Lifestyle-Zwerg im Test: Warum der A1 zum Audi-Glücksgriff wird
VON JENS MEINERS, SP-X - zuletzt aktualisiert: 17.06.2010 - 07:38Düsseldorf (RPO). Mobilität wird teurer, der Parkraum weniger: Fahrspaß und Premium müssen neu definiert werden. Bei Audi heißt das Ergebnis konsequenterweise A1. Warum die Ingolstädter mit ihrem neuen Lifestyle-Zwerg vermutlich goldrichtig liegen, erfahren Sie hier.
Wenn ein Hersteller von Premium-Produkten in die Kleinwagenklasse geht, darf man besonders gespannt sein. Der A1 kostet mindestens 15.800 Euro und wird ab September ausgeliefert.
Anerkennung statt Erfolg
Bislang hatte Audi mit Kleinwagen kein Glück. Gleich zweimal ernteten die Ingolstädter höchste Anerkennung – wirtschaftlicher Erfolg wurde ihnen jedoch nicht zuteil. Der Audi 50 von 1974 war ein derart gelungener Wurf, dass gleich auch die Wolfsburger Konzernmutter zuschlug. Ein Jahr später kam die Sparversion Volkswagen Polo auf den Markt – kurz darauf gab es auch im Polo die leistungsstärkeren Maschinen und die gehobene Ausstattung des Audi 50. Nach vier Jahren war Schluss für den ersten kleinen Audi.
Immerhin sechs Jahre lang wurde der A2 gebaut, mit dem sich die Ingolstädter 1999 zurück in das Segment wagten. Marketingfehler und schwächliche Motoren sorgten dafür, dass der Vollaluminium-Wagen selten blieb. Heute gilt der A2 als wegweisend, für Gebrauchtwagen werden hohe Preise bezahlt.
Da es sich von Ruhm allein schlecht leben lässt, wagt Audi mit dem A1 einen wiederum neuen Ansatz. Schon im Oktober 2007 gab es in Tokio mit der Studie project quattro einen ersten Ausblick – das Serienmodell hebt sich davon nur in Details ab. Auf der Plattform des neuen VW Polo tritt mit dem A1 ein sportlicher, etwas gedrungen wirkender Kleinwagen auf, der die bekannten Angebote in diesem Segment in den Schatten stellen soll.
Zielgruppe Frauen
Der A1 orientiert sich an den Lebenswelten der angepeilten Kundschaft – dazu gehören nach Aussage des Herstellers zur Hälfte Frauen und überdurchschnittlich viele Kunden unter 30 Jahren. Dementsprechend wichtig ist das Thema Infotainment – hier legt Audi technische Lösungen vor, die es ansonsten eigentlich nur in der Oberklasse gibt. Dazu gehören eine 465-Watt-Surround-Stereoanlage mit 14 Lautsprechern inklusive Subwoofer und das MMI-plus-System aus der neuen Oberklasse-Limousine A8.
Für Individualisierung sorgen im Innenraum verschiedene, teils extravagante Stoff- und Lederkombinationen; das Exterieur lässt sich mit Felgen und lackierten Dachsäulen in rund 800 unterschiedlichen Varianten konfigurieren. Ebenfalls normalerweise in höheren Fahrzeugklassen zuhause sind adaptive Xenon-Scheinwerfer und LED-Rückleuchten, ein schlüsselloses Zugangssystem oder ein elektrisches Panoramadach.
All diese Gimmicks lässt sich Audi natürlich bezahlen, doch schon das Einstiegsmodell (Attraction) bietet elektrische Fensterheber und eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung, ein MP3-fähiges CD-Radio und Servolenkung. Die Linie „Ambition“ setzt sportliche Akzente, die mit dem „S line“-Paket nochmals geschärft werden.
Straffes Fahrwerk
Audi lässt es nicht beim Lifestyle bewenden: Die technische Substanz hält jedem Vergleich in dieser Klasse stand. Schon der Einstiegs-Benziner, ein 1,2-Liter-Turbo mit 63 kW/86 PS, ist ausreichend kräftig; der 1,4-Liter-Turbo mit 90 kW/122 PS ist bereits relativ sportlich unterwegs. Daneben gibt es zwei Varianten des 1,6-Liter-TDI mit 66 kW/90 PS und 77 kW/105 PS. Die schwächere Version, die leicht verzögert im Markt einsetzt, begnügt sich dabei mit 3,8 Litern Kraftstoff pro 100 Kilometer (99 Gramm CO2/km).
Je nach Motorisierung gibt es ein Fünf- oder Sechsgang-Schaltgetriebe, gegen Aufpreis ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Das A1-Fahrwerk ist straff abgestimmt; für hohe Agilität sorgt darüber hinaus die elektronische Quersperre, die das Einlenkverhalten mit gezieltem Abbremsen spürbar verbessert. Die elektrische Servolenkung ist ausgesprochen direkt abgestimmt.
Der Audi A1 trifft mit dem von BMW gebauten Mini auf einen etablierten Konkurrenten, dessen nostalgische Attitüde indessen nicht jedem potentiellen Kunden gefällt. Citroen hat dem unter dem Motto „Anti-Retro“ den DS3 gegenübergestellt. Diese Positionierung muss sich der kleine Franzose jetzt mit dem Audi A1 teilen. Und der kleine Bayer ist so gut gelungen, dass er auch für Umsteiger aus höheren Fahrzeugklassen attraktiv sein wird.
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