ADAC: PISA-Test für Autofahrer: Hätten Sie's gewusst?
zuletzt aktualisiert: 27.10.2005 - 10:01Düsseldorf (rpo). Das wird die Österreicher freuen: Ihre Autofahrer wissen am besten rund um den Straßenverkehr Bescheid, knapp gefolgt von den Deutschen und den Portugiesen. Die schlechtesten Ergebnisse erzielten die Autofahrer aus Slowenien. Das ist das Ergebnis des ADAC-"PISA"-Tests für Autofahrer. Der ADAC hatte zusammen mit den Automobilclubs aus elf europäischen Ländern 2800 Autofahrer befragt.
Das Ergebnis der Stichprobe beschreibt Tendenzen und Auffälligkeiten. Wachrütteln sollte, dass knapp die Hälfte der Fragen falsch beantwortet wurde. Die Selbsteinschätzung der Autofahrer stand in krassem Wider-spruch zu großen Wissenslücken. 94 Prozent halten sich für gute oder sehr gute Autofahrer.
Die deutschen Autofahrer kamen in der Theorie überdurchschnittlich gut weg. Sie wussten viele richtige Antworten zur Kindersicherung, zur Anschnallpflicht und zur Promillegrenze. Es verwundert jedoch angesichts der hohen Benzinpreise, dass sie offensichtlich nicht wissen, wie sie umweltbewusst und Benzin sparend fahren können. Defizite offenbarten sie auch beim Absichern eines Pannenfahrzeugs. Die Frauen waren deutlich sicherer bei Antworten bezüglich Verkehrsregeln und Umwelt. 18- bis 25-Jährige waren im praktischen Teil geschickter als ältere.
Übliche Regeln
Keiner der in Europa Befragten beantwortete alle Fragen richtig. Die größten Wissenslücken gab es im theoretischen Teil. Männer mögen sich zwar für die besseren Autofahrer halten, in der Theorie zeigten sich die Frauen ebenbürtig. Manchmal sind aber auch die "Herren der Schöpfung" von großem Nutzen: Im praktischen Teil lagen sie vorne – wenn auch nur knapp. Auffallend gut wussten Europas Autofahrer Antworten auf Fragen, die auf international üblichen Regeln basieren, etwa zum Handyverbot oder zur Anschnallpflicht. Hinterfragt wurde beim „PISA“-Test das Wissen zu Fahrverhalten, Verkehrsregeln, Fahrzeugtechnik und -ausstattung. Beim praktischen Teil ging es u.a. um das Aufstellen des Warndreiecks und das Wissen um den erforderlichen Reifendruck.
Drei Umfrage-Teilnehmer lieferten jeweils nur eine falsche Antwort: Eine 25jährige VW-Golf-Fahrerin und ein 30jähriger Mazda-Fahrer aus Österreich sowie ein 36jähriger VW-Polo-Fahrer aus Deutschland. Sie scheiterten lediglich an den Fragen zur Notfallausrüstung, zum Benzin sparenden und umweltbewussten Fahren sowie zur Absicherung eines Pannenfahrzeugs.
Slowenen auf dem letzten Platz
In Österreich (64,4 Prozent) und Deutschland (61,5 Prozent) beantworteten die Autofahrer über 60 Prozent der Fragen richtig. Platz 3 belegte Portugal mit 58,9 Prozent. Die Briten (49,2 Prozent), Spanier (47,2 Prozent) und Slowenen (43,4 Prozent) fielen sogar unter die 50 Prozent-Marke und landeten so im internationalen Vergleich auf den letzten Plätzen.
Die größten Defizite ergaben sich im theoretischen Teil. Hier waren die Befragten bei den Fragen zur Fahrzeugtechnik und –ausstattung am sichersten, wobei auch die nur zur Hälfte (50,5 Prozent) richtig beantwortet wurden. Deutlich schwächer fielen die Antworten zu Verkehrsregeln und Umwelt (44,4 Prozent) sowie zum allgemeinen Fahrverhalten (40,9 Prozent) aus. Bei den praktischen Fragen hingegen schnitten die Autofahrer fast doppelt so gut ab.
Was die Geschlechter betrifft, so gab es bei der richtigen Beantwortung der theoretischen Fragen keinen nennenswerten Unterschied zwischen Frauen und Männern. Anders im praktischen Teil: Hier lagen die Männer deutlich vorne.
Neulinge mit Problemen in der Praxis
Autofahrer, die ihren Führerschein seit fünf bis zehn Jahren besitzen, lieferten wesentlich häufiger korrekte Antworten auf die theoretischen Fragen. Im Praxisteil hatten vor allem Führerscheinneulinge Probleme. Befragte, die 61 Jahre und älter waren, hatten in Theorie und Praxis mehr Schwierigkeiten als jüngere.
Wer weniger als 5 000 Kilometer im Jahr fährt, war ebenfalls in beiden Teilen spürbar unsicher. Im theoretischen Teil gab es ab einer Jahresfahrleistung von 20.000 Kilometern deutlich mehr richtige Antworten, im praktischen Teil ab 25000 Kilometern. Die Fahrzeugklassen hingegen spielte keine Rolle.
Relativ einig ist man sich in Europa bei der Bewertung dessen, was bei anderen Autofahrern am meisten stört: Dichtes Auffahren, Drängeln und riskantes Überholen sind die Ärgernisse Nummer eins, gefolgt von plötzlichem Wechsel der Spur. Über störende Verhaltensweisen anderer Verkehrsteilnehmer regten sich die befragten Autofahrer in Slowenien am meisten auf. Auch die Österreicher und die Niederländer zeigten schwächere Nerven. Eine deutlich höhere Toleranzschwelle haben die Autofahrer in Norwegen und der Schweiz.
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