Mit 15 Millionen Euro: NRW erforscht das Elektroauto
VON THORSTEN BREITKOPF UND THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 28.12.2009 - 07:35Duisburg/Köln (RP). Mit 15 Millionen Euro Forschungsgeld aus dem Bundesverkehrsministerium startet die Universität Duisburg-Essen einen der größten Flächenversuche zur Elektromobilität. Erforscht werden soll vor allem der elektromobile Alltag.
Dem Elektroauto gehört die Zukunft. Dieser Binsenweisheit zum Trotz fahren in NRW bislang aber nicht einmal 250 elektrisch angetriebene Fahrzeuge. Warum sich die neue Form des Autofahrens so schleppend durchsetzt, ist eine der Fragen, die zu klären sich die Universität Duisburg-Essen jetzt vorgenommen hat: Mit einem 15 Millionen Euro schweren Budget startet sie in wenigen Wochen eines der größten deutschen Projekte zur Erforschung der Elektromobilität.
Das Neue an der Studie: Es geht nicht mehr nur um technische oder ökologische Details. Untersucht werden soll der elektromobile Alltag in einer bisher einmalig umfassenden Form. Eingebunden sind deshalb auch gleich 15 verschiedene Lehrstühle mit insgesamt über 50 Wissenschaftlern, wie der Duisburger Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer gestern als Sprecher des Projekts im Gespräch mit unserer Redaktion erklärte. Ingenieure, Ökonomen, Physiker, Informatiker und Psychologen wollen untersuchen, wie Elektromobilität in der Metropolregion NRW in der Praxis funktionieren wird.
25 Elektrofahrzeuge im Test
Im Großraum Köln sollen 25 Elektrofahrzeuge über zwei Jahre im Alltag getestet werden. Neben diesen Autos – fast alle sind elektrogetriebene Ford Focus-Modelle – werden auch leichte Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb eingesetzt. Rheinenergie stellt die Elektrotankstellen zur Verfügung. Die Testergebnisse werden kontinuierlich auf das gesamte Bundesland hochgerechnet.
Dafür entwickelt die Universität Fahrzeug- und Batteriesimulations-Teststände, die es erlauben, alle Streckenprofile, Verkehrssituationen, Fahrbahnzustände und Ladevorgänge abzubilden. "Stellen Sie sich das so vor, als würden 20 000 Elektrofahrzeuge unterwegs sein, und es wären tausend Batterieladestationen in NRW vorhanden", erklärt Dieter Schramm, Dekan der federführenden Fakultät für Ingenieurwissenschaften. Die Besonderheit des virtuellen Teils dieses Großversuchs sind die Milliarden von Verkehrsdaten, die in den Großrechnern des Stauforschers Michael Schreckenberg abgespeichert sind. Auf ihrer Grundlage können die virtuellen Elektroauto-Daten verblüffend realitätsnah in die Verkehrsströme in NRW eingebettet werden.
Scheinbar triviale Probleme
So werden die Forscher auch scheinbar triviale Probleme klären. Elektroautos gelten zum Beispiel als zu leise. Das erschwert es dem Fahrer, die Geschwindigkeit einzuschätzen, und Fußgängern, herannahende Fahrzeuge wahrzunehmen. "Vielleicht brauchen wir neben dem neuen Antrieb auch Sensoren und Systeme, die das Elektroauto wahrnehmbar und trotzdem nicht laut machen", so Schramm.
Die erheblichen Forschungsgelder stellt das Bundesverkehrsministerium im Rahmen des Konjunkturpaketes II zur Verfügung. Industriepartner der Studie sind die Kölner Fordwerke und der Versorger Rheinenergie.
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