Nobelmarke soll nach Indien verkauft werden: Jaguar: Der langsame Tod eines Mythos
zuletzt aktualisiert: 10.12.2007 - 17:01Neu Delhi (RPO). Die britische Automobilindustrie verliert ihr letztes großes Aushängeschild. Nach dem schrittweisen Niedergang der Edel-Marken Aston Martin und Bentley droht auch der Mythos Jaguar ein bitteres Ende zu nehmen. Ford will die Marke nur noch los werden. Zwei indische Konzerne melden Interessen an.
Der Mythos Jaguar. Autofreunde denken an schnittige Sportwagen und Limousinen der Extraklasse im Zeichen der Raubkatze. Der legendäre Zweisitzer E-Type 38 Roadster (großes Bild oben) gilt als Sportwagen-Klassiker schlechthin, war Traum auf vier Rädern für Millionen Autofreunde.
Mit den Jahren sprach sich jedoch rum: Aus dem Traum wird leider oft ein Albtraum. In Sachen Qualität hatte der smarte Brite stets erhebliche Probleme. Käufer benötigen stets zwei Jaguar-Modelle, so das bitterböse Sprichwort. Einen Jaguar für die Straße, den zweiten für die Werkstatt.
Als dann Ford 1989 die Mehrheit am Unternehmen übernahm, bröckelte das Image als Edel-Kutsche weiter. Immer mehr Teile des Boliden stammten aus der Ford-Serienproduktion. Der Jaguar bekam Bauteile aus der Mondeo-Reihe verpasst. Puristen freut dies nicht.
Dennoch machten die Verkaufszahlen zu Beginn der 90er Jahre noch Hoffnung. 130.000 Fahrzeuge wurden zum Jahrtausendwechsel verkauft. Günstigere Preispolitik und neue Modelle brachten Erfolge beim Absatz. Aber auch in dieser Phase bleiben die Zahlen rot. Dann folgte der Absturz. Im Jahre 2006 entschieden sich weltweit lediglich 75.000 Autokäufer für einen Jaguar. Mutterkonzern Ford fuhr milliardenschwere Verluste ein.
Ford ist nun wild entschlossen, die Reißleine zu ziehen. Jaguar muss weg, am besten sofort. Fords Taktik: Jaguar soll zusammen mit der erfolgreichen Tochter Land Rover verkauft werden. Erste Interessenten bissen an. Die beiden indischen Autobauer Tata Motors und Mahindra & Mahindra reichten Medienberichten zufolge bereits Angebote ein. Auch die US-Beteiligungsgesellschaft One Equity Partners bietet mit.
Die gebotene Summe für die beiden Traditionsmarken bewege sich zwischen 1,5 und 2,2 Milliarden Dollar melden indische Tageszeitungen. In Großbritannien machen sich die Menschen Sorgen. Immerhin 16.000 Menschen stehen bei Jaguar und Land Rover in Lohn und Brot.
Für die britische Automobil-Industrie der nächste, vielleicht gar der letzte Tiefschlag. Autobauer von der Insel galten einst als Pioniere, besonders im Bereich Sportwagen. Kultmarke MG Rover ist längst pleite. Rolls Roye und Bentley wurden an die deutsche Konkurrenz verkauft, schlummern dort müde vor sich hin. Die Gründe sind bekannt: Komplizierter Transport von der Insel, Probleme durch Wechselkurs-Schwankungen beim Pfund sowie chronischer Fachkräftemangel auf der Insel.
Der Raubkatze helfen diese Erkenntnisse nicht mehr...
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