Zwergenaufstand in Ingolstadt: Warum der A1 Audis letzte Chance ist
VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 11.02.2010 - 12:49Ingolstadt (RP). Nach dem gefloppten A2 hat Audi fünf Jahre einen Bogen um Kleinwagen gemacht. Jetzt will die VW-Tochter sich vom poppigen Mini aus dem Hause BMW nicht länger die Schau stehlen lassen. Sie bläst zum Zwergenaufstand. Aber der A1 ist zum Erfolg verdammt.
Angesichts der Wirtschaftskrise und Überkapazitäten von über 20 Prozent in Europa sucht die Automobilwirtschaft im Jahr eins nach der Abwrackprämie verzweifelt nach Strategien gegen den dramatischen Kundenschwund. "Rabatte auf Rekordniveau", heißt die Antwort der Marketing-Strategen. Die Betriebswirte setzen dem "schmerzhaften Markteinbruch" (VW-Chef Martin Winterkorn) Personalabbau und Kurzarbeit entgegen. Glücklich, wer jetzt ein neues Modell anbieten kann, das zum Kassenschlager taugt.
Auf dem Genfer Autosalon (4. bis 14. März) wird Audi einen solchen Hoffnungsträger vorstellen: Es ist der neue A1, mit dem die VW-Tochter ihre Modellpalette nach unten abrunden will. Er ist im Sommer ab 16 .000 Euro zu haben. Auf dem Premium-Kleinwagen lastet ein enormer Erwartungsdruck.
Erstens: Nach dem Schiffbruch, den Audi von 1999 bis 2005 mit dem optisch missglückten A2 erlitten hat, ist der A1 zum Erfolg verdammt. Einen dritten Versuch, neue Kundensegmente unterhalb des "Audi-Golfs" A3 zu finden, wird die Konzernmutter VW den Ingolstädtern nicht mehr einräumen. Dafür gibt es in dem mit Porsche auf nunmehr zehn Marken angewachsenen Konzernverbund inzwischen zu viele Alternativen.
Zweitens: Der A1 kommt sehr spät. Nichts hat im vergangenen Jahr so sehr von der Abwrackprämie profitiert wie das Kleinwagensegment. Aber obwohl der neue A1 schon vor drei Jahren als Studie in Tokio vorgestellt worden war, hat Ingolstadt es nicht geschafft, die Idee schnell genug auf die Straße zu bringen. Und das ungeschriebene Gesetz der Branche lautet: Wer später kommt, muss deutlich besser sein als alle anderen.
Drittens: Der A1 ist auch Test für eine Strategie-Wende: Nach dem A2-Flop haben die vornehmen Ingolstädter den Trend zu Kleinwagen lange ignoriert. Auch, um das Nobel-Image der Marke mit den Ringen nicht zu verwässern. BMW fährt aber mit seinem Mini seit fast zehn Jahren von einem Verkaufsrekord zum nächsten. Die Japaner haben sich in Deutschland schon vor 20 Jahren über die Kleinwagen-Schiene etabliert. Die Franzosen punkten in Deutschland immer stärker mit emotionalen Modellen wie Klein-Cabrios. Selbst der traditionelle Dickschiff-Bauer Mercedes hat sich mit dem Smart und der A-Klasse dem Trend gebeugt und mag auf die Gewinnbringer im Mittelpreis-Segment nicht mehr verzichten. Nur bei Audi lag das Feld fünf Jahre brach.
Bislang konnten die Herren der Ringe sich das leisten: Als Tochter der riesigen VW-Familie kann Audi günstiger entwickeln als BMW und Daimler. Das gab ihnen die Möglichkeit, die Preise zu senken, wenn mal der Absatz wegbrach. Aber die Konkurrenz wehrt sich. Vor allem BMW hat aber derzeit einen ganzen Köcher voller Spritsparmodelle in der Pipeline, gegen die Audi seine Kundschaft verteidigen muss.
Vor allem ist der A1 aber ein Zwergenaufstand gegen den Mini. Denn so erfolgreich Audi ist: Bei der Aufgabe, den Kundenstamm zu verjüngen, hat BMW dank der poppigen Ikone aus Oxford die Nase vorn.
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