Abwrackprämie: Tränen auf dem Schrottplatz
zuletzt aktualisiert: 16.02.2009 - 12:23Grevenbroich (RPO). Gemeinsam fährt man durch dick und dünn. Dann kommt der Tag des Abschieds. Das Auto kommt auf den Schrottplatz und anschließend in den Schredder. Dabei kommt es auf nordrhein-westfälischen Schrottplätzen zu sentimentalen Ausbrüchen und emotionalen Szenen. Die einen liefern ihr altes Auto mit Blumenbouquet ab; andere vergießen Tränen.
"Dieser Fall war für uns absolut ungewöhnlich - so was hatten wir noch nie", sagt Ford-Händler Josef Breuer aus Grevenbroich über die Familie, die ihrem Mercedes zum Abschied rote Rosen überreichte. "Die Leute waren schon raus aus dem Autohaus, als ich die Blumen auf der Rückbank gesehen habe." Er sei ihnen hinterhergelaufen, um ihnen die vermeintlich vergessenen Blumen zu bringen. "Da sagte der Mann: Nein, nein, die sind für unser Auto. Für 20 Jahre treue Dienste." Mehr als 450.000 Kilometer habe der weiße 190er Daimler auf dem Buckel gehabt, der Wagen sei noch tadellos angesprungen.
Für diese Kunden war es offenbar ein bewegender Abschied. Damit sind sie nicht die einzigen. Wie Autohändler aus ganz NRW berichten, fließen derzeit überall die Tränen.
"Einige müssen tatsächlich weinen, das berichten mir auch Kollegen", beteuert Breuer. In anderen Fällen würden Kuscheltiere in den Autos zurückgelassen, manche würden sich mit Worten wie "Alter, mach's gut" von ihrem fahrbaren Untersatz verabschieden, sagt auch Autoverkäufer Peter Kames aus Düsseldorf.
Der Autohandel läuft
Wie "geschnitten Brot" läuft es in vielen Autohäusern, seit die Bundesregierung 1,5 Milliarden Euro als Umwelt- oder Abwrackprämie zur Verfügung gestellt hat. "Vor allem Kleinwagen laufen wie nie zuvor. Wir kommen kaum nach. Wahnsinn - damit hätten wir nie gerechnet", freut sich Ford-Händler Breuer.
Einen ähnlichen Boom verzeichnen auch viele Schrottplatzbesitzer. Dirk Drossard aus dem Rhein-Kreis Neuss hat deutlich mehr zu tun, als normalerweise um diese Jahreszeit: "In den letzten zwei Wochen sind hier so viele Autos abgegeben worden, wie sonst in einem Jahr."
Auch der Mercedes mit den roten Rosen auf der Rückbank ist bei ihm in der Schrottpresse gelandet. "Klar, die Rosen haben wir im Auto gelassen. Das ist Ehrensache. So eine Geschichte hatten wir allerdings noch nie."
Mehr Verschrottung von Alt-Autos
Die Bundesvereinigung deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen rechnet bundesweit für 2009 mit einem Plus von mindestens 5 Prozent bei der Verschrottung von Alt-Autos. Man könne davon ausgehen, dass durch die Abwrackprämie etwa 200.000 zusätzliche Fahrzeuge in den Shredder gelangten, sagte Geschäftsführer Ulrich Leuning. Der Bund hat insgesamt 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt.
Bis zu 600.000 Autokäufer können davon profitieren - gut möglich, dass noch weitere roten Rosen altersschwachen Autos ein letztes Geleit geben.
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