Tempel für 100 Millionen Euro: Porsches Pracht-Museum eröffnet
zuletzt aktualisiert: 28.01.2009 - 14:55Stuttgart (RPO). Porsche kann es sich leisten. Die Sportwagen-Schmiede hat in Stuttgart ein Museum für schlappe 100 Millionen Euro hingestellt. Der Prachtbau soll die neue Visitenkarte des Autobauers sein. Am 31. Januar öffnet es für das Publikum.
Die Bauzeit des neuen Porsche-Museum hat sich über mehrere Jahre erstreckt. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking bezeichnete bei der Einweihungsfeier vor rund 300 Gästen aus Politik und Wirtschaft das Museum als das "mit Abstand spektakulärsten Gebäude in der Unternehmensgeschichte". Die Ausstellung in dem futuristisch anmutenden Gebäude, das mit rund 100 Millionen Euro Kosten doppelt so teuer wurde wie ursprünglich geplant, ist für das Publikum ab Samstag geöffnet.
An der Eröffnung nahmen neben dem gesamten Porsche-Vorstand auch Mitglieder der Familien Porsche und Piëch teil, darunter Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche. Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) und Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt zählten zu den Gästen. Das Museum mit seiner "einzigartigen" Sportwagensammlung habe eine "besondere Strahlkraft", die weit über die Landesgrenzen hinaus reiche, hob Oettinger hervor. Es zeuge innen und außen von "Weltklasse und höchster Ingenieurskunst".
Wiener Architekturbüro
In dem asymmetrischen Gebäude direkt am Porsche-Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen werden rund 80 Automobile sowie etwa 200 Kleinexponate aus der Geschichte des Unternehmens ausgestellt. Im alten Museum konnte aus Platzgründen nur ein kleiner Teil der Exponate gezeigt werden. Das Museum wurde nach Plänen des Wiener Architekturbüros Delugan Meissl gebaut, das sich bei einem Wettbewerb unter 170 Teilnehmern durchgesetzt hatte. Die 3500 Tonnen schwere Ausstellungsfläche fußt 16 Meter über dem Boden auf drei stelzenartigen Stahlbetonkonstruktionen.
Wiedeking verteidigte den Neubau gegen Kritik an der Baukostenexplosion. "Das alte Museum war eine einfache Abstellkammer, auch Garage genannt, aber kein Museum", betonte der Unternehmenschef. Die hohen Kosten begründete er mit der kühnen Konstruktion und der komplizierten Statik, die die Kalkulation erschwert habe. Ein Gebäude wie dieses gebe es nicht noch einmal, sagte Wiedeking.
Automobilkrise meistern
Konzernbetriebsratschef Uwe Hück sagte, das Museum zeige "die Geschichte eines Unternehmens, das einmalig ist". Dabei zeigte er sich zuversichtlich, dass Porsche mit seiner "Kultur des Miteinanders" die aktuelle Automobilkrise erfolgreich meistern werde. Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche sagte, das Unternehmen habe einen Auftrag, die Erinnerung an die Gründerpersönlichkeiten und ihr Werk lebendig zu halten. Das Museum stehe "für fast ein Jahrhundert Automobilgeschichte".
Der Autobauer Daimler hatte bereits 2006 sein Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart eröffnet, das mit einer Ausstellungsfläche von 16.500 Quadratmetern als größtes Automobilmuseum der Welt gilt. Nach Porsche-Angaben sollen sich die beiden Museen gegenseitig befruchten. "Stuttgart ist damit die Weltstadt des Automobils", betonte Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU).
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