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Nach Volkswagen und Mercedes auch BMW mit Autowelt: Tempel des Automobils in München eröffnet

zuletzt aktualisiert: 17.10.2007 - 12:20

München (RPO). BMW hat am Mittwoch ein neues Auslieferungszentrum der Superlative eröffnet. Das spektakuläre Gebäude, wo BMW-Käufer künftig ihren Neuwagen abholen und interessierte Besucher Modelle und Architektur anschauen können, hat 500 Millionen Euro gekostet. Mit der neuen BMW Welt eifert der bayerische Autobauer seinen Konkurrenten nach: Volkswagen in Wolfsburg, Daimler in Stuttgart und Audi in Ingolstadt haben bereits Auto-Erlebniszentren. 

Kühn schraubt sich die glitzernde Konstruktion wie ein in Glas und Stahl gebannter Tornadowirbel in den Münchener Himmel. 500 Millionen Euro hat es sich BMW kosten lassen, Kunden und Autofans zu beeindrucken. Im Schatten der Konzernzentrale sollen die Käufer in der BMW-Welt künftig nicht nur ihren Neuwagen abholen, sondern den Mythos Auto hautnah erfahren. Um das zu erreichen, hat der bayerische Konzern nichts unversucht gelassen: Vom persönlichen Betreuer über das imagegetreue kulinarische Erlebnis bis zur Musik wird die Übergabe des neuen BMW akribisch in Szene gesetzt. Die neue Pilgerstätte für Autofans wird am Mittwoch feierlich eröffnet, das breite Publikum darf sie am Wochenende erstmals bestaunen.

Ein schwebender Bau fürs Auto

Mit dem Bau habe er die "Grenzen des Machbaren überschritten", sagt der Architekt Wolf D. Prix vom österreichischen Büro Coop Himmelb(l)au unbescheiden über sein Werk. Tatsächlich besitzt das Gebäude kaum eine senkrechte Wand. Sämtliche Elemente sind schräg gestellt oder in sich verdreht. Trotz seiner enormen Größe scheint der Bau zu schweben. Die Konstruktion ruht lediglich auf elf Stützen. Die mehrfach geknickte, 10.000 Quadratmeter große Haut aus Glas und Stahl schimmert in den unterschiedlichsten Farben. Früher, so sagt der für seine revolutionären Entwürfe bekannte Architekt, hätten Fürsten mit ihren Prachtbauten das Bild der Stadt bestimmt. Heute habe die Autoindustrie diese Aufgabe mit technisch und ästhetisch spektakulären Tempeln übernommen.

Tatsächlich ist BMW der vorerst letzte der großen deutschen Autobauer, der sich einen eigenen Tempel errichtet hat. Vor gut einem Jahr eröffneten die Stuttgarter ihr Mercedes-Benz-Museum. Die Nobelmarke hatte die Latte hoch gehängt: Außen windet sich die glänzende, in sich gewundene Beton-Doppelhelix zu einem dreieckigen Gebäude. Das Innere wirkt wie der Versuch, die Schwerkraft zu ignorieren. Der Fußboden kurvt sich zur Wand, die Wand biegt sich als Welle in die Decke, und in diesem Strudel lösen sich die Etagen völlig auf. Ein paar Nummern kleiner zelebriert Audi in Ingolstadt seine Erlebniswelt. Und demnächst will auch Porsche neben dem Stammsitz in Zuffenhausen sein architektonisches Meisterwerk vollenden.

Inoffizielles Vorbild der süddeutschen Auto-Erlebniszentren ist die Autostadt in Wolfsburg. Der 430 Millionen Euro teure Komplex mit Großbauten und Pavillons, Wasserstraßen und Brücken, Seen, Landzungen, Hügeln, Grünflächen und einem eigenen Nobel-Hotel war zunächst als Investitionsgrab belächelt worden, mit dem sich der damals scheidende Volkswagen-Chef Ferdinand Piëch ein Denkmal habe setzen wollen. Doch sieben Jahre nach seiner Eröffnung macht sich die Stadt in der Stadt für das Image von Europas größten Autobauer offenbar mehr als bezahlt.

Jährlich sollen 45.000 Kunden der Faszination erliegen

In dem hart umkämpften Markt beschränken sich die Autobauer im Kampf um jeden einzelnen Kunden schon lange nicht mehr auf die übliche Werbung. "In Deutschland haben wir einen Verdrängungswettbewerb", sagt Rudolf Wiedemann, Leiter der BMW-Welt. Angesichts der komplexen Technik wird es immer schwieriger, den Kunden zu überzeugen, dass er mit einem BMW das technisch bessere Auto kaufe. Daher komme es darauf an, die Menschen für die Marke zu faszinieren.

45.000 Kunden sollen nach dem Willen von BMW dieser Faszination jährlich erliegen, wenn sie über die freitragende Treppe zu ihren von Scheinwerfern filmreif ausgeleuchteten Wagen gelangen. Spätestens, während die auf Hochglanz polierten Karossen ihre Pirouetten drehen, sollen die stolzen Neuwagenbesitzer das Gefühl haben, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Diese Inszenierung ist allerdings nicht gratis: 457 Euro muss berappen, wer sich seinen BMW ab Werk abholen will. Der Transport zum Händler wird dann aber verrechnet. Wem das nötige Kleingeld für einen neuen BMW fehlt, darf trotzdem kommen: Der Konzern rechnet mit jährlich 800.000 bis einer Million Autofans.

Quelle: afp

 
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