Pannenserie weitet sich aus: Toyota-Desaster erfasst Europa
VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 28.01.2010 - 11:59Tokio (RP/RPO). Nach der Pannenserie in den USA mit Produktionsstopp für acht Modelle will Toyota auch in Europa Autos zurückrufen. Das teilte der japanische Autohersteller in Tokio mit. Wie viele Fahrzeuge betroffen sind, ist noch nicht bekannt. In Deutschland gibt es bislang keinen Fall.
In den USA hatte Toyota in den vergangenen Tagen mehr als drei Millionen Fahrzeuge zurückgerufen. Grund sind Probleme mit dem Gaspedal: Entweder kann sich die Fußmatte mit dem Gaspedal verhaken oder es besteht die Gefahr, dass das Pedal gar nicht oder zu langsam in seine Ausgangsposition zurückkehrt. Deswegen hatte Toyota einen Verkaufsstopp für acht Modelle in den USA verhängt.
Auch in den USA weitet sich das Desaster von Toyota in den USA immer mehr aus. Der japanische Autobauer kündigte an, nochmals weitere knapp 1,1 Millionen Fahrzeugs zurückzurufen. Es bestehe die Gefahr, dass sich die Gaspedale in den Fußmatten verklemmten, erklärte ein Toyota-Sprecher in Tokio. Damit ist das Problem aus dem Vorjahr erneut aufgetreten. Betroffen seien fünf Modelle aus Baujahren zwischen 2008 und 2010, hieß es. Der größte Autokonzern der Welt hat wegen Problemen mit den Gaspedalen bereits 4,26 Millionen Wagen in den USA zurückgerufen.
Betroffene Modelle
Gaspedal: In den Vereinigten Staaten sind von dem Gaspedal-Problem folgende Modelle betroffen: RAV44, Corolla und Matrix der Baujahre 2009 und 2010, Avalon (Baujahre 2005 bis 2010), Teile der Camry-Produktion (2007 bis 2010) sowie die Geländewagen Highlander und Tundra (2010) und Sequoia (2008 bis 2010). Bei Autos der Luxusmarke Lexus gibt es laut Toyota keine Probleme.
Fußmatten: Betroffen sind fünf Modelle aus Baujahren zwischen 2008 und 2010, darunter der Geländewagen Highlander, der kompakte Corolla der Crossover Venza und der kleine Matrix.
Noch kein Fall in Deutschland
In Deutschland sei das Gas-Problem bisher nicht gemeldet worden, erklärte ein Sprecher von Toyota-Deutschland. Verunsicherte Kunden könnten aber ihren Händler aufsuchen, sagte er. Ein Sprecher von Toyota-Deutschland erklärte auf Anfrage der Nachrichtenagentur DAPD, in Deutschland sei das Problem bisher nicht aufgetreten. Autos aus US-Werken des Konzerns würden nicht nach Deutschland geliefert.
Tags zuvor hatte der Weltmarktführer die Notbremse und einen Produktionsstopp in sechs US-Werken verhängt. Diese Toyotas drehten durch, weil das Gaspedal gegen den Willen der Fahrer beschleunigt. In den USA kam es zu dramatischen Unfällen. Vom Produktionsstopp betroffen sind 2,3 Millionen Fahrzeuge aus acht Toyota-Baureihen in den USA.
Rost an Rückholfeder
Bei den betroffenen Fahrzeugen gibt es Rostprobleme an der Rückholfeder des Gaspedals mit der Folge, dass die Autos gegen den Willen des Fahrers beschleunigen. Nach Einschätzung der US-Behörden kam es deshalb bereits zu Unfällen.
Laut "Handelsblatt" geht aus einer Mitteilung der US-Straßensicherheitsbehörde hervor, dass Zulieferteile von dem amerikanischen Elektronikspezialisten CTS für die Probleme verantwortlich sein könnten.
Erst im vergangenen Herbst hatte Toyota 4,7 Millionen US-Modelle der Marken Toyota und Lexus zurückgerufen. Schon damals, weil die Gaspedale an den Fußmatten hängen blieben. Der Schaden ufert mittlerweile aus. Der Duisburger Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer geht davon aus, dass die Rückrufaktion den japanischen Konzern inklusive des Produktionsstopps "zwischen ein und zwei Milliarden Euro" kosten wird.
Schlimmer als die Kosten ist indes der Image-Schaden für das japanische Vorzeigeunternehmen, das sich mit seinem kompromisslosen Bekenntnis zu Qualität und Sicherheit kontinuierlich in die Weltspitze hochgearbeitet hat und mit dem Niedergang der Opel-Mutter General Motors vor zwei Jahren Weltmarktführer geworden ist.
VW-Attacke abwehren
Die Rückrufaktion fällt ausgerechnet in eine Zeit, in der Firmenchef und Gründer-Enkel Akio Toyoda das Unternehmen aus einem Milliardenverlust herausführen und gegen den aus japanischer Sicht erschreckend erfolgreichen Volkswagenkonzern behaupten muss, der Toyota in zwei Jahren vom Auto-Thron stoßen will.
Der abrupte Produktionsstopp, zu dem Autohersteller wegen der horrenden Fixkosten in ihren Werken nur im äußersten Notfall greifen, dokumentiert einen Gesinnungswandel in der obersten Führungsetage des Konzerns. Offenbar will man das Problem, das schon seit Jahren schwelt, nun endlich an der Wurzel packen.
Toyota hatte im Herbst angekündigt, das Geschäftsjahr im März mit einem Rekordverlust von 2,8 Milliarden Euro abzuschließen.
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