Erstmals unter 15.000 Stationen: Immer weniger Tankstellen in Deutschland
zuletzt aktualisiert: 02.08.2007 - 12:11Hamburg (RPO). Vor 80 Jahren wurde in Hamburg die erste richtige Tankstelle Deutschlands eröffnet. Doch der Weg zu einer Station wird für etliche Autofahrer immer länger. Zum ersten Mal ist die Zahl der Tankstellen laut Energie-Informationsdienstes (EID) mit Sitz in Hamburg bundesweit unter 15.000 gesunken.
"Es werden wohl in den kommenden Jahren noch weitere verschwinden. Die Tendenz geht nach unten", sagte Energie-Experte und EID-Chefredakteur Rainer Wiek der Nachrichtenagentur AP in Hamburg. In der Bundesrepublik gebe es jedoch noch immer vergleichsweise viele Tankstellen.
Die Mineralölgesellschaften sehen als Grund für das immer dünner werdende Tankstellen-Netz vor allem den harten Wettbewerb in Deutschland. Pro Jahr verschwinden laut EID-Berechnungen zwischen 100 und 200 Tankstellen vom Markt. Zum 1. Juli zählten die Experten insgesamt noch 14.975 Tankstellen, 1999 waren es noch 16.617.
Sterben dauert an
Damit setzt sich das seit Jahrzehnten anhaltende Tankstellensterben fort, seit im Jahr 1969 mit 47.000 Tankstellen allein in Westdeutschland der Höchststand erreicht worden war. Im Vergleich zu früheren Jahren hat die Zahl der Anlagen 2007 nach EID-Angaben aber nur mäßig abgenommen. So wurden etwa 2004 noch fast 350 Stationen geschlossen.
Als Grund für den Rückgang sieht Experte Wiek vor allem den sinkenden Absatz von Sprit in Deutschland: "Es werden zwar mehr Autos, aber diese werden auch immer sparsamer." Darum seien die Tankstellen-Firmen bemüht, sich auf rentable Stationen zu konzentrieren. "Der Kampf um jeden Kunden in Deutschland ist groß, der Kuchen wird immer kleiner", sagte Wiek: "Der Rückgang der Tankstellen ist die logische Konsequenz aus dem Marktgefüge und dem harten Wettbewerb in Deutschland."
Esso-Sprecherin Gabriele Radke verweist zudem auf den steigenden Tank-Tourismus vor allem in den Grenzregionen: "Transit-Lastwagen tanken oft auch gar nicht mehr in Deutschland. Die rauschen einfach durch." Dies liege an der hohen Steuerbelastung des Sprits in der Bundesrepublik. Viele Lkw-Fahrer machten den Tank darum im billigeren Ausland voll. Zudem würden die Leute heute auch öfter als früher mal zum Fahrrad greifen.
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