Foto: H.J. Bauer / RP
Sie ist nicht neu - die Forderung nach einem Tempolimit auf der Autobahn. Bremen hat sie nun als erstes Bundesland umgesetzt. Doch was sagt ein Experte wie der Duisburger Stau-Forscher Michael Schreckenberg (Foto) dazu? Und was steht in den Unfallstatistiken?
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Gäbe es bei einem Tempolimit weniger Staus?
Nein, das ist Unsinn. Zumindest wenn es um ein generelles Tempolimit geht.
Ich halte viel von einem flexiblen Tempoleitsystem. Versuche mit "dWiSta" etwa laufen seit 2006. Hinter dem "dynamischen Wegweiser mit integrierten Stauinformationen" verbirgt sich eine sinnvolle Freitextanzeige auf Autobahnen mit gezielten Tempohinweisen, die die jeweilige Verkehrssituation berücksichtigen.
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Würde ein Tempolimit den CO2-Ausstoß reduzieren?
Der Straßenverkehr ist für etwa zwölf Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Nach Schätzungen würde der Anteil um maximal 0,3 Prozentpunkte sinken - bei einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 120km/h. Mit Tempo 130 wäre der Effekt noch geringer. Wichtiger wäre, die Zahl der Staus zu reduzieren. Auch mehr Autos, die weniger verbrauchen oder auf alternative Antriebe setzen, wären effektiver.
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Senkt ein Tempolimit die Zahl der Unfälle?
Die Zahl der Unfälle nimmt mit dem Tempo tatsächlich ab. Doch 60 Prozent aller tödlichen Unfälle passieren auf Landstraße, auf denen bereits ein Tempolimit gilt. Dagegen rollen 31,6 Prozent des Verkehrs über die Autobahnen. Dort aber werden nur zwölf Prozent aller Verkehrstoten und 7,5 Prozent aller Verletzten gezählt. Zudem kommen in Deutschland auf eine Milliarde gefahrener Kilometer 3,1 Tote. In Österreich sind es 4,8 und in den USA 5,0. In beiden Ländern gelten auf der Autobahn Tempolimits bis zu 130 km/h.
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Warum sind gezielt eingesetzte Tempolimits besser?
Wenn es die Verkehrssituation erfordert, ist Tempo 80 oder 60 erforderlich, um den Verkehr im Fluss zu halten. Das funktioniert besser als dauerhaft Tempo 130.
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Und warum ist ein generelles Tempolimit nicht sinnvoll?
Weil es dem Autofahrer nicht einleuchtet. Es ist sinnlos, jemanden auf vollkommen freier Strecke nach Paris zu Tempo 130 zu zwingen. Im Gegenteil: Studien haben ergeben, dass die eintönige Fahrweise dazu führt, dass die Fahrer ihr Großhirn abschalten und die Zahl der Unfälle zunimmt. Zudem weiß man nach Innenstadt-Versuchen mit generellem Tempo 30 aus Schweden, dass generelle Lösungen Aggressionen beim Autofahrer schüren.
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Ist Deutschland das einzige Land in Europa ohne Tempolimit?
Das trifft zu. Aber der Trend kehrt sich langsam wieder um. Österreich beispielsweise testet streckenweise wieder Tempo 160 km/h auf Autobahnen. Auch in Italien gibt es Überlegungen, das Tempolimit aufzuweichen.
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Wie sieht die Lösung der Zukunft aus?
Das Zukunftsmodell sind Onboard-Systeme. Im Auto muss der Fahrer wissen, dass ihn auf den nächsten 20 Kilometern zähfließender Verkehr erwartet. Dann passt er von selbst seine Geschwindigkeit an und rast nicht mehr mit 180 km/h in den Stau hinein.