Die Kult-Kiste: JLos Po und der neue Nissan Cube
VON CARLHEINZ TÜLLMANN - zuletzt aktualisiert: 17.01.2010 - 12:36Düsseldorf (RP). Es gibt Autos, die passen in kein Format. Der Nissan Cube gehört dazu, aber nicht nur wegen seines Aussehens. Dabei soll sogar US-Star Jennifer Lopez eine Hauptrolle gespielt haben.
Allein die Beschreibung der schrillen Optik von John Sahs, verantwortlicher Designer des japanischen Nischenherstellers (Erfolgsmodelle: Micra und Qashqai), ist außergewöhnlich: Die Front habe er einer Bulldogge nachempfunden, die eine Sonnenbrille aufgesetzt bekam. Als Vorlage für die Heckpartie hätten die Kurven von Jennifer Lopez gedient. Die seitlich angeschlagene Hecktür (statt der gebräuchlichen Heckklappe) sei amerikanischen Kühlschränken entliehen. Und die Idee, das Interieur wellenförmig zu gestalten, basiere auf einem Bad im Whirlpool.
Für die Gestaltung der Karosserie muss John Sahs wohl vor einem altdeutschen Brotkasten gesessen haben: So kantig und so eckig wie der Cube kam hier zu Lande noch kein Kleinwagen über die Straße. Auf nur 3,98 Meter Länge reckt sich das Panoramadach in 1,67 Meter Höhe (VW Polo: 1,46 Meter). In Japan und USA ist die Kiste (mehr als 900.000 verkaufte Einheiten) schon seit Jahren Kult. Als dritte Auflage erreicht der Sonderling jetzt auch Westeuropa und (ab 30. Januar) auch die deutschen Nissan-Händler.
Aufregend hübsch, oder potthässlich? Auf jeden Fall ein Hingucker. Das gilt nicht nur für die abgehackten Konturen. Denn auch drinnen geht‘s unkonventionell zu: Der zweifarbige, hoch angesetzte Armaturenträger ist wogenförmig gestaltet, die Türöffner ähneln Schneckenhäusern, die knallige Instrumentenbeleuchtung scheint aus einer Disco geborgt worden zu sein, und auf dem Armaturenbrett klebt „Fluffy”, eine kuschelige Wollteppich-Ablage für Handy oder Brille.
Das Ganze ist umrahmt von einer Wohnlandschaft mit Sofasitzen, die allerdings nur kurze Auflagen und wenig Seitenhalt bieten, und einer Materialwertigkeit, die hinter biederen Volks-Wagen zurückstecken muss.
Spaß macht's
Spaß macht‘s trotzdem, wenn auf den Startknopf des 1,6-Liter-Benziners oder des 1.5-Liter-Diesel (beide 110 PS/81 kW) gedrückt wird. Für den Haupteinsatz im wuseligen Stadtverkehr (der kleine Wendekreis von 10,6 Meter ermöglicht agiles Handling) reicht die Kraft des Fronttrieblers allemal, bei Überlandausflügen wird es ab 130 km/h ruppig laut. Mit 175 km/h Spitze hat der Benziner sein Limit erreicht. Der temperamentvolle Diesel gefällt mit dem niedrigen Verbrauchswert von (Werksangabe) nur 5,2 Liter auf 100 Kilometer.
Stolze 18.000 Euro kostet die Basisversion des rollenden Quadrats, bis zu 22.600 Euro lassen sich Ausstattungs-Details draufsatteln. Wie viele Käufer werden auf den Cube abfahren? Rund 2000, so schätzt Nissan für das Premierenjahr vorsichtig- dann wär‘s ja eine doch recht zahme Bulldogge.
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