Ölexporteure kämpfen mit enormen Ausgaben: Warum der Spritpreis nicht mehr fallen wird
VON NICOLAS BERTHOLD - zuletzt aktualisiert: 23.01.2012 - 18:53Düsseldorf (RPO). 2011 war ein Rekordjahr für die Autofahrer. Noch nie war der Sprit an den Zapfsäulen im Durchschnitt so teuer. Ein treibender Faktor ist der hohe Ölpreis. Die Öl-fördernden Länder kämpfen mit enormen Ausgaben. Über hohe Öl- und Benzinpreise gleichen sie ihren wackeligen Staatshaushalt aus.
Wenn der Autofahrer an die Zapfsäule fährt, füllt er nicht nur seinen Tank und den Geldbeutel des deutschen Finanzministers auf, er sorgt gleichzeitig dafür, dass in den Haushaltsbüchern der meisten Erdöl-fördernden Länder keine roten Zahlen auftauchen.
Wie der Internationale Währungsfonds (IWF) berichtet, kämpfen die Ölexporteure des MENA-Raumes (Nordafrika und Arabien) seit einigen Jahren mit enormen Ausgaben. Von 2008 bis 2011 sind die Staatskosten aller großen Exporteure der nordafrikanischen und arabischen Region drastisch angestiegen.
Katar steht an der Spitze
An der Spitze steht Katar mit einem Plus von 59 Prozent, aber auch die Regierungen von Förder-Gigant Saudi-Arabien (54 Prozent), Bahrain (53 Prozent), den Vereinigten Arabischen Emirate (48 Prozent) und Iran (33 Prozent) geben seit drei Jahren deutlich mehr Geld aus.
Grund sind dem IWF zufolge die staatlichen Sozialausgaben, Subventionen und Geschenke der Regierungen, um die schwelende Unzufriedenheit der Menschen in der Region zu deckeln. Beispiele für Unruheherde gibt es genug, wie die Umwälzungen in Libyen, Tunesien und Ägypten belegen. Und als die Regierung in Nigeria die Kürzung der Subventionen für Treibstoff angekündigte, kam es zu landesweiten Streiks.
Ölpreis bestimmt ganze Region
Dem IWF zufolge hängt die Stabilität eines ganzen Wirtschaftsraumes vom hohen Ölpreis ab - und damit auch von der Zahlungsbereitschaft der Autofahrer in Deutschland. Vor fast zehn Jahren lag der Ölpreis noch bei 20 Dollar pro Barrel, seit einem Jahr hat er nicht mehr die Schwelle von 100 Dollar unterboten.
Der IWF schätzt, dass die Preise für Rohöl - und damit auch Benzin und Diesel - in Zukunft nicht mehr abfallen dürfen und auch werden. Die großen Öl-Länder brauchen mittlerweile einen Mindestölpreis von 80 Dollar pro Barrel (Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Oman) oder sogar 100 Dollar (Bahrain, Algerien, Irak), um ihre Staatsgeschäfte abwickeln können.
Lohnt ein Blick nach Österreich?
Die Folge auf lange Sicht dürfte klar sein: Die Spritpreise hierzulande werden sich auf einem hohen Niveau stabilisieren. Erst recht, wenn der deutsche Staat die steuerliche Belastung auf Benzin und Diesel nicht senkt. Bei einem Literpreis für Super von derzeit 1,58 fließen 91 Cent in die Staatskasse.
Vielleicht lohnt ja ein Blick ins Nachbarland Österreich. Der Auto-, Motor- und Radfahrerbund (ARBÖ), Pendant zum deutschen ADAC, hat einen offenen Brief an die Regierung verfasst mit der Bitte, die gestiegenen Belastungen für die Autofahrer zu stoppen. Eine Reaktion der österreichischen Regierung ist bisher ausgeblieben.
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