Visionen auf dem Pariser Autosalon 2008: Die Auto-Zukunft fährt mit Strom
zuletzt aktualisiert: 09.10.2008 - 12:23Paris (RPO). In Zukunft sollen Autos noch sparsamer unterwegs sein. Die Autoindustrie setzt deshalb auf Strom. Viele Studien auf dem Pariser Autosalon (4. bis 19. Oktober) geben darauf einen Vorgeschmack. Die Visionen reichen vom praktischen City-Flitzer bis zum flotten Sportwagen.
Bis der reine Elektroantrieb serienreif ist, wird der Verbrennungsmotor mit Hybridmodulen und auf Sparsamkeit getrimmt. Ein Beispiel ist Volkswagen: Während die Ingenieure am Golf TwinDrive mit Hybridantrieb und am rein elektrischen Stadtflitzer Up! arbeiten, stehen in Paris mehr oder weniger serienreife Sparautos mit herkömmlichen Aggregaten.
So kommt die seriennahe Studie Passat Variant BlueMotion II mit 77 kW/105 PS starkem Common-Rail-Turbodiesel dank aerodynamischer Maßnahmen, Start-Stopp- Automatik und Bremskraft-Rückgewinnung auf einen Verbrauch von 4,1 Litern (CO2-Ausstoß: 109 g/km). Der Audi A4 concept e bringt es mit vergleichbarer Technik auf 3,9 Liter (105 g/km).
Die Oberklasse entdeckt die Sparsamkeit
Auch in der automobilen Oberklasse setzt man auf Spartechnik: So steht bei Mercedes ein S 400 Hybrid, der mit seinem Verbrauch von 7,9 Litern (190 g/km) als sparsamste Luxus-Limousine vorgestellt wurde. "Damit beweisen wir, dass Sparsamkeit keine Domäne von Kleinwagen ist", sagte Mercedes-Chef Dieter Zetsche.
Hybrid und Diesel für Sportwagen
Selbst für Sportwagen-Hersteller wie Lamborghini ist Sparsamkeit kein Tabu mehr: "Als Antrieb für den Estoque kämen auch ein V8- Benziner mit Hybrid oder ein Hochleistungsdiesel infrage", sagte Manfred Fitzgerald, Leiter des Design-Centers, über seinen Entwurf einer Supersport-Limousine. Vorher allerdings wird es weitere Hybridautos für breite Kundenschichten geben – wie die Neuauflage des Honda Insight, die ab 2009 gegen den Toyota Prius antreten wird.
Unterstützt bei diesen Autos der Elektromotor den Verbrenner nur, werden Hybridfahrzeuge künftig immer weitere Strecken vollelektrisch zurücklegen können. Ein Beispiel dafür ist der Audi A1: Die Sportback-Studie mit einer Kombination aus FSI-Benziner und Elektro-Aggregat verbraucht im kombinierten Betrieb 3,9 Liter (92 g/km). Mit dem Elektromotor kommt der A1 emissionsfrei 100 Kilometer weit.
Steckdose statt Tankstutzen
Je besser die Batterien werden, desto seltener wird man künftig noch einen Verbrennungsmotor benötigen. Auch dafür gibt es in Paris Beispiele. Viele Hersteller zeigen Autos, die statt des Tankstutzens nur noch eine Steckdose haben. So stehen bei Renault ein giftgrüner Elektro-Kangoo, bei Nissan ein Stadtauto für die Zukunft, dessen Name die Richtung vorgibt: Das Kunstwort Nuvu bedeutet sinngemäß "neue Sicht der Dinge".
Als Kompromiss zwischen Elektro- und konventionellem Auto steht auf der Messe auch der Chevrolet Volt. Zwar fährt er rein elektrisch, hat aber als Notstromaggregat einen kleinen Benziner an Bord, der unterwegs auf längeren Strecken die Akkus lädt. So kommt er auf eine Reichweite von mehr als 700 Kilometern. Das soll Kunden die Angst vor dem Liegenbleiben nehmen, sagte Projektleiter Frank Weber.
Sowohl Chevrolet als auch Nissan wollen diese Technik bald in Serie bringen – von 2010 an in den USA und ein Jahr später in Europa. Mittelfristig will Nissan sogar vier Elektroautos anbieten. "Damit werden wir Weltmarktführer für Null-Emissions-Fahrzeuge", sagte der europäische Marketingchef Simon Thomas.
Ist Strom die Rettung der Autoindustrie?
Beim Elektrifizieren des Autos wollen auch ein paar Unternehmen ein Wörtchen mitreden, die man bislang nicht mit Autos in Verbindung gebracht hat. So wie Tesla mit seinem Elektro-Roadster die zahlungskräftige Kundschaft anspricht, will jetzt der niederländische Hersteller DuraCar mit dem batteriebetriebenen Stadtlieferwagen "Quicc! DiVa" Handel und Gewerbe elektrisieren. Davon könnte außerdem ein gebeutelter Dienstleister der Autoindustrie profitieren, der bislang von konventionellen Fahrzeugen lebte: Gebaut werden soll der Kunststoff-Kasten von kommendem Jahr an bei Karmann in Osnabrück.
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