VW-Kleinwagen der bessere Golf?: So fährt sich der neue VW Polo
VON CARLHEINZ TÜLLMANN - zuletzt aktualisiert: 24.06.2009 - 11:08Düsseldorf (RP). Rund zehn Millionen Polo hat VW in aller Welt abgesetzt. Am 26. Juni startet die fünfte Generation auf der Erfolgsspur. Mit mehr Komfort, neuen Motoren und weniger Verbrauch. Wir haben den Polo getestet. Ist er am Ende der bessere Golf?
Wo hört ein Kleinwagen auf? Wo fängt die Kompaktklasse an? Das ist eine Generationenfrage. 1975 maß der erste VW Polo 3,512 Meter in der Länge. Ende Juni startet die fünfte Polo-Auflage mit dem Gardemaß von 3,970 Meter. Das brachte in den 80er Jahren der zweite Golf als Angebot für die ganze Familie. So stellt sich bei der Präsentation des neuen Polo auch die Frage: Muss es Golf sein, reicht nicht der Polo? Antwort: Jein!
Als ein Pfundskerl tritt der Polo Jahrgang 2010 optisch auf. Mit „knackigen Proportionen” beschreibt VW-Chefdesigner Walter de Silva sein Werk, das in der Startphase nur als Viertürer auf die Straßen rollt. Die progressive Front mit großem Kühlergrill und scharf geschnittenen Scheinwerfern dokumentiert einen selbstbewussten Auftritt. Besonders eindrucksvoll gelungen ist die Heckpartie mit dunkelroten, eckigen Rückleuchten. Beibehalten wurde das in die C-Säule integrierte dritte Seitenfenster. Zur sportlichen, kraftvollen Linie passen die ausgeprägten Radhäuser. Rundum: Der Polo kann dem Golf auf dem Laufsteg Konkurrenz machen.
Pluspunkte im Innenraum
Pluspunkte sammelt der ewige „Kleine” auch im Innenraum. Das Cockpit erfüllt auf Anhieb den Wolfsburger Anspruch nach Hochwertigkeit. Da wird kein Billig-Plastik installiert. Fahrer und Beifahrer sitzen in straffer Polsterung mit vorbildlichem Seitenhalt. Sie schauen auf eine Armaturentafel, deren Instrumente sinnvoll angeordnet, schnörkellos gestaltet und gut ablesbar sind. Manches erinnert an die Inneneinrichtung des Golf VI. Das ist kein Manko.
Doch bei den Platzverhältnissen stößt der Kleinwagen im Vergleich zum 4,23 Meter messenden größeren Bruder doch an seine Grenzen. Vorn ist zwar maßgeschneiderter Raum, im Fond jedoch wird es trotz der ausgeformten Vordersitzlehnen für Erwachsene knapp. Der Kofferraum muss ebenfalls klein beigeben: 280 bis 952 Liter im Polo, 350 bis 1305 Liter im Golf. Fazit: Singles, Duos, Paare mit bis zu zwei Kindern kommen mit dem Polo aus. Wenn die Familie wächst, Reisen mit mehr Gepäck angesagt sind, muss (aus VW-Sicht) der Golf ran.
Sprung bei der Motorisierung
Einen kräftigen Sprung hat der Polo bei der Motorisierung gemacht. Im Premierenjahr kann zwischen sieben Triebwerken gewählt werden, vier Benziner und drei Diesel mit einem Leistungsspektrum von 44 kW/60 PS bis 77 kW/105 PS. Für die drei Turbodiesel ist VW vom einst hochgelobten Pumpe-Düse-Prinzip zur auch von den Mitbewerbern favorisierten Common-Rail-Einspritzung gewechselt.
Technisches Glanzlicht bei den Benzinern ist der 1.2 TSI, ein mittels Turbo aufgeladener, druckvoller Vierzylinder-Direkteinspritzer, der 77 kW/105 PS mobilisiert (Spitze 190 km/h), nur 5,5 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer verbrauchen soll und mit 129 g/km CO2 rund 20 Prozent weniger Schadstoffe ausstößt als der Vorgänger. In Verbrauch und Ansprechverhalten getoppt wird er vom 1.6 TDI mit 66 kW/90 PS, der sich mit 3,6 Liter Diesel auf 100 Kilometer begnügt und Emissionen auf 96 g/km drückt.
Zeug zum Beststeller
Bei Probefahrten gefiel auch der 1,4-Liter-Benziner, der zur Markteinführung stärkste Benziner im Polo-Programm (63 kW/85 PS). Mit dem Sprint von Null auf 100 Kilometer in 12,1 Sekunden und der Höchstgeschwindigkeit von 177 km/h bei einem Verbrauch von 5,9 l/100 Kilometer passt er gut zur Familien-Flotte. Für alle Ausführungen gilt: Der neue Polo ist wendiger und handlicher geworden als der Vorgänger, und er überzeugt mit einer exzellenten Fahrwerksabstimmung.
Für den viertürigen Trendline mit 44 kW/60 PS beginnt der Polo-Spaß bei 12.885 Euro (Dreitürer = 12.150 ). Der viertürige TDI mit 55 kW/75 PS kostet 15.535 Euro (14.800). Schon die Basisversion verfügt serienmäßig über zahlreiche neue Komfort- und Sicherheitsdetails. Und nicht zuletzt weil der Abstand zum Golf rund 4000 Euro beträgt, hat der Polo das Zeug zum Bestseller.
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