2012 - 15:47Düsseldorf (RPO). Der Benzinabsatz ist seit Jahren rückläufig und doch gehen die Großen des Tankstellenmarkts weiter in die Offensive. Mit neuen Investitionen und angepassten Konzepten wollen sie ihre Machtposition festigen und ausbauen. Der Verdrängungswettbewerb gegenüber schwächeren Branchenmitgliedern und freien Tankstellen ist in vollem Gange.
Für Branchenkenner ist es ein logischer Schritt. "Die Unternehmen müssen sich umorientieren, wenn sie weniger Benzin verkaufen, gleichzeitig aber ihre Marktanteile behaupten wollen", sagt Jürgen Ziegner, Geschäftsführer des Zentralverbandes des Tankstellengewerbes, auf Anfrage.
Die BP-Tochter Aral hat angekündigt, jährlich 30 neue Tankstellen zu eröffnen. 150 Millionen Euro sollen nach Konzernangaben in den Ausbau der Infrastruktur an umsatzstarken Orten fließen. Das Shopgeschäft gewinnt weiter an Bedeutung. Schon heute ist Aral zum größten Kaffeeverkäufer Deutschlands aufgestiegen.
Cheeseburger und Pizza
Eine ähnliche Unternehmensstrategie fährt Konkurrent Shell: Zukünftig sollen die Kunden neben Super E10 und Lkw-Diesel auch zwischen Cheeseburger und Pizza wählen dürfen. Neue Sitzecken mit drahtlosen Internetzugängen dienen dem steigenden Absatz von Kaffee und Frikadellen-Brötchen. Ein entsprechendes Konzept wird derzeit im Großraum Düsseldorf/Köln getestet.
Zudem hat die Nummer zwei des deutschen Tankstellenmarktes bei der Versteigerung der Zulieferungsrechte an Autobahn-Tankstellen durch die betreibende Tank&Rast kräftig zugeschlagen. 30 Prozent dieser Einlieferungsrechte von Benzin und Diesel wurde neu vergeben. Shell ist der große Gewinner. Ab 2013 laufen die neuen Verträge.
"Wir haben mit unserem Angebot bei rund einem Drittel der ausgeschriebenen Tankstellen den Zuschlag bekommen", hatte Shell-Tankstellenchef Joerg Wienke der "Welt" gesagt. Freude in der Hamburger Shell-Konzernzentrale.
"Kein freier Wettbewerb"
Ärger bei den freien Tankstellen. "Ein Monopolist wie die Tank&Rast darf keine Ausschreibung vornehmen“, wettert Axel Graf Bülow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes freier Tankstellen (Bft), im Gespräch mit unserer Redaktion.
Graf Bülow zufolge habe die Tank&Rast ein hohes Interesse daran gehabt, die neuen Rechte nur an Aral oder Shell zu vergeben. "Sie akzeptieren die gängigen, internationalen Kraftfahrerkarten, mit den getankt werden kann. Einen freien Wettbewerb kann ich hier nicht mehr erkennen. Wir werden alle Mittel und Wege einleiten und uns ans Bundeskartellamt wenden, damit dies bei der nächsten Ausschreibung nicht noch einmal passiert. Auf diesem Marktsegment werden wir verdrängt.“
Die Großen der Ölbranche reagieren auf die Absatzeinbrüche, die sie seit einiger Zeit beim konventionellen Benzin zu beklagen haben. Nur Diesel verzeichnet Zuwächse. Grund ist der gestiegene Güter- und Lkw-Anteil auf den Straßen. Gleichzeitig werden die Pkw verbrauchsärmer. Ein Großteil des Umsatzes fahren die Tankstellen mit dem angeschlossenen Shopgeschäft ein.
Kundennähe und Beratung
Für die freien Tankstellen könnte die Offensive der Öl-Multis zu einem Problem werden. Viele Bft-Mitglieder sind mittelständische Unternehmen, einige davon noch in Familienhand. Keiner von ihnen weiß einen milliardenschweren Konzern im Rücken, mit dem er auf die veränderten Kundenbedürfnisse umgehend reagieren könnte. Es fehlen die finanziellen Mittel.
"Natürlich bauen auch wir unser Shopgeschäft aus, allerdings in einem geringeren Umfang“, so Graf Bülow. Im Gegensatz zu den Großen wollen die freien Tankstellen ganz auf Kundennähe und Beratung setzen
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