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Vor 76 Jahren: Schon Hitler setzte auf Abwrackprämie

VON MATTHIAS BEERMANN - zuletzt aktualisiert: 20.04.2009 - 10:44

Düsseldorf (RP). In Zeiten der Krise die lahmende Wirtschaft anzukurbeln, indem die Bürger für Neuanschaffungen vom Staat finanziell belohnt werden – das ist in Deutschland schon vor 76 Jahren versucht worden. Und auch damals ging es zunächst um die darbende Automobilindustrie.

Adolf Hitler beim Spatenstich der ersten Reichsautobahn am 23. September 1933.  Foto: ddp
Adolf Hitler beim Spatenstich der ersten Reichsautobahn am 23. September 1933. Foto: ddp

Weil die Verkaufszahlen der deutschen Hersteller, allen voran Opel, katastrophal schlecht waren, griffen die Nationalsozialisten im Frühjahr 1933 zu einer drastischen Maßnahme: Am 10. April 1933 wurden alle künftig neu zugelassen Pkw und Motorräder unbefristet von der Kfz-Steuer befreit.

Prompt verdreifachte sich die Zahl der Auto-Neuzulassungen fast und schnellte von mageren 9000 im ersten Quartal auf immerhin 26 000 im zweiten Quartal. Der Auto-Boom der Nazis erwies sich jedoch als Strohfeuer: In den beiden folgenden Quartalen sackten die Neuzulassungen und auch die Produktion wieder auf ihr vorheriges Niveau zurück. Die Absatzkrise ging weiter.

Ende des darauffolgendes Jahres musste Opel dann spektakulär die Preise senken, auch für Bestseller wie den vierzylindrigen Opel 1. Die Steuerbefreiung allein war offensichtlich nicht Anreiz genug, um den Absatz dauerhaft anzukurbeln. Denn anders als die Bundesregierung heute zahlte die klamme Reichsregierung 1933 keine Barprämie aus.

Das galt auch für eine weitere Maßnahme, mit der der Staatssekretär im Reichsfinanzministerium, Fritz Reinhardt, die Nachfrage nach Investitionsgütern in den Betrieben befeuern wollte. Das "Gesetz über die Steuerfreiheit von Ersatzbeschaffungen" vom 10. Juni 1933 legte fest, dass inländische Unternehmen zwischen Juli 1933 und Dezember 1934 neu bezogene Ausrüstungen steuerlich unmittelbar als Aufwand abziehen durften. Der Gesetzestext enthält aber ein interessantes Detail: Die durch neues Material ersetzten Maschinen, Geräte oder Werkzeuge mussten demnach "vernichtet oder verschrottet werden".

Damit verfolgte die Reichregierung seinerzeit diesselbe Logik wie heute die Große Koalition: Dem Wirtschaftskreislauf Güter zu entziehen, um die Nachfrage nach neu produzierten anzuheizen. Damals jedoch verpuffte der Anreiz. Erst die massiven Kriegsvorbereitungen ließen die deutsche Industrie wieder richtig auf Touren kommen.

Quelle: RP

 
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