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Sie sind zu leise: Warum Elektro-Autos gefährlich sind

zuletzt aktualisiert: 12.12.2009 - 14:13

Düsseldorf (RPO). Elektroautos surren fast geräuschlos durch die Straßen. Das kann Segen aber auch Fluch zugleich sein. Denn einer neuen Studie zufolge drohen in vielen Momenten höhere Gefahren für Fußgänger, die sich üblicherweise am Lärm orientieren.

Elektroautos wie dieser Mindset-Prototyp surren nahezu geräuschlos durch die Stadt.  Foto: tmn
Elektroautos wie dieser Mindset-Prototyp surren nahezu geräuschlos durch die Stadt. Foto: tmn

Das Horror-Szenario der Kritiker sieht ungefähr so aus: In einem Wohngebiet spielen Kinder unbekümmert mit einem Ball - der dann unglücklicherweise auf die Straße rollt. Die Kinder rennen hinterher, schließlich haben sie gelernt, dass ein herannahendes Auto Lärm macht. Zu hören aber ist nichts. Dummerweise naht in diesem Augenblick ein Elektro-Auto, es kommt zum Unfall.

Andere Experten allerdings warnen davor, die neue Technik vorschnell als gefährlich zu verdammen. Denn mit der Verbreitung der leisen Autos dürfte sich auch ein anderes Verhalten einstellen. Die Diskussion um Gefahren durch Stille auf der Straße kocht immer wieder einmal hoch. Zunächst waren es unter anderem Blindenverbände, die mit Elektro-Autos eine Gefahr für Sehbehinderte verbanden.

Dass nun wieder über das Thema diskutiert wird, liegt vor allen an einer Untersuchung der US-amerikanischen Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration). Sie wollte wissen, ob Hybridautos für Fußgänger oder Radfahrer zu einer stärkeren Gefahr werden, wenn sie nur mit Hilfe des lautlosen Elektromotors rollen.

Ein- und Ausparken

Der Studie zufolge droht beim Anfahren, Rückwärtsfahren oder Ein- und Ausparken im Vergleich zum Auto mit lauterem Verbrennungsmotor höhere Gefahr. Hier hatten Hybridmodelle hochgerechnet einen größeren Anteil an den Unfällen als herkömmliche Autos. Demnach waren 1,2 Prozent der Hybridautos bei solchen Manövern in Unfälle mit Fußgängern verwickelt. Bei den Autos mit Verbrennungsmotoren waren es nur 0,6.

Allerdings beziehen sich die Zahlen auf eine Untersuchung von Fällen mit nur 1454 Hybridautos im Vergleich zu 90.003 herkömmlichen Fahrzeugen. Es waren 17 Hybride und 514 Autos mit "normalem" Antrieb in solche Zusammenstöße verwickelt. Hybridfahrzeuge sind aber nur den beschriebenen Situationen leise. Bei schnellerer Fahrt wird zusätzlich ein Verbrennungsmotor genutzt.

Im normalen Straßenverkehr wurden daher auch keine Unterschiede festgestellt. Die Studie ist zudem nicht wirklich repräsentativ: Es wurden nur Unfälle in einigen Bundesstaaten untersucht. Allerdings will die Behörde sich nun weiter mit dem Thema beschäftigen.

Noch die Ausnahme

Der Unterschied in der Zahl der Fahrzeuge macht aber noch etwas deutlich: Hybride und vor allem reine Elektro-Autos sind auf den Straßen noch die absolute Ausnahme, was sich auch in den Reaktionen der Menschen widerspiegelt. "Wir sind in unserem Verhalten konditioniert auf das Auto mit Verbrennungsmotor", sagt Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). Für uns ist also klar, dass ein Auto nicht nur schnell sein kann, sondern dabei auch noch reichlich Lärm macht.

Maximilian Mauerer vom ADAC stellt zudem fest: "Es handelt sich um ein Problem der niedrigen Geschwindigkeiten." Denn schon ab Tempo 30 oder 50 treten Geräusche in den Vordergrund, die durch den Wind an der Karosserie oder durch das Rollen der Reifen verursacht werden. Sie überlagern dann die eigentlichen Motorgeräusche. Reifen haben Elektro-Autos auch, den Wind können sie ebenfalls nicht stoppen. Auch andere Manöver wie das Bremsen sorgen für eine Geräuschkulisse. "Ganz lautlos ist gar nichts", so Maurer.

Die geringe Zahl der leisen Fahrzeuge sorgt derzeit zusätzlich dafür, dass sie im Vergleich zu den lärmenden Verbrennern als nahezu lautlos wahrgenommen werden. Das wiederum wird sich ändern, wenn es mehr leise und weniger laute Fahrzeuge gibt. "Es wird künftig wichtiger, den Verkehr aufmerksam zu beobachten, also gut zu gucken", so Sven Rademacher. Es gilt, sich langsam vom Umhören auf das Umschauen umzustellen, um Gefahren im Verkehr zu erkennen.

Sehbehinderte besonders gefährdet

Dass der Straßenverkehr für Menschen mit Sehbehinderungen dadurch problematischer werden kann, streitet kein Experte ab. "Wachsendes Unfallrisiko durch Lärmminderung - da steuern wir möglicherweise auf ein nicht zu unterschätzendes Problem zu", bestätigt Rainer Hillgärtner vom Auto Club Europa (ACE). Er weist aber auch darauf hin, dass gerade Lärm und speziell Verkehrslärm heute vielfach zu gesundheitlichen Schäden führt. Gefordert seien daher in erster Linie Hersteller und Zulassungsbehörden: "Von ihnen erwarten wir eine Lösung, die der Unfallverhütung Vorrang einräumt."

Die Techniken dazu sind bereits erhältlich oder werden erprobt. Dabei geht es um Abstandswarner ebenso wie um Systeme, die erkennen können, wenn ein Fußgänger auf die Straße tritt - und dann Ausweichmanöver einleiten, wenn der Fahrer nicht oder zu spät reagiert.

Künstliche Motorengeräusche?

Keine Lösung, so die Experten einhellig, sind Ideen, Elektro-Autos mit künstlich generierten Motorgeräuschen auszustatten. Denn erstrebenswert ist laut Hillgärtner vor allem eine Verkehrswelt, in der nicht der Lärm überwiegt.

Quelle: tmn/kpl

 
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