Begehrt: "WM - D 2006": Weltmeisterliches Kennzeichen
zuletzt aktualisiert: 02.02.2006 - 13:32Weilheim (rpo). Das bei Fußballfans derzeit wohl begehrteste Kennzeichen ist bereits vergeben: "WM-D 2006" hängt an einem fünf Jahre alten Ford Focus aus dem Landkreis Weilheim. Der Besitzer des Focus, ein 36-jähriger Ex-Soldat, hat sich das Nummernschild bereits vor drei Jahren in weiser Voraussicht gesichert.
"So was gibt es eben nur einmal", sagt Ingo Müller, der eigentlich aus Mecklenburg-Vorpommern stammt und in Brandenburg aufgewachsen ist. Den Ex-Zeitsoldat hatte sein Bundeswehrdienst ins oberbayerische Voralpenland verschlagen.
Vor drei Jahren zog er zusammen mit seiner Frau von Oberammergau, wo er an der NATO-Schule stationiert war, ein paar Kilometer weiter in ein Dörfchen im Landkreis Weilheim-Schongau. Als es daran ging, den 90-PS-Turbodiesel umzumelden, hatte Müller schon die Weltmeisterschaft im Kopf und daher einen entsprechenden Wunsch an die Zulassungsstelle: "WM - D 2006". Die Beamtin erkannte die Exklusivität der Kombination gar nicht: "Sie haben aber doch gar kein 'D' in Ihrem Namen drin", habe die Frau noch gesagt, erzählt Müller und freut sich noch immer wie ein Weltmeister über seinen Coup.
"Ich habe es fast nicht glauben können, dass vor mir noch niemand auf diese Idee gekommen ist", sagt Müller. Nur der Präsident des Organisationskomitees der Weltmeisterschaft, Fußball-"Kaiser" Franz Beckenbauer, kann mit "WM 2006" ein ähnlich exklusives Kennzeichen vorweisen. Allerdings handelt es sich dabei nur um ein ausgeliehenes Behördenkennzeichen aus dem Landkreis Weilheim. Seit August 2004 fährt Beckenbauer damit zu seinen offiziellen Terminen.
Da war Müller gut eineinhalb Jahre früher dran. Weder Nachbarn noch Freunde nahmen zunächst Notiz von der Kombination auf dem metallic-blauen Ford-Kombi, der inzwischen schon rund 144 000 Kilometer auf dem Zähler hat. Erst während einer Fortbildung an der Bundeswehrfachschule in München wurde er von Kameraden voller Anerkennung darauf angesprochen.
Nach seinen zwölf Jahren beim Bund ließ sich Müller zum Speditionskaufmann ausbilden, wartet aber nun schon seit rund einem Jahr vergeblich auf einen Job. Zahlreiche Bewerbungen hat er geschrieben und wieder zurückbekommen. "Aber das macht mich nicht fertig", betont der pfiffige Wahlbayer. Seine Frau arbeitet in München, und er erhält noch eine Zeit lang Geld von der Bundeswehr.
Im Sommer wandern
Zurück in seine Heimat im Nordosten Deutschlands zieht es Müller jedenfalls nicht. Er hat sich in Bayern gut eingelebt, Freunde gefunden und genießt den Blick von seinem Balkon auf die Berge des Werdenfelser Landes. "Uns gefällt's hier." Im Winter geht er gerne zum Skifahren und im Sommer zum Wandern.
Wobei natürlich in diesem Jahr im Juni die WM seinen Tagesablauf bestimmen wird. Als Kind habe er selber Fußball gespielt, erzählt der 36-Jährige. Inzwischen schaut er die Spiele nur noch im Fernsehen an -weniger die Bundesliga, "die muss nicht sein", aber doch Weltmeisterschaften und Europameisterschaften. Um Stadiontickets hat er sich nicht beworben: "Den Stress habe ich mir nicht angetan."
Eigentlich ist Müller ganz zufrieden mit seinem Leben. Aber eine große Sorge hat er doch, die Sorge vor Dieben: "Hoffentlich wird mein Kennzeichen nicht geklaut, sonst wird es nämlich aus dem Verkehr gezogen." Die Garagentür hält Müller deshalb stets gut verschlossen.
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