Gartenparty mit Autoshow: Pebble Beach: Reich und Schön in Kalifornien
VON GÜNTER WEIGEL, SP-X - zuletzt aktualisiert: 16.08.2010 - 16:22Monterey (RPO). Pebble Beach gehört zweifellos zu den Orten mit der höchsten Dichte an teuren Fahrzeugen. Zumindest für eine Woche im August ist der Strandzipfel im US-Bundesstaat Kalifornien mit dem berühmten Golfclub ein Synonym für automobilen Luxus.
Sieben Tage lang reiht sich eine Oldtimerveranstaltung an die andere, ergänzen Rennsportevents die Klassikerausfahrten und trifft sich die Creme de la Creme des Automobils. Höhepunkt ist zweifellos der abschließende Concour d‘Elegance am berühmten 18. Loch des Golfclubs von Pebble Beach.
Dort werden rund 150 erlesene Automobile aus sieben Jahrzehnten ausgestellt. Neben dem kleineren, aber noch feineren Concours der Villa d’Este am Comer See in Italien ist Pebble, wie die Einheimischen es salopp abkürzen, wohl der zweitwichtigste Show-Act der Szene.
Ticket für 400 Dollar
Es ist müßig, die 21 ausgestellten Ferrari-Preziosen, die zehn Bugatti oder die 15 Pierce-Arrow aufzuzählen oder zu beschreiben. Pebble bietet Klassiker im Überfluss, was leider auch den Überblick etwas erschwert. Der wird auch nicht einfacher, wenn man tags zuvor die kleine, aber noch exklusivere Konkurrenz vor Ort besucht hat. Wie Pebble gehört auch The Quail zur Monterey Peninsula Automotive Week. Hier darf gucken, wer eines der limitierten Tickets zum Stückpreis von 400 Dollar erhalten hat.
The Quail gastiert auf dem gleichnamigen Golfplatz und bietet für die ausgewählte Gästeschar einen bunten Überblick über die aktuelle Klassikerszene. Nebenbei darf hier die Autoindustrie ihre Neuwagen vorstellen, was in Pebble selbst verpönt ist. Entsprechend gibt es Stände mit den aktuellen Modellen von Bentley, Bugatti, Ferrari, Lamborghini oder AMG. Der Eintrittspreis garantiert, wie es ein Lamborghini-Verkäufer dezent umschreibt, eine gewisse Klasse, und so tummeln sich die gut betuchten Fans alter und neuer Traumwagen wie auf einer großen Gartenparty.
Allerdings ist das Preisniveau in diesem Jahr wohl in Folge der Wirtschaftskrise nicht extrem hoch. Die Gebote bleiben oft unter den Vorstellungen der Verkäufer. Ein Porsche 356 Cabrio der ersten Serie beispielsweise erzielt 240.000 Dollar. Ausgeschildert war es mit 300.000 Dollar und ein gut gepflegter Porsche 912 für 18.000 Dollar wäre in Deutschland ein echtes Schnäppchen. Vielleicht hat aber auch die Geschichte des Autos nicht gestimmt. Schließlich werden die Autos umso wertvoller, je bekannter seine Besitzer waren.
Die Nobelmarke von VW stellt den neuen Geschwindigkeitsrekordhalter Veyron Supersport vor und konnte vor Ort gleich 23 Bestellungen zum Stückpreis von rund 1,9 Millionen Euro notieren. So buchte zum Beispiel ein Amerikaner indischer Abstammung spontan und hat damit bald bereits sechs Veyrons in seiner Garage.
Weinhändler aus Los Angeles
Andere sammeln lieber Ferrari und geben dafür ähnliche Summen aus. Dass der frisch erworbene Ferrari LM 250 rund fünf Millionen Dollar gekostet hat, verschweigt der Weinhändler aus Los Angelos nicht uns, wohl aber seiner Freundin. „Ich habe ihr gesagt, den bekomme ich für ein paar Hunderttausend“ erzählt er, „wenn sie den richtigen Preis wüsste, gäbe es wieder Diskussionen“.
Neben den europäischen Edelmarken steht in den USA natürlich die eigene Autotradition hoch im Kurs: vor allem Sportwagen. Corvettes aller Baureihen parken friedlich neben alten und neuen Cobras. Auf vielen prangt der Schriftzug „Shelby“. Der legendäre Tuner ist ein Urgestein der US-Szene und hat mit Bigblock-V8-Motoren schon in den Sechzigern für ein Übermaß an Leistung bei seinen Produkten gesorgt.
Das noble Pebble setzt sich von dieser Gartenparty für besonders Reiche ab. Mit einem Eintrittspreis von 150 Dollar ist es für die Besucher weniger exklusiv, dafür sind die Fahrzeuge zum Teil noch hochwertiger. Aber die Grenzen verschwimmen, weil die Sammler ihre Preziosen hier wie da gerne zeigen. Die wirklich wertvollen Auszeichnungen für die Autos und ihre Eigner gibt es aber nur in Pebble.
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