Flüssigerer Verkehr, weniger Unfälle: NRW: Überholverbot für Lkw
VON GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 25.04.2007 - 18:59Düsseldorf (RP). Auf zweispurigen Autobahnen soll es keine Elefantenrennen mehr geben. NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke (CDU) ist sicher: Noch in diesem Jahr kommt das Überhol-Verbot für Lastwagen.
Eine Sonderarbeitsgruppe der Länder-Verkehrsminister unter dem Vorsitz von NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke (CDU) kam zu dem Ergebnis, dass Lkw-Überholverbote auf zweispurigen Autobahnen „zur Verflüssigung des Verkehrs bei gleichzeitiger Steigerung der Verkehrssicherheit beitragen“.
Die Fachminister haben Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) deshalb aufgefordert, per Erlass die Möglichkeit zu schaffen, dass Lkw-Überholverbote „auch auf längeren Strecken angeordnet werden können“.
Die neue Regel soll auf Autobahnabschnitten zur Anwendung kommen, bei denen die Geschwindigkeit auf dem linken Streifen durch „häufiges Überholen von Lkw deutlich vermindert wird“. Dies sei in der Regel bei einer Belastung von 2000 Fahrzeugen pro Stunde der Fall. „Fast alle Autobahnen in NRW sind so stark belastet“, sagte Verkehrsminister Wittke unserer Zeitung. „Lediglich einige Abschnitte der Autobahn A61 und der A 31 sind nicht stark genug befahren, um ein Überholverbot aussprechen zu können.“
Im Jahr 2005 hat es auf den Autobahnen von NRW 13037 Verkehrsunfälle gegeben. An jedem fünften Unfall war ein Lastwagen beteiligt. Dabei kamen zehn Menschen ums Leben, es gab 73 Schwerverletzte. Im Regierungsbezirk Düsseldorf gibt es bereits jetzt temporäre Überholverbote auf den Autobahnen A 40, A 46 und A 57. Derzeit besteht auf 340 von 1400 Kilometern ein Lastwagen-Überholverbot.
Kritiker der Pläne hatten angeführt, ein Überholverbot würde zu unvertretbaren Zeitverlusten im Transportgewerbe führen. Eine Studie des Lehrstuhls für Verkehrswesen an der Uni Bochum zerstreut jedoch die Befürchtungen. „Es wurde nur eine Tempo-Reduzierung von zwei Stundenkilometern festgestellt“, so Wittke. „Die Einführung des Überholverbots stellt also auch für Lkw-Fahrer und Speditionen keine unzumutbare Belastung dar.“
Verkehrsexperten wie der Duisburger Stau-Professor Schreckenberg raten, das Überholverbot auf den Berufsverkehr zu begrenzen. „Man muss auch an die Aggressionen denken, die sich bei den Lkw-Fahrern anstauen, wenn der langsamste das Tempo angibt.“
NRW-Verkehrsminister Wittke setzt sich dafür ein, die Mindestgeschwindigkeit von Lastwagen auf Autobahnen deutlich anzuheben. „Bislang müssen Lastwagen auf flacher Strecke Tempo 60 fahren können. Dies führt dazu, dass vor allem ältere Modelle an Bergstrecken häufig nur noch mit Tempo 30 unterwegs sind. Diese gefährliche Situation wollen wir abstellen. Lastwagen sollen künftig nur noch dann auf die Autobahn dürfen, wenn sie auch an Steigungsstrecken Tempo 80 halten können.“
Wittke erwartet, dass das Bundesverkehrsministerium die Durchführungsverordnung der Straßenverkehrsordnung noch in diesem Jahr ändert, um die Einführung der neuen Regeln in den Ländern zu ermöglichen. Vielbefahrene Autobahnen mit zweispurigen Abschnitten sind in Nordrhein-Westfalen unter anderem die A 40, A 42, A 43, A 46 und A 57.
Ein Tempolimit von 130 km/h für Pkw auf den Überholverbotsstrecken, das Experten aus Sicherheitsgründen vorgeschlagen hatten, lehnt Wittke ab. „Dadurch würde der gewünschte Effekt verpuffen. Uns geht es darum, den Verkehr zu verflüssigen“, so der Minister.
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