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300 Autobahn-Brücken sind baufällig: Sanierungsarbeiten kosten 3,5 Milliarden Euro

VON NICOLAS BERTHOLD - zuletzt aktualisiert: 05.07.2011 - 11:47

Düsseldorf (RPO). Rund 300 Autobahn-Brücken in Nordrhein-Westfalen sind stark sanierungsbedürftig. Teilweise stammen die Bauten aus den 60er Jahren. Der Investitionsbedarf ist entsprechend hoch: Der Landesbetrieb Straßenbau NRW möchte in den kommenden Jahren 3,5 Milliarden Euro in die Sanierung der Überführungen stecken. Der ADAC fordert einen höheren finanziellen Einsatz.

Viele Brücken in NRW sind stark sanierungsbedürftig und stellen ein Sicherheitsrisiko dar.  Foto: ddp, ddp
Viele Brücken in NRW sind stark sanierungsbedürftig und stellen ein Sicherheitsrisiko dar. Foto: ddp, ddp

Der Name wirkt eher harmlos. Das Problem, das sich hinter dem wohl klingenden Arbeitstitel verbirgt, ist gravierend: Die Projektgruppe "Brückenertüchtigungsprogramm" des Landesbetriebs Straßenbau NRW wird in den kommenden Jahren rund 300 marode Brücken an den Autobahnen ins Visier nehmen und auf ihre Sicherheit hin prüfen.

Viele Brücken sind veraltet, viele weisen teils erhebliche Mängel auf. NRW ist aufgrund der Altersstruktur seiner Autobahnen und Bundesstraßen das mit Abstand am stärksten betroffene Bundesland.

Insbesondere die Transitstrecken und Hauptverkehrsrouten von A1, A2, A3, A4 und A40 stehen im Fokus. Sicherheitsmängel an Überführungen in der Region aber sind laut Landesbehörde ein generelles Problem. "Fast alle Autobahnen sind betroffen. Wir werden in den kommenden Jahren viel Geld investieren, um die Brücken auf den neuesten Stand zu bringen", erklärt Bernd Löchter von der Pressestelle auf Anfrage unserer Redaktion.

Problem Lkw

Der Sanierungsbedarf ist gewaltig – nicht nur auf den Autobahnen NRWs, sondern bundesweit. Die meisten Brücken wurden in den Jahren zwischen 1960 und 1980 gebaut und sind somit bis zu 50 Jahre alt. "Damals wurde nicht mit einem derartigen Anstieg des Güter- und Schwerverkehrs gerechnet", sagt Löchter. "Insbesondere die hohe Anzahl schwerer Lkws ist ein Problem. Sie bringen die Bauten ins Wanken, was mit der Zeit die Stabilität gefährdet."

In NRW besteht akuter Handlungsbedarf. Die Brücken der Region könnten zu einem Sicherheitsproblem für Autofahrer werden, wenn Land und Bund nicht schnell eingreifen. "Die Überführungen sind sehr stark in die Jahre gekommen", meint auch Andreas Hölzel vom ADAC auf Anfrage unserer Redaktion. "Derzeit besteht zwar akut keine Einsturzgefahr – soweit darf es aber auch erst nicht kommen."

30 Großbaustellen in NRW

Schon jetzt herrscht auf den Autobahnen des Landes an 20 bis 30 Großbaustellen nervenaufreibendes"'Stop and Go". An vielen Baustellen werden Sanierungsarbeiten an Brücken durchgeführt. Nicht eingerechnet sind die vielen kleinen Nachbesserungen, die den täglichen Verkehrsfluss hunderttausender Fahrzeuge ebenfalls beeinträchtigen.

Doch im Zuge des "Brückenertüchtigungsprogramms" müssen sich NRWs Autofahrer in den kommenden Jahren wohl oder übel an das Bild von Sanierungsarbeiten an Überführungen gewöhnen.

ADAC fordert bundesweite Analyse

"Es ist derzeit geplant, in den nächsten fünf bis zehn Jahren an den 300 besonders kritischen Brücken nachzubessern", sagt Löchter. "Wir gehen von einem finanziellen Volumen von derzeit 3,5 Milliarden aus." Allein in NRW.

Der ADAC fordert bundesweit eine Analyse aller Autobahn-Brücken. Hölzel: "Bundesregierung und Verkehrsminister müssen mehr Geld investieren. Wir haben es ja nicht nur mit Sicherheitsmängeln an Brücken zu tun. Auch das Straßennetz ist bundesweit in einem schlechten Zustand."

Düstere Aussichten

Die Aussichten für Brücken und Straßenbelag sehen nicht viel besser aus. Im Gegenteil: Bis 2025 wird nach Prognosen des Bundesverkehrsministeriums der Anteil des Schwer- und Güterverkehrs auf den Autobahnen um 80 Prozent steigen.

Nicht vom Tisch ist zudem die Diskussion um die sogenannten Gigaliner. Industrie und Transportgewerbe fordern vehement den Einsatz dieser Lkws im XXL-Format. Die Riesen-Lastwagen dürften bis zu 60 Tonnen Gewicht tragen und wären 25 Meter lang. Eine echte Belastungsprobe für's Material.

Und für die Menschen. In drei Wochen beginnen in NRW die Sommerferien. Die Nerven urlaubsreifer Autofahrer dürften auf dem Weg in den Süden an den unzähligen Großbaustellen arg strapaziert werden.

Quelle: rpo

 
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