Kompaktmodell jetzt im Handel: So fährt sich der neue Opel Astra
VON PETER SCHWERDTMANN - zuletzt aktualisiert: 08.12.2009 - 15:37Düsseldorf (RPO). Der Erfolg des Insignia ist eine der Quellen der Selbstsicherheit von Opel. Der Astra, der seit dem 5. Dezember bei den Händlern steht, soll daran anknüpfen. Dafür hat er von seinem größeren Bruder Einiges mit auf den Weg bekommen. Wir haben ihn gefahren.
Technologien wie das adaptive „Flexride“-Fahrwerk oder das ebenfalls adaptive Fahrlicht (AFL) kommen jetzt der Opel-Kompaktklasse zugute, noch gegen Aufpreis. Aber die Opel-Leute lassen keine Gelegenheit aus, darauf hinzuweisen, dass sie den Astra als ein Beispiel für die Firmenphilosophie sehen, Hightech erschwinglich anzubieten.
Auch beim Design stand der große Bruder Pate. Der Astra zeigt ein freundliches Gesicht mit viel Chrom und mit pfeilförmigen LED-„Augenbrauen“ über den auffällig gestalteten Scheinwerfern. Rund und schnell sieht er aus mit seiner stark ausgeprägten Keilform, den breiten Schultern, den Akzente setzenden Kanten und Linien und dem fülligen Heck. Mehr Radstand (plus 71 Millimeter) und eine größere Spur (vorn plus 56 Millimeter, hinten plus 70 Millimeter) lassen ihn erheblich stämmiger auf der Straße stehen. Er wirkt gefällig, athletisch und modern.
Coupé-Charme
Die sehr weit vorn und flach angesetzte Windschutzscheibe und die hinten nach unten gezogene Oberkante der Fenster geben seiner Seitenansicht den heute so beliebten Coupé-Charme. Doch unter dem optisch heruntergezogenen Heck bleibt auch auf den Rücksitzen Raum für Großgewachsene. Dort wirken sich die zusätzlichen Millimeter beim Radstand positiv auch bei der Beinfreiheit aus. Vorn sorgen die große Distanz zwischen Fahrer und Beifahrer und der weit ins Dach hineingezogenen Windschutzscheibe für ein neues Raumgefühl, dabei unterstützt von der tiefer als üblich angesetzten Armaturentafel und der Mittelkonsole, die in ihrer optischen Dominanz den Blick nach unten zieht.
Außen wie innen wirkt der Astra im Vergleich zu seinem Vorgänger eine halbe Nummer größer und mehr als eine halbe Nummer edler. Formen, Materialien und Verarbeitung vermitteln keineswegs, dass das Einsteigermodell schon für 15.900 Euro zu ist. Allerdings kauft niemand das nackte Basismodell „Selection“ und kaum jemand die zweite Ausstattungsstufe „Edition“ ohne Zubehör, sondern steckt noch ein paar Euros in zusätzliche Ausrüstung.
Kein Motörchen mehr
Als Testmodell stand uns die Astra-Variante 1.4 Turbo Ecotec Sport zur Verfügung. Unter den vier Astra-Benzinern von 74 kW / 100 PS bis 132 kW / 180 PS hat dieser Motor mit 103 kW / 140 PS gute Chancen zum Renner im Benziner-Markt. Im Frühjahr wird Opel eine Ecoflex-Variante nachreichen, die mit 64 kW / 87 PS nur noch 109 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer herauslässt. Bei den vier Dieseln reicht die Leistungspalette von 70 kW / 95 PS bis 118 kW / 160 PS. Opel gibt an, bei der kompletten Motorpalette den Verbrauch im Schnitt um zwölf Prozent gesenkt zu haben.
Einen 1,4-Liter-Vierzylinder hätte man vor gar nicht allzu langer Zeit noch als „Motörchen“ verspottet. Doch dann begann die Zeit des „Downseizing“, weil kleinere Motoren nun einmal weniger verbrauchen als gleichstarke, volumenstärkere Triebwerke. Mit Direkteinspritzung und einem kräftigen Hauch aus dem Turbolader lassen sich aber heute auch aus kleinen Motoren viele Pferdchen hervorlocken, bei unserem Turbo insgesamt 140. Die stehen bei 4900 Umdrehungen pro Minute parat, das maximale Drehmoment von 200 Newtonmetern zwischen 1850 und 4900 Umdrehungen.
Ausgezeichnete Sitze
Für den 1,4-Liter-Turbo gibt Opel einen Wert (nach EU-Norm) von durchschnittlich 5,9 Litern Super an. Bei den Dieseln liegen die Durchschnittswerte zwischen 4,2 Litern und 5,8 Liter. Und der Kraftprotz 1,6-Liter-Turbo mit 180 PS steht mit 6,8 Litern (entsprechend 159 Gramm Kohlendioxid) in der Liste.
Unser 1,4-Liter-Turbo war mit den von der Arbeitsgemeinschaft Guter Rücken ausgezeichneten Sitzen für 500 Extra-Euro ausgestattet, die sich bei Sitzkomfort und Seitenhalt das Qualitätssiegel dieser Vereinigung wirklich verdient haben. Ruhe scheint bei der Astra-Entwicklung erste Ingenieur-Pflicht gewesen zu sein. Das beginnt beim leisen Zuklappen der Tür und setzt sich fort über erstaunlich geringe Wind- und Fahrgeräusche.
Ebenfalls für vorbildlich halten die Opelaner ihre Innenraumgestaltung bei Ablagen und Kofferraum. 25 Liter Ablagen in Türen, Handschuhfächern, einer Schublade unter dem Beifahrersitz, in der Mittelkonsole und unter der Armstütze bezeichnen sie als einen weiteren Bestwert für das Fahrzeugsegment. Und auch für den 370 Liter großen Kofferraum, der sich durch Umklappen der geteilten Rücksitzbank auf maximal 1235 Liter vergrößern lässt, haben sie sich etwas ausgedacht: einen dreistufigen Kofferraumboden.
Platz für Fahrradständer
Zudem bleibt genug Platz für den integrierten Fahrradständer „Flex fix“ (590 Euro extra), der schon aus dem neuen Corsa her bekannt ist. Alles in allem hält der Astra mit seinem Preis hält immer noch deutlichen Abstand zum Wettbewerber aus Wolfsburg. Der Golf ist es wieder einmal, den sich Opel als Angriffsziel gewählt hat. Das war schon immer so, seit einst der Opel Kadett A gegen den Käfer antrat.
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