Inferno auf der A2: Wie sicher sind Reisebusse?
VON JOHANNES BORNEWASSER UND MANFRED KÜHNAPPEL - zuletzt aktualisiert: 06.11.2008 - 12:06Düsseldorf (RPO). Nach dem verheerenden Bus-Unglück auf der A2 mit 20 Toten stellt sich die Frage: Wie sicher ist eine Fahrt mit einem Reisebus? Kann sich ein solches Unglück wiederholen? Experten fordern, für mehr Sicherheit in Bussen zu sorgen.
Weil die kriminaltechnischen Untersuchungen noch laufen, liegen allen Debatten bloße Annahmen zugrunde. Nach allem, was man bislang weiß, scheint das Feuer in der Toilette ausgebrochen zu sein. Ist die Toilette eines Reisebusses demzufolge eine der typischen Schwachstellen?
Lothar Koch will das nicht ausschließen: "Als Fahrer hast du kaum Möglichkeiten, einen Raucher auf der Toilette zu enttarnen", schildert der Geschäftsführer von LKS-Reisen in Neuss die Erfahrungen des Alltags. "Die heutige Klimatechnik macht es dem Fahrer unmöglich, eine Zigarette über diese Distanz zu riechen", fügt er hinzu und ergänzt: "Die Toilette ist eine komplette Einheit. Sie wird in den Bus eingeschoben und ist luftdicht. Wenn sich dann ein Schwelbrand ausbreitet und irgendwann jemand die Türe öffnet, dann gibt es einen Kamineffekt."
Teppiche und verklebte Deckenverkleidungen sowie Sitzverkleidungen wirkten dann wie Brandbeschleuniger. Dennoch: In 28 Berufsjahren habe er einen solchen Unfall noch nicht erlebt. Es habe mal einen Fall gegeben, in dem einem Reisebus durch einen Poller der Tank abgerissen wurde und sich der Inhalt dann am heißen Turbolader entzündet habe, berichtet Koch: "Doch die Wahrscheinlichkeit für ein solchen Inferno auf der A2 liegt nahe der Nullgrenze."
Experte: Toiletten nicht verteufeln
Die Prüforganisation Dekra hat die Sicherheit von Bussen intensiv getestet. „Eine Zulassung für den Straßenverkehr erhalten die Fahrzeuge nur dann, wenn alle Voraussetzungen der aktiven und passiven Sicherheit erfüllt sind“, sagt Martin Hitzemann, Dekra-Experte für Brandursachen. Dazu zähle neben vielen anderen Elementen auch eine schwer entflammbare Inneneinrichtung. Wie die Tests ergaben, ließ sich ein Bus ohne Brandbeschleuniger nicht in Brand setzen. So erklärt sich, warum Kokeleien – beispielsweise von Schülern - immer nur kleine hässliche Löcher hinterlassen.
Hitzemann wehrt sich dagegen, nun Toiletten pauschal als Gefahrenherd in Reisebussen zu verteufeln. Auch wenn die Katastrophe von Hannover diesen Ausgangspunkt genommen habe, „kann sich praktisch alles in jedem Fahrzeug zu einer Schwachstelle entwickeln“, so der Experte. Ein Brand sei niemals auszuschließen.
Deswegen fordert Hitzemann bei der frühzeitigen Entdeckung anzusetzen. „Wir sollten uns über den serienmäßigen Einbau von Rauchmeldern unterhalten“, fordert Hitzemann. Sie würden dann genauso Zulassungsvoraussetzung wie Sicherheitsgurte. Mindestens zwei statt einem Feuerlöscher in Bussen seien ebenfalls äußerst sinnvoll.
Rauchmelder einbauen
Mit den Fahrzeugherstellern könne geklärt werden, welche Rauchmelder genau einzubauen sind. Es gibt mit der Elektronik gekoppelte Systeme, die dem Fahrer im Cockpit eine Rauchentwicklung anzeigen. Sie kosten durchschnittlich 500 Euro. Hitzemann hält auch herkömmliche Rauchmelder für einen nachträglichen Einbau geeignet. „Welche Lösung vorzuziehen ist, muss mit den Busherstellern geklärt werden.“
Hitzemann und Bus-Unternehmer Lothar Koch sind in diesem Punkt einer Meinung. Brandmelder seien eine sinnvolle Ergänzung, meint auch Koch. Er selber denke bereits daran, seine Busse damit auszustatten. "Da reicht fürs Erste ein Feuermelder aus dem Baumarkt. Die Dinger sind so laut, dass du gar keine großartigen Systeme brauchst", sagt er. Wenn so ein Feuermelder an gehe, bekäme es mindestens ein Fahrgast mit. "Vermutlich reicht der Signalton sogar bis zum Fahrer."
Sehen Sie hier, wie die Dekra einen Brandtest mit einem Bus durchführt.
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