C30 nur im Leasingverfahren verfügbar: Volvo wagt Schritt in den Elektrowagen-Markt
VON ALEXANDRA FELTS - zuletzt aktualisiert: 25.08.2011 - 16:14Sylt (RPO). Mit dem C30 Electric wagt Volvo den Schritt in die Welt der Elektromobilität. Nur 250 Stück kommen vorerst auf den europäischen Markt. Das behutsame Vorgehen der Schweden ist aber nicht nötig: Der C30 könnte zu einem Erfolgsmodell werden.
Der Herr im Maserati riskiert einen zweiten Blick - was bei der Oberklassendichte in Kampen auf Sylt eher als ungewöhnlich zu werten ist. Wie alle E-Autos, so pirscht sich auch der Volvo C30 Electric leise surrend und unerwartet heran. Und wie anderen Stromern auch, so steht dem neuen elektrischen Volvo ebenfalls ein spontan abrufbares Drehmoment zur Verfügung (in diesem Fall 220 Nm), das nicht nur beim Anfahren an der Ampel Freude macht.
Lange hat es gedauert, bis nun auch der schwedische Hersteller mit der chinesischen Mutter ein Fahrzeug mit reinem Elektroantrieb präsentiert. Nur 250 Volvo C30 Electric werden ab September in ganz Europa ausgeliefert, davon rund zehn in Deutschland.
Leasingrate etwas zu hoch ausgefallen
In einer Kombination aus Marktforschung und Feldversuch werden sie zunächst Fuhrparkkunden angeboten, die bereit sind, den Öko-Volvo für 1600 Euro monatlich auf drei Jahre zu leasen. Eine Rate, die für viele Privatkunden vermutlich zu hoch liegen dürfte; der Stückpreis des Electric liegt bei rund 55.000 Euro.
Beim jüngsten J.D. Power Report hat die Marke den ersten Platz bei der Kundenzufriedenheit belegt - vielleicht ein gutes Omen für die Großserie der Zukunft. Bis dahin setzt Volvo auf den Plug-in-Diesel-Hybrid, der zunächst im V60 im 2. Halbjahr 2012 debütieren wird.
Die Testfahrten mit dem mittlerweile ausgereiften Volvo E-Auto fanden auf Sylt in idealer Umgebung statt. Denn die Glamourinsel der Deutschen hat sich neuerdings auch der Elektromobilität verschrieben und in Kooperation mit Citroën die ersten zwei Ladestationen aufgestellt. Die vielzitierte Range Anxiety - Reichweitenstress - dürfte auf einem überschaubaren Eiland kein Problem sein.
Nach 130 Kilometern ist Schluss
Für den Volvo C30 Electric ganz sicher nicht, denn seine Ladung reicht für mindestens 130 Kilometer. Also mehr als genug für Pendler und den urbanen Einsatz. Dann muss der Electric allerdings für bis zu acht Stunden an eine 230-Volt-Steckdose.
Das Herzstück des E-Volvo ist ein 82 kW/111 PS-Elektromotor, gespeist von zwei 12 kW/h großen Lithium-Ionen-Batterien, die zusammen 280 Kilo wiegen. Aufgebaut wurde das Fahrzeug auf dem sparsamen DRIVe-Modell, dessen Dach- und Heckspoiler beibehalten wurden. Obwohl dieser C30 mit 1660 Kilo 300 Kilo mehr wiegt als das konventionell angetriebene Modell, beschert ihm der tiefere Schwerpunkt ausgewogene Fahreigenschaften. Seit den ersten Testfahrten im letzten Jahr konnte sogar die Beschleunigung von null auf 100 km/h um knapp zwei Sekunden auf 10,9 Sekunden reduziert werden.
Der elektrische C30 wäre kein echter Volvo, wenn er nicht auch auf Sicherheit und Komfort setzen würde. Neben elektrischen Sicherungen, die verhindern, dass das 400-Volt-System die Karosserie unter Spannung setzt, wurden Verstrebungen im Motorraum angebracht, um die Komponenten wie in einer Alu-Wiege bei Frontal- und Seitencrashs zu schützen. Die beiden Batterien wurden ebenfalls im Mitteltunnel und im ehemaligen Raum für den Benzintank verstaut. Die Dämpfung wurde auf das höhere Gewicht des Strom-Volvos ausgelegt.
Energieeinsparung selbst beim Design
Ein ausgeklügeltes Klimasystem sorgt nach Herstellerangaben unter anderem dafür, dass nicht nur der Antriebskomplex bei Bedarf gekühlt wird, sondern der Innenraum des schwedischen E-Autos im Winter ohne nennenswerten Energieverlust beheizt werden kann. Die hellen Sitzbezüge sowie die dominierenden Farben Weiß, Blau und Silber verleihen nicht nur einen sauberen, zukunftsweisenden Look, sondern helfen ebenfalls, Energie einzusparen.
Ausflüge mit einem Stromauto sind zugleich auch Lehrfahrten in die ferne Zukunft der reinen Elektromobilität, denn die altbekannten Mechanismen des Verbrennungsantriebes fehlen. Man dreht den Zündschlüssel - und nichts passiert. Erst ein verzögertes, fast unmerkliches Vibrieren und ein Zeichen im Display zeigen an, dass das Fahrzeug in Bewegung gesetzt werden kann. Es gibt auch keinen Drehzahlmesser; dafür signalisieren im Cockpit eine Leistungsanzeige für den E-Verbrauch und eine Anzeige für die Restreichweite den alternativen Antrieb.
Batterie regeneriert sich während der Fahrt
Wenn der Electric sich leise surrend und rasch beschleunigend in Gang setzt, sorgt als Volvo-Besonderheit der Drive-Modus für das Wiederaufladen der Batterie (um bis zu 15 Prozent) - mittels Energie, die über die Motorbremse gewonnen wird. Die andere Fahreinstellung, H wie Highway, ist für höhere Geschwindigkeiten gedacht. Um den C30 Electric abzubremsen, genügt es, den türkisblauen Wahlhebel in die D-Position zu bringen. Klickt man zurück auf H, beschleunigt das Auto weich und schaltfrei.
E-Mobil-Fahrer lernen sehr schnell, sich viel häufiger und vorausschauender an den wichtigsten Anzeigen zu orientieren. Berechnungen und Überlegungen, die bei einem V70-Kombi DRIVe, der als neues Ocean Race-Sondermodell ebenfalls für Testfahrten zur Verfügung stand, nicht nötig sind. Allerdings ist der Vier-Zylinder-Selbstzünder mit seinen 84 kW/115 PS zwar fast gleich stark - aber im direkten Vergleich längst nicht so spritzig.
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