Rabattschlacht der Autohersteller: Neuwagen günstig wie noch nie
VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 25.07.2007 - 11:12Düsseldorf (RP). Eine schwere Absatz-Krise zwingt fast sämtliche Auto-Hersteller zu drastischen Rabatten. 17 Prozent Nachlass sind inzwischen der Normalfall. Bei einzelnen Modellen gibt es sogar bis zu 36 Prozent Rabatt.
Die Autokäufer trauen der guten Konjunktur nicht. Obwohl die Autos auf deutschen Straßen im Schnitt acht Jahre alt sind knapp zwei Jahre älter als noch in den 90er Jahren stehen sich Neuwagen derzeit die Reifen platt. Weil sie die Listenpreise der Hersteller nicht beliebig unterbieten dürfen, greifen die Händler immer verzweifelter in die Trickkiste: Mit Tageszulassungen und kaum gebrauchten Vorführwagen (so genannten „Aktionszulassungen”) werfen sie die Ladenhüter deutlich unter Preis auf den Markt, um wenigstens die Umsätze zu retten. „In der ersten Jahreshälfte war jeder dritte Neuwagen eines privaten Autokäufers in Deutschland eine Aktionszulassung”, zeichnet der Autoexperte der FH Gelsenkirchen, Ferdinand Dudenhöffer, ein düsteres Bild, „wir rechnen deshalb im nächsten Jahr mit einer verstärkten Insolvenz-Welle bei den Händlern.”
Aber die hohen Spritpreise, die unklaren politischen Diskussionen um Fahrverbote und CO2-Steuern sowie die erhöhte Mehrwertsteuer setzen auch die Hersteller unter Druck. Nur mit Rekord-Rabatten können Volkswagen, Opel, Ford & Co. derzeit Absatz-Einbrüche verhindern.
So freut sich das Käuferherz derzeit über Spitzen-Nachlässe von bis zu 36 Prozent beim Citroen Berlingo und selbst beim neuen Opel Corsa von fast 27 Prozent. Beim Kauf eines Laguna-Sondermodells von Renault kann man derzeit 8510 Euro sparen. Solche Rabatte, zumal sie auf reguläre Fahrzeuge und nicht nur auf Aktionszulassungen gewährt werden, sind in Deutschland neu. Der Durchschnitts-Rabatt für Privatkunden liegt inzwischen bei 17,5 Prozent.
Die größte Rabatt-Schlacht liefern die Hersteller sich laut Dudenhöfer derzeit in der Golfklasse. So gibt es den Opel Astra bei einer Kombination aus dem Sondermodell „Catch Me” und Finanzierungshilfen 5279 Euro unter Listenpreis das entspricht einem Rabatt von 26,4 Prozent. Den Ford Focus kann man mit einer Kombination aus Angeboten derzeit gut 20 Prozent unter Preis kaufen, den Mazda 3 mit über 20, den Peugeot 307 und bestimmte Golf-Modelle mit fast 19 Prozent unter Preis. Auch Premium-Hersteller drücken über Sondermodelle die Preise. So bietet Audi beim A4 und A6 derzeit sechs Ausstattungspakete an, die in der Spitze mit einem Preisvorteil von fast 3000 Euro versehen sind. Mercedes bietet in der E-Klasse eine „Business Edition” an, die einem Rabatt von 1740 Euro entspricht.
„Das deutsche Rabatt-Niveau liegt jetzt auf US-Höhe”, stellt Dudenhöffer nüchtern fest. Natürlich weiß er, dass Sprengstoff in diesem Befund liegt: Denn in den USA wurde die bislang schwerste Hersteller-Krise der Welt durch auf genau diesem Weg erkaufte Marktanteile ausgelöst. Am Ende geriet GM, Ford und Chrysler die Rabatt-Spirale außer Kontrolle, und alle drei standen am Rande des Ruins.
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