Essen Motor Show wird 40: Wenn der Käfer Bugatti spielt
zuletzt aktualisiert: 20.11.2007 - 21:17Essen (RPO). 1. bis 9. Dezember - das sind neun Tage voller PS-Power, Renn-Atmosphäre und bärenstarker Boliden. Die Essen Motor Show feiert dazu noch ihren 40. Geburtstag. Die zweitgrößte deutsche Automesse lebt in diesem Jahr von der Hoffnung, die bereits einmal erreichte Zahl von 400.000 Besuchern erneut zu übertreffen.
Während eine Veranstaltung wie die IAA in Frankfurt nichts anderes als eine Leistungsschau der großen Hersteller ist, stellt die Essen Motor Show eine Kombination von unterschiedlichen Einzelbereichen dar. So zeigen die Hersteller in der Regel sportliche Ausführungen der bekannten Serienmodelle. Die Autoveredler und Tuner wiederum präsentieren mit ihren Schaustücken, was sich aus diesen Serienprodukten mit zusätzlicher Motorleistung und der einen oder anderen Änderung an der Karosserie machen lässt.
Allerdings sind auch bei den Motor-Tunern mittlerweile Themen wie Kraftstoffverbrauch angekommen: "Bei neuen Diesel-Leistungssteigerungen gibt es jetzt auch die Kombination aus zusätzlicher Leistung und gleichzeitig gesenktem Verbrauch", erklärt Mathias Albert, Sprecher des Verbandes Automobiltuning und -zubehör (VATZ) in Frankfurt/Main. Allerdings scheint die Kundschaft selbst weiterhin vor allem auf die Leistung zu schauen: Bestrebungen, solche Maßnahmen mit den Begriff Eco-Tuning zu versehen, kamen bei der Klientel bisher nicht wirklich an.
Optik eher zurückhaltend
Äußerlich wird die Veredelung oder das Tuning des Wagens nicht mehr überdeutlich herausgestellt. "Die Optiken zeigen sich eher zurückhaltend, auch auffällige Lackierungen sind eher selten", so Albert. Was in diesem Jahr an Neuheiten zu sehen sein wird, dazu schweigen die Autoveredler meist bis zur Eröffnung der Motor Show.
Es wird jedoch davon ausgegangen, dass unter anderem verschiedene überarbeitete Varianten des neuen M3 von BMW zu sehen sein werden. Der Veredler Carlsson plant laut Pressesprecher Stefan Müller die Vorstellung von drei Modellen. Erwartet wird ein überarbeitetes T-Modell der Mercedes C-Klasse. Auch eine S-Klasse und ein Mercedes ML sollen dabei sein. Abt aus Kempten dürfte mit einem entsprechend aufbereiteten A5 von Audi vertreten sein. Ein großes Fragezeichen steht hinter dem neuen und als Serienfahrzeug aktuell sehr begehrten Fiat 500 - es gibt kaum Tuner, die sich auf diese Marke spezialisiert haben.
Doch die Messe in Essen trägt nicht umsonst auch den Begriff Show im Namen: Neben all den straßentauglichen Fahrzeugen gibt es auch zahlreiche Dinge aus der Autowelt zu sehen, bei denen niemand auch nur einen Gedanken an eine offizielle Zulassung verschwendet hat. Ein Beispiel dafür sind die so genannten Art-Cars - Unikate, die von Künstlern nicht nur erdacht, sondern auch gebaut wurden.
Art-Cars
In diesem Jahr gehört dazu ein Ding, das den Namen Phantoms trägt. Optisch erinnert die vom Bildhauer William Burge aus einzelnen Blechen gefertigte Karosserie entfernt an einen Bugatti Atlantic aus den 30er Jahren - dessen Frontpartie jedoch nicht mit stilisierten Hunde-, Vogel- und Menschenköpfen verziert war. Die Basis dieser ungewöhnlichen Erscheinung war allerdings mal recht alltäglich - das Chassis spendete ein VW Käfer aus dem Jahr 1968.
Bei anderen Einzelstücken ist der Ursprung zumindest optisch erhalten geblieben. So hat Bill Carlton aus den USA einen Geländewagen vom Typ Hummer H2 zu einem "Lowrider" umgebaut. Das "Game Over" genannte Auto lässt sich trotz seines Gewichts von 2,9 Tonnen mittels einer Hydraulik fast bis zum Boden absenken und wieder anheben.
Auch die Motorradseite ist vertreten - und zwar mit einer Reihe recht skurriler Eigenbauten, die auf der "Rats Hole Custom Bike Show" im US-amerikanischen Daytona gezeigt wurden. So haben Shane Landon und Judd Ball ihren ersten Eigenbau "Bonz" als Skelett verkleidet. Fred Kodlin wiederum hat den Rahmen seiner "Guilty" mit Edelsteinen besetzt. Und Bruce Vetti hat gemeinsam mit seinen Söhnen Tony, Mike und Kevin ein ohnehin schon recht seltenes Motorrad vom Typ Boss Hoss zu einem Einzelstück mit dem Namen "The Dragon Slayer" modifiziert - Wert: 150.000 Dollar (101.000 Euro).
Zurück zu den Wurzeln
Gleichzeitig entdeckt die Motor Show aber ihre Wurzeln wieder: Die lagen im Bereich Motorsport - schließlich startete die Veranstaltung einst als Internationale Sport- und Rennwagenausstellung. In diesem Jahr werden daher laut der Messe Essen Boliden aus dem Rennsport der vergangenen 40 Jahre gezeigt. Auch ein großer Teil aus dem Starterfeld der Formel 1-Saison 2007 soll in Essen zu sehen sein. Und darüber darf ja auch ohne vorgehaltene Hand noch gesprochen werden.
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