Mann und Auto: Szenen einer beständigen Liebe
VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 10.08.2007 - 16:46Düsseldorf (RP). Die Herner Fotografin Brigitte Kraemer hat sich in ihrem Buch in ein rätselhaftes Reich begeben: die vielseitige Welt von Mann und Auto.
Es sind diese typischen Gesten: Der eine lässt sein Handgelenk über das Lenkrad hängen lässig, wie nebenbei und doch besitzergreifend. Ein anderer lehnt sich durch die geöffnete Fahrertür, stützt sich mit dem einen Arm in den Rahmen des heruntergekurbelten Fensters, lässt den anderen nach draußen hängen, als wolle er diese Tür umarmen, an sein Herz drücken, das für dieses Auto schlägt so viel ist sicher.
Männer und Autos - diese krisenfeste Beziehung hat das Interesse einer Frau geweckt, der Herner Fotografin Brigitte Kraemer. Also ist sie losgezogen, Szenen dieser beständigen Liebe ins Fotoformat zu bannen, sich selbst zu erklären im Bild oder zumindest darzustellen, auf dass andere sich den Kopf über diese Liebe zerbrechen mögen.
Auf Schrottplätzen
Auf Schrottplätzen ist Brigitte Kraemer durch die Gassen geschlendert, bei Autotreffen hat sie sich unter die Liebhaber gemischt. In ganz Deutschland ist sie zu Autogaststätten, Automobilmessen, Rennstrecken, Rallyes gefahren und hat sich einfach in ihrer Nachbarschaft umgesehen. Finden sich Schrauber doch zuverlässig in jedem Garagenhof.
Das Ergebnis ihrer jahrelangen Recherche hat Kraemer in einem großformatigen Bildband zusammengetragen, der jetzt bei Klartext erschienen ist. Ihre Bilder zeigen Männer, die vor ihrem Unikatwagen im Garten stehen oder in der besenreinen Garage mit Pokalsammlung an der Rückwand. Es sind Tüftler zu sehen, die vor leeren Radkästen hocken, sich über Motoren beugen, zu den Pedalen in den Fahrerfußraum kriechen. Oder die Reinemacher, die mit Staubwedel in der Farbe des Autolacks Fahrzeuggehäuse bürsten, striegeln, streicheln.
Alltagszenen voller Gewicht
Es sind unspektakuläre Bilder, Alltagsszenen, doch durch den Blick der Fotografin bekommen sie Gewicht. Und der Betrachter der Aufnahmen beginnt zu rätseln, woher sie kommt, diese Liebe, die Männer dazu bewegt, ein ganzes Führerhaus mit rosa Flokati auszukleiden oder Radkappen zu wienern, bis sich der Besitzer darin spiegeln kann.
Vielleicht ist es das Gefühl, Herr zu sein über eine überschaubare Maschine, die den Menschen unabhängig macht. Und schnell. Was ist heute schließlich noch überschaubar. Vielleicht ist es auch der klar definierte Raum, von glänzendem Lack klar umgrenzt, der das my-car-is-my-castle-Gefühl in Männern auslöst. Wo kann man heute sonst noch ungestört allein sein. Oder zu zweit.
Vielleicht ist diese unerschütterliche Liebe zwischen Mann und Maschine aber auch nur eine Frage der Erziehung. Auf einem Foto sitzt ein Mann auf dem Fahrersitz, hat den vielleicht dreijährigen Sohn auf dem Schoß, der am Lenkrad spielen darf. Ein paar Seiten weiter stehen Vater und Teenager-Sohn mit dem Rücken zur Kamera an einer Rennstrecke, es nieselt, die beiden schauen schweigend auf die Piste.
Kein abschätziger Blick
Brigitte Kraemers Blick auf Männer und ihre Autos ist ein erstaunter, neugieriger, forschender. Kein abschätziger. Sie hält Distanz zu den Szenen, in denen Männer unter sich sind. Nicht um sich zu distanzieren, diese Liebhaber der Lächerlichkeit preiszugeben, sondern um zu beobachten, Gesamteindrücke einzufangen, Bilder, die erzählen.
Da sitzt etwa die Gruppe junger Männer in ferrariroten T-shirts auf Klappstühlen hinten um ein Auto und schauen Rennen der Bildschirm steht im Kofferraum. Oder sie hocken im Halbkreis vor der Stoßstange eines alten Kleppers, rauchen, fachsimpeln, und der Betrachter spürt das Kribbeln in ihren Waden, das diese Autofans nicht stört.
Auto-Leidenschaft infiziert Männer aller sozialen Schichten, auch das wird in Krämers Bildband deutlich die PS-Stärke aber markiert die Klassen klar. Sie ist eben überschaubar, die Welt von Mann und Auto und doch ein rätselhaftes Reich.
Info Brigitte Kraemer: Mann und Auto, Klartext Verlag, 127 Seiten, 24,90 Euro.
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