Trocken und eisfrei: Neues Autoglas beschlägt nicht mehr
VON LUDWIG JOVANOVIC - zuletzt aktualisiert: 07.09.2010 - 07:41Braunschweig (RP). Mit Herbst und Winter kommen sie wieder – beschlagene oder gefrorene Autoscheiben. Forscher haben nun ein neues Verfahren entwickelt, mit dem sie nicht nur transparente und heizbare Schichten herstellen können. Der Eiskratzer wird so überflüssig. Und die neue Beschichtung verhindert zudem, dass Feuchtigkeit kondensiert.
Auch für Besitzer von Gewächshäusern ist der Winter eine heikle Angelegenheit. Je mehr Feuchtigkeit im Inneren kondensiert, desto gefährlicher wird es für die Pflanzen – sobald die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken. Zwar helfen Heizungen. Doch besser und vor allem energiesparender wäre es, wenn die Feuchtigkeit erst gar nicht an der Scheibe kondensiert.
Forscher am Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik (IST) in Braunschweig haben das Problem jetzt gelöst: Sie haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sie nicht nur transparente, leitfähige – und somit heizbare – Schichten herstellen können. Ihre Oberflächenschichten haben einen weiteren Vorteil: Die Außenschicht sorgt dafür, dass die Scheibe viel langsamer abkühlt. So kann sich kein Kondenswasser bilden. Die Scheibe bleibt trocken und eisfrei.
Solche Schichten gab es zwar bereits, sie bestanden aber aus Zinnoxid. Dadurch reagierten sie sehr empfindlich auf mechanische Belastungen. Zudem waren auch ihre optischen Eigenschaften alles andere als perfekt.
Nanokristallin
Die neue "Fraunhofer"-Schicht dagegen basiert auf nanokristallinem Indiumzinnoxid. Dieser Werkstoff hat nicht nur sehr gute optische und elektrische Eigenschaften, er ist zudem mechanisch und chemisch viel stabiler als Zinnoxid. Temperaturen bis 900 Grad Celsius seien kein Problem, heißt beim IST. Selbst wenn man sie stark verbiege, bleibe die Schicht stabil.
Zwar kannte man diese Vorteile schon länger, doch erst jetzt konnten Fraunhofer-Ingenieure sie industriell für eine viel breitere Anwendungspalette herstellen.
Dazu nutzen die Forscher die sogenannte HIPIMS-Technologie. Die Abkürzung steht für »High Power Impulse Magnetron Sputtering«. Dabei schießen beschleunigte Edelgas-Ionen wie beim Billard Atome aus einer Indiumzinnoxid-Platte. Diese lagern sich im Vakuum dann auf dem Glas ab.
Die Braunschweiger Forscher haben bereits ein Glasrohr so beschichtet: Es lässt sich ohne störende Drähte beheizen und bleibt dabei transparent. Zudem ist die Beschichtung korrosions- und kratzfest. Und: Das Glas beschlägt nicht mehr.
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