An Autobahnen: Razzia gegen Toiletten-Betreiber
zuletzt aktualisiert: 26.06.2009 - 12:21Mainz (RPO). Dass Beschäftigte auf öffentlichen Toiletten um ihre Trinkgelder geprellt werden, ist nicht neu. Neu ist eine bundesweite Großrazzia, die Polizei und Zoll an Autobahnen durchführten. Sie gingen dem Verdacht nach, dass bulgarische Betreiber von Toiletten von ihren Verpächtern betrogen werden.
Wie die Staatsanwaltschaft Mainz berichtete, wurden zeitgleich etwa 20 Objekte durchsucht und weiteren 280 Toilettenanlagen überprüft. Dabei waren unter Federführung des Hauptzollamts Traunstein etwa 1100 Beamte im Einsatz.
Wie der Leitende Oberstaatsanwalt Klaus Puderbach erklärte, sollen die Verpächter bei den Betreibern der Toiletten die Einnahmen kassiert und damit das Arbeitsentgelt veruntreut haben. Ermittelt werde gegen sechs Personen, die ausgehend von Mommenheim bei Mainz ein komplexes Firmengeflecht aufgebaut hatten, sagte Puderbach. Die Betrügereien seien vermutlich mehrere Jahre gelaufen.
Dabei sei den Beschäftigten vorgegaukelt worden, sie seien in Deutschland selbstständig tätig. In Wirklichkeit seien die Vertragspartner - im wesentlichen Bulgaren - aber in völlig Abhängigkeit beschäftigt worden. So hätten die Mitarbeiter selbst die auf öffentlichen Toiletten üblichen Trinkgelder komplett abliefern müssen.
Die bulgarischen Arbeitnehmer wurden laut Staatsanwaltschaft in ihrem Heimatland durch Zeitungsanzeigen angeworben. Die Firma soll ihnen Einsatzorte zugewiesen haben, wo sie an sieben Tagen in der Woche jeweils von 06.00 bis 22.00 Uhr ihrer Tätigkeit nachzugehen hatten - für "sehr, sehr geringe Bezahlung", wie Puderbach sagte.
Auch seien sie nicht wie vorgeschrieben bei der Sozialversicherung angemeldet worden. "Es besteht der Verdacht, dass die Beschuldigten zahlreiche Unternehmen zur Verschleierung ihres Vorgehens gegründet haben, unter denen die einzelnen Beschäftigen ausgetauscht werden", teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit.
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