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Täglich 250 Millionen Euro Schaden: Warum fahren Autofahrer so gerne in den Stau?

zuletzt aktualisiert: 28.07.2004 - 10:00

Berlin (rpo). Tagtäglich warnt der ADAC vor Megastaus. Doch immer wieder zur Sommerferienzeit das gleiche Bild: Stoßstange an Stoßstange quält sich eine kilometerlange Blechlawinen über die Autobahn. Experten haben untersucht, warum sich Reisende immer wieder stehenden Reifens in den Stau begeben.

Seit Tagen warnt der ADAC vor Megastaus am kommenden Wochenende. Und trotzdem wird ab Freitag auf den deutschen Autobahnen der Verkehr erneut zusammenbrechen - wie schon vor einer Woche. Experten untersuchen, warum sich Millionen Reisende vor allem zur Sommersaison wie die Lemminge sehenden Auges klaglos in die Blechschlange quälen, denn: Es gehen nicht nur Zeit und Nerven verloren, sondern bares Geld. Nach ADAC-Berechnungen entsteht durch Staus täglich ein Schaden von 250 Millionen Euro. 33 Millionen Liter Kraftstoff, 13 Millionen Stunden verlorene Zeit und vor allem Folgeschäden durch Massenkarambolagen.

Der Berliner Verkehrspsychologe Peter Klepzig beschäftigt sich mit den Motiven der Stau-Fahrer: "Einer der Hauptgründe ist die vermeintliche Bequemlichkeit, die ein eigenes Auto bietet." Der Familienurlaub per Bahn erscheine vielen zu kompliziert. Man müsse nur einsteigen, hinfahren und irgendwann ankommen - auch wenn direkt hinter der Autobahnauffahrt erst mal Schritttempo angesagt ist.

"Gewisse private Atmosphäre"

Klepzig erläutert, nur das Auto ermögliche eine "gewisse private Atmosphäre im Gegensatz zu öffentlichen Verkehrsmitteln". "Rauchen, laute Musik hören, essen und trinken nach Herzenslust, unzensiert sprechen - das geht nur auf den eigenen vier Rädern."

Auch die Kosten dürften vor allem für Familien eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Denn trotz drastisch gestiegener Spritpreise nimmt der Anteil der Urlaubsreisen mit dem Auto wieder zu, hat das Hamburger B.A.T.-Freizeitforschungsinstitut unlängst ermittelt. 36 Prozent der Deutschen wollen in diesem Jahr mit dem eigenen Pkw Urlaub machen. 2003 waren es nach einer Studie der Marktforscher nur 29 Prozent. Bei den Familien setzen sogar 47 Prozent auf das Auto.

Das Ziehharmonika-Prinzip

Warum man in dichtem Verkehr mal zügig und mal keinen Zentimeter vorankommt, hat der ADAC gründlich erforscht: "Staus entstehen wie durch eine Art Ziehharmonika-Prinzip", erklärt Thomas Hessling, Referent für Straßenbau und Betrieb. "Die Fahrer halten unterschiedlich lange Abstände zum Vordermann und haben unterschiedliche Reaktionszeiten beim Bremsen." Ein typisches Szenario sei: "Wenn ein Fahrer in einer Kolonne spät bremst, muss der nachfolgende bei geringem Abstand schon stärker verzögern und so weiter bis einer ganz anhalten muss", sagt Hessling. Und schon herrscht Stillstand.

Nicht selten sei die Bremsursache "Deutschlands häufigstes Schild auf Autobahnen: 'Tempo 80' - mit dem Zusatz 'bei Nässe'", sagt Hessling. Viele Autofahrer stiegen dann auch bei trockener Straße irrtümlich "in die Eisen". Weitere Ursachen seien notorische Drängler, die in die kleinste Lücke hüpfen, Baustellen, überhöhte Geschwindigkeit in Nebelbänken, Fahranfänger, liegengebliebene Fahrzeuge und - nicht zuletzt - Gaffer: "Die fahren ohne Grund langsam an Unfallstellen und liegengebliebenen Fahrzeugen vorbei. Das kann für die nachfolgenden Fahrzeuge gefährlich werden", gibt Hessling zu bedenken.

Viele Autofahrer mit Straßenkarten-Studium überfordert

Da wäre es am einfachsten, jeden Stau von vornherein zu umfahren. Doch mit dem Studieren von Straßenkarten sind viele Autofahrer überfordert und auch gängige Navigationssysteme stoßen schnell an ihre Grenzen. Und: "Der innerörtliche Verkehr wir vom Verkehrsfunk und den bislang erhältlichen Navigationsdienstleistern nicht erfasst", sagt der Leiter des Magdeburger Instituts für Automation und Kommunikation (ifak), Peter Neumann.

Sein Institut arbeitet an dem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt "Invent" mit. Die hochkarätige Initiative mit 22 Partnern will modernere Navigationsgeräte entwickeln. Die ifak ist darin mit dem Teilprojekt "NIV Netzausgleich" beteiligt. "In unserem System wird die Verkehrsstrategie der Kommunen miteinbezogen. Dies ist zum Beispiel bei Veranstaltungen der Hannover Messe bedeutsam. Die Autofahrer können so auf einem Weg gleichzeitig über großräumige Anfahrtswege und innerörtliche Umleitungen informiert werden", erklärt Neumann.


 
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