Sogar Rolls-Royce kopiert: Schanghai: Chinas dreiste Auto-Plagiate
zuletzt aktualisiert: 21.04.2009 - 10:17Schanghai (RPO). Was die Konstrukteure in Schanghai diesmal an dreisten Kopien abliefern, stellt alles bisher dagewesene in den Schatten: Auf der Messe Auto-China steht ein Geely GE, der einem Rolls-Royce wie aus dem Gesicht geschnitten ist und sogar eine geflügelte Schönheit über dem Grill trägt.
Zwar ist Volkswagen unumstrittener Marktführer, doch den Ton geben auf der Messe die etwa zwei Dutzend heimischen Hersteller an. Sie fahren eine ganze Reihe von Fahrzeugen auf, tauchen bisweilen 20 Neuheiten in Konfettiregen und bedienen das gesamte Segment vom pfiffigen Kleinwagen über spießige Mittelklasse-Limousinen bis hin zu feudalen Geländewagen, protzigen Luxuslinern oder Sportmodellen.
Viele dieser Autos kommen Messegästen aus dem Westen verdächtig vertraut vor. Denn nicht nur über die offiziellen Lizenzen für lokale Partner werden altbekannte Europäer und Japaner wie der Mazda 2, der Fiat Multipla oder der Honda Accord in China recycelt oder wie der nagelneue Opel Insignia als Buick Regal einfach unter anderem Namen angeboten.
Nach wie vor sind die Chinesen auch Meister im Kopieren: Deshalb erinnern viele neue Stadtflitzer an den Smart oder den Toyota iQ. Der Roewe 550 trägt das Gesicht des VW Eos, bei Brilliance steht noch vor dem Marktstart des Originals eine Imitation des VW Up, und der Hover M3 sieht aus wie eine freizügige Blaupause des Skoda Yeti.
Das frechste Plagiat
Doch das mit Abstand frechste Plagiat ist der Rolls-Royce-Verschnitt Geely GE. Er ist angeblich von einer chinesischen Teedame inspiriert und nicht etwa von einer britischen Skulptur. Skrupel haben die Chinesen wegen der frappierenden Ähnlichkeit nicht: "Wenn die Kunden den Wagen annehmen, dann werden wir 1000 Stück im Jahr bauen", sagt ein Firmensprecher und geht von einem Preis von umgerechnet rund 100.000 Euro aus - ein Bruchteil dessen, was der echte Rolls-Royce in China kostet.
Allerdings stehen bei den Chinesen auf der Messe auch auffällig viele eigene Entwürfe, mit denen sich die Designer von ihren Vorbildern aus dem Westen emanzipieren. Sportwagen wie der Mantide der örtlichen Bertone-Filiale, Limousinen wie der CH-C-011 von Great Wall oder Crossover-Konzepte wie der Channa von Build Your Dream sind nach westlichen Maßstäben vielleicht keine Schönheiten, doch zumindest haben sie durch und durch chinesische Wurzeln.
"English we not speak"
Bei dem ganzen Trubel und der Vielfalt der Modelle können europäische Beobachter schnell den Überblick verlieren. Denn so weltoffen sich Konzerne wie Haima, Dongfeng, Cherry oder Brilliance auch geben - mit internationalen Sprachkenntnissen ist es nicht sonderlich weit her: "Sorry, English we not speak", ist deshalb die häufigste Antwort auf Fragen nach Serienchancen oder Exportabsichten.
Potenzial dafür gibt es auf der Messe reichlich: Wo Hybride oder Elektrofahrzeuge sonst als große Errungenschaften gefeiert werden, stehen sie bei den Chinesen fast schon selbstverständlich zwischen den Serienfahrzeugen. Zwar zollen ihnen Experten wie Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen dafür durchaus Respekt und erwarten beim Batterieantrieb manchen Impuls aus dem Fernen Osten. Doch wirken viele ausgestellte Öko-Autos arg improvisiert.
Keine Lachnummer
So schillernd, bunt und schräg der Messeauftritt mancher Hersteller auch sein mag, eine Lachnummer ist die Auto Shanghai nicht. Im Gegenteil: Die Messe habe sich ihren festen Platz unter den großen Branchengipfeln gesichert, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche. Denn China ist nicht nur das einzige Land, das der Konjunkturkrise zum Trotz zumindest noch langsam wächst. Obendrein ist China auf dem Weg zum größten Automarkt der Welt: 5,7 Millionen Zulassungen waren es im letzten Jahr. Bis 2020 werden die Chinesen die Amerikaner als Autonation Nummer 1 eingeholt haben, ist Dudenhöffer überzeugt.
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