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Autoriese in der Schusslinie: Zahlt Toyota jetzt die Zeche?

zuletzt aktualisiert: 02.02.2010 - 13:38

Düsseldorf (RPO). Was wird aus dem Branchenprimus Toyota? Wie sehr nagt das Rückruf-Desaster am Image des weltgrößten Autobauers? Oder anders gefragt: Zahlt Toyota vielleicht jetzt die Zeche für sein Machtstreben?

In ihren Anfängen 1937 bauten die Japaner Webstühle. Später folgte mit dem Toyota Corolla das erfolgreichste Auto der Welt, das den VW Käfer und den Golf abhängte. Unaufhaltsam stieg Toyota zur Nummer eins der Branche auf.

Erstmals im Dezember 2007 riefen sich die Japaner zum weltgrößten Autobauer aus. Genau 9,51 Millionen Fahrzeuge produzierte Toyota im Jahr 2007. Der Hauptrivale General Motors aus den USA kam nur auf 9,259 Millionen. 2008 gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen, bevor Toyota 2009 den schwer angeschlagenen US-Riesen GM mit 9,2 zu 8,3 Millionen endgültig hinter sich ließ.

Stets wurden die Japaner für ihre Qualität geschätzt und hochgelobt. Auch in puncto Fortschritt und Umwelttechnologie schien Toyota der Konkurrenz einen Schritt voraus. Das Hybridfahrzeug Prius entwickelte sich zum Renner in den USA und Japan, wo der 2009 erstmals das meistverkaufte Auto war.

Doch die Zeiten änderten sich. Toyota meldete nicht nur schwächere Absatzzahlen. 2009 geriet der Hersteller auch erstmals wegen verrutschender Fußmatten in die Kritik. Denn neben dem weltweiten Rückruf von 5,75 Millionen Fahrzeugen ereigneten sich in den USA Unfälle mit tödlichem Ausgang.

Nun folgte der zweite Rückruf mit 4,45 Millionen Autos aufgrund fehlerhafter Gaspedale. Da 2,1 Millionen Fahrzeuge von beiden Rückrufaktionen betroffen sind, beläuft sich die Gesamtzahl der betroffenen Fahrzeuge auf 8,1 Millionen.

"Wachstum nicht schuld"

Hat sich Toyota mit dem Sturm an die Spitze übernommen? Diesen kritischen Fragen muss sich der Primus nun stellen. Toyota verteidigt sich: Das weltweite Wachstum ist nach Ansicht von Vize-Präsident Shinichi Sasaki nicht schuld an der Pannenserie mit dem Gaspedal. "Ich glaube nicht, dass die Ausweitung der Produktion im Ausland die Qualität beeinflusst hat", sagte Sasaki am Dienstag am Sitz von Toyota im japanischen Nagoya.

Sasaki entschuldigte sich wie zuvor bereits Konzernchef Akio Toyoda für die Probleme mit dem klemmenden Gaspedal. Der Zeitraum zwischen der Ankündigung, die betroffenen Modelle zurückzurufen, und dem Start der Reparaturen an den Autos sei lang gewesen, räumte der Vize-Präsident ein. Toyota habe es aber als vorrangig betrachtet, die Kunden zu warnen, auch wenn dies Verwirrung habe auslösen können.

Milliardenverluste und Klagewelle

Analysten schätzen, dass sich die Kosten für den Rückruf und den Produktionsstopp in Nordamerika auf 1,1 bis 2,2 Milliarden Dollar belaufen könnten. Ungewiss waren noch die indirekten Kosten wie für drohende Gerichtsverfahren. Nach ersten Anzeigen wird mit einer Klagewelle gegen Toyota und den Zulieferer CTS gerechnet.

Der weltweite Branchenprimus könnte gezwungen sein, seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2010 herunterzuschrauben. Der Rückruf habe wohl schon im Januar Spuren hinterlassen, führte Vize-Präsident Sasaki weiter aus. Am Dienstag werden die US-Absatzzahlen der Branche für Januar erwartet; Experten rechneten bei Toyota mit einem deutlichen Rückgang.

Es war das erste Mal, dass sich die japanische Konzernzentrale offiziell zu den Auswirkungen des Rückrufs äußerte. Toyota-Manager Sasaki war allein vor die mehr als 100 Journalisten getreten. Analysten kritisierten die Reaktion der Konzernzentrale. "Ich habe Toyota noch nie so erlebt", sagte Koji Endo von Advanced Research Japan. "Bisher haben sie immer umgehend auf Probleme reagiert."

Quelle: RTR/AFP/kpl

 
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