Der Countryman ist da: Querfeldein trifft Mini-Lifestyle
VON MANFRED JERZEMBEK, SP-X - zuletzt aktualisiert: 17.09.2010 - 07:39Düsseldorf (RPO). Countryman heißt er, der neue Mini-Spross. Er definiert ungewohnte, viel größere Fußstapfen, als es die wendigen Stadtflitzer der britischen Kult-Marke bislang vermochten. Am Samstag geht der erste Mini mit vier Türen in den Handel.
Bei BMW ist man ob des vierten Modells der trendigen Tochtermarke erwartungsvoll optimistisch, erkennt aber durchus die Tragweite dieses Schrittes: „Mini befindet sich nun am Beginn eines neuen Kapitels“, betont Adrian van Hooydonk, Gesamt-Designverantwortlicher der BMW Group. Diese Einschätzung zeugt vom unerschütterlich scheinenden Selbstbewusstsein der Münchner.
Dennoch lässt sich das Käuferverhalten nicht hundertprozentig vorhersagen, weshalb Technik-Vorstand Klaus Draeger fast beschwörend hinzufügt: „Der Countryman ist ein klassischer Crossover, ein typischer Mini.“ In der Tat ist es entscheidend, wie das Publikum den Mini Countryman aufnimmt: bloß als einen weiteren Crossover mit höherer Sitzposition und modischem Outfit - oder als unverwechselbaren Mini, der die Modellfamilie mit dem Lifestyle-Image glaubwürdig nach oben erweitert.
Die Preise
Zu bekommen ist der Mini Countryman ab 20.200 Euro, der Allradantrieb kostet je nach Version zwischen 1600 und 1700 Euro Aufpreis. Mit ein paar Extras und großem Motor überspringt der Preis allerdings locker die 30.000-Euro-Marke. Und in diesen Gefilden buhlt dann auch schon ein BMW X1 um die Gunst der modebewußten Kundschaft.
Umlaufendes Dach
Die Räder sind markant ganz an die Karosserieecken gerückt, das umlaufende Dach als weiteres Wiedererkennungsmerkmal ist auch hier gesichert. Was im direkten Parkplatz-Vergleich mit dem bekannten Mini Cooper zunächst wie ein Paarlaufen von David und Goliath scheint, relativiert sich im alltäglichen Verkehrsgeschehen rasch: der Countryman ist mit 4,10 m Länge (plus 40 Zentimeter gegenüber dem normalen Mini) und 1,56 m Höhe (plus 15 Zentimeter) eine stattliche Erscheinung. Peinlich oder verstylt aber wirkt er nicht.
Ein wichtige Beobachtung für Techniker und Marketing-Strategen, denn nichts wäre für das sorgsam gepflegte Marken-Image kontraproduktiver als eine „Elefanten-Diskussion“. Gert Hildebrand, der seit zehn Jahren das Mini-Design weiterentwickelt und pflegt, berichtet: „Wir haben ihn von innen nach außen entwickelt. Und zwar auf Wunsch unserer Kunden, die sich ständig beklagten, dass das erste Kind und der Familienhund in unserem gewohnten Package-Konzept nicht unterzubringen waren.“
Kommoder Einstieg
Also definierten die Kreativkräfte einen kommoden Einstieg mit vier Türen, sie legten den Radstand auf 2,60 m fest und sorgten für eine langstreckentaugliche Innenraum-Atmosphäre. „Das A und O sind die Proportionen“, erläutert Hildebrand, „wenn die sauber übertragen werden, gibt es keine falschen Kompromisse.“ Eigene Akzente setzt der Countryman jedenfalls auch im Mini-Umfeld: Die steil ansteigende Frontpartie mit dem wuchtigen Doppel-Grill und nun viel größeren Scheinwerfern grenzt den Allrounder optisch von der gewohnten Mini-Familie ab.
Beim ersten Kennenlernen stand das Benziner-Spitzenmodell mit dem 135 kW / 184 PS starken 1,6-Liter-Direkteinspritzer zur Verfügung. Das Turbo-Aggregat erreicht zwischen 1600 und 5000 Umdrehungen ein maximales Drehmoment von 240 Nm - mit Overboost und dann 1,0 bar Ladedruck sogar 260 Nm, die für Spurteinlagen zwischen 1700/min und 4500/min abrufbar sind.
Nicht übermotorisiert
Im Fahrbetrieb wirkt der stolze 1455 kg schwere Countryman Cooper S mit Allradantrieb („All 4“) damit nicht übermotorisiert, die Leistung ist jedoch angemessen - auch dann, wenn die erlaubte Zuladung von 460 kg voll ausgereizt wird. 210 km/h Höchstgeschwindigkeit sind möglich, aus dem Stand auf Tempo 100 dauert es 7,9 Sekunden, wenn das exakt zu schaltende mechanische Sechsgang-Getriebe mit an Bord ist.
Das Fahrwerk ist straff, aber langstreckentauglich. Allerdings laufen die Reifen der Dimension 205/55 R17 mit ihrer Runflat-Eigenschaft (= Notlaufeigenschaften bei Luftverlust) spürbar hölzern ab, wenn sie auf kurz aufeinanderfolgende Bodenwellen und Querfugen treffen. Das so oft zitierte „Go-Kart-Gefühl“ kann der Countryman dank der sehr direkt agierenden elektromechanischen Servolenkung bieten, ohne jedoch an die Stadtflitzer-Meriten seines kleineren Markenbruders heranzukommen.
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