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Chefdesigner Laurens van den Acker: Renaults Gesicht für die Zukunft

VON THOMAS GEIGER - zuletzt aktualisiert: 14.01.2012 - 10:40

Düsseldorf (RP). Vor fünf, zehn Jahren war Renault Stilführer in Europa. Autos wie der Megane, der Avantime oder der Espace waren zwar nicht immer Bestseller. Doch die Entwürfe von Patric Le Quement waren zumindest nicht zu übersehen und brachten den Franzosen den Ruf der mutigen Designermarke ein.

Nicht umsonst nannte sich Renault selbst "Createur d'Automobiles" und gab sich erst gar keinen technischen Anstrich mehr. Aber danach schlug das Pendel umso heftiger zurück und aus dem Provokateur wurde ein Langweiler: Brav und bieder sind die Autos geworden. Und vor allem verwechselbar.

"Das trifft uns besonders hart, weil unsere direkten Konkurrenten deutlich aufgeholt haben", sagt Laurens van den Acker mit einem ebenso neidvollen wie anerkennenden Blick auf Peugeot und Citroen. Seit zwei Jahren ist er jetzt Designchef in Paris und angetreten, den Franzosen ein neues Profil zu geben.

"Verführerischer, sinnlicher und wärmer"

"Wir werden verführerischer, sinnlicher und wärmer", verspricht van den Acker. Aber zum Beweis kann er bislang nur die ersten Designstudien zeigen, die unter seiner Regie entstanden sind. Weil die Entwicklung eines neuen Autos noch immer drei bis vier Jahre dauert, brauchen Designer einen langen Atem und viel Geduld.

Doch schon die Studien sind vielversprechend und verraten mehr, als dass sie geheim halten. Und zwar nicht nur, weil sie alle die gleichen organischen Formen, dieselben muskulösen Flanken und die stark konturierten Oberflächen haben, über die man am liebsten sofort mit der Hand streichen möchte. Sondern weil van den Acker sich nicht auf ein einzelnes Modell festlegen wollte.

Um seinen neuen Stil zu etablieren, hat er gleich einen ganzen Schaffenskreis geplant: Sechs Autos für die sechs unterschiedlichen Lebensabschnitte will er auf die Räder stellen und damit einmal mehr beweisen, dass bei Renault der Mensch im Mittelpunkt steht. "Nicht umsonst haben wir mal mit dem Slogan 'Autos zum Leben' geworben."

Der Reigen der Showcars, hinter denen jeweils auch ein mehr oder weniger konkretes Serienprojekt steht, hat vor einem guten Jahr mit der Studie Dezir begonnen. Der Elektrosportler, der zum Beispiel einen Ausblick auf das Comeback von Alpine gibt, steht für van den Acker für die erste große Liebe, für den Moment, in dem die Funken fliegen und man so eine Gänsehaut bekommt, wie beim Blick auf die Flanke des futuristischen Flügeltürers. Auffällig hier die silbernen Lufteinlässe – auch Sideblades genannt – im Stil des Audi R8.

Frendzy als Nachfolger des Kangoo

Für die Lebensphase vor der Eheschließung steht das Modell "Capture": Sportlich und trotzdem für alle Widrigkeiten gewappnet, gibt die Studie den jugendlichen Abenteuer, der einmal zum französischen Ableger des Nissan Juke werden könnte. Für die in ihrer Beziehung Angekommenen R-Space. Als Vorbote von Modus oder Scenic ist er der ideale Familienvan, in dem die Eltern vorne in Schalensitzen kuscheln und der Nachwuchs hinten mit ledernen Bauklötzchen spielt, als wäre er in einer Luxusausgabe vom Legoland. Selbst die schnöde Arbeitswelt spart van den Acker nicht aus und zeigt mit dem Frendzy, wie pfiffig und charmant ein Nachfolger des Kangoo aussehen könnte: Unter der Woche intelligenter Lieferwagen, und am Wochenende Familienkutsche – so multifunktional ist der Transporter der Zukunft.

So weit, so gut. Was jetzt noch fehlt im Studienreigen, sind die Autos fünf und sechs. Nummer fünf will sich vor allem dem Spaß widmen, den man im Urlaub oder der Freizeit erleben möchte. Deshalb fällt das Modell besonders klein, spritzig und sportlich aus. Nummer sechs steht für die Weisheit des Alters. Damit will van den Acker zeigen, wie ruhig, besonnen und elegant ein neues Luxusmodell von Renault sein könnte.

"Unsere Familienbande betonen"

Neben der visionären Weite und den geschwungenen Formen gibt es noch ein weiteres Element, das die Studien verbindet: das neue Gesicht. Ging die Renault-Raute an der Front der aktuellen Modelle gerne unter, steht sie jetzt stolz und breit im Wind und wird von einem schwarzen Band zwischen den Scheinwerfern noch zusätzlich betont: "Wir wollen wieder unverwechselbar werden und unsere Familienbande betonen", sagt der Chefdesigner und muss den Franzosen dafür gelegentlich die Augen öffnen.

"Bei einem Marktanteil von 30 Prozent hat man mit der Wiedererkennung in Frankreich kein Problem", sagt der Designer. Aber überall sonst auf der Welt geht man ohne starkes Gesicht baden. "Für die Chinesen zum Beispiel gibt es 100 neue Marken. Da muss man sich zunächst einmal richtig präsentieren."

Wie ernst es der Niederländer van den Acker wirklich meint, wird man wohl erst Ende 2012 sehen. Dann enthüllt er als erstes Serienauto unter seiner Regie die überfällige Neuauflage des Clio, die der Star des Pariser Salons 2012 werden soll. Doch ganz so lange muss man vielleicht gar nicht mehr warten, verrät der Designer. "Wer sich das neue Gesicht des Twingo anschaut, der sieht, wohin die neue Reise unserer Marke geht."

Quelle: RP/sgo/csi/chk


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