Neue elektronische Tricks: Der Funkbefehl zum Klauen
zuletzt aktualisiert: 15.05.2007 - 09:15Wiesbaden (RPO). Dank neuester elektronischer Tricks ist es möglich, die Funkfernbedienung zur Öffnung von Autos außer Kraft zu setzen. Das führt zwar nicht zum Diebstahl des gesamten Pkw, sehr wohl aber zu Diebstählen aus dem Wageninneren und zu Problemen mit der Versicherung, weil es keine Spuren gibt.
Die Gefahr lauert an Straßencafés, vor Supermärkten, auf öffentlichen Parkplätzen - überall dort, wo Autos abgestellt werden. "Mit neuen technischen Tricks ist es nicht nur möglich, die elektronische Funkfernbedienung außer Kraft zu setzen, sondern zugesperrte Autos auch zu öffnen", warnte Gottfried Moser, technischer Schulungsleiter des österreichischen Autoclubs ARBÖ, und stellte in einer TV-Sendung einen dazu geeigneten Störsender vor. Er bot an, den Kriminaltechnikern der Polizei einen funktionierenden Prototyp zur Verfügung zu stellen, um die Verbrechensbekämpfung zu erleichtern.
"Eine Beeinflussung von Kfz-Funkfernbedienungen durch Funksignale, mit denen die Funktion des Funkschlüssels so beeinflusst werden kann, dass ein Verschließen eines Fahrzeugs verhindert wird, ist grundsätzlich möglich", bestätigt Sandra Clemens vom Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden. Derzeit sind für Funkschließanlagen mehrere Frequenzen freigegeben. Diese werden auch von anderen technischen Nutzern - Modellspielzeugen oder Motorradgegensprechanlagen - belegt.
Dadurch kann das Signal einer Funkschließanlage von einem anderen Signal überlagert werden. Dann kommt es nicht zur Schließung, da das Signal von der Kfz-Elektronik nicht eindeutig identifiziert wird. "Dies ist seit langem bekannt", sagt die BKA-Mitarbeiterin. Allerdings lägen dem BKA keine Erkenntnisse vor, wonach auf diese Weise Kfz-Diebstähle ausgeführt wurden.
Keine Spuren
Diebstähle von Autos vielleicht nicht, Diebstähle aus Autos sehr wohl, weiß ARBÖ-Fachmann Moser: "Solche Autoeinbrüche sind ein großes Problem für die Opfer und die Versicherungswirtschaft, weil sie keine Spuren hinterlassen." Sind keine Aufbruchsmerkmale vorhanden, "wird es schwierig, einen Diebstahl zu beweisen", beschreibt Susanna Deeken-Heusgen, Kriminalhauptkommissarin im nordrhein-westfälischen Landeskriminalamt, das Problem für den Bestohlenen. "In zwei aktuellen Fällen in Wien und Salzburg bekamen die Autofahrer von ihrer Versicherung erst einen Schadensausgleich, nachdem ich als Sachverständiger nachgewiesen habe, dass solche Manipulationen technisch möglich sind", erzählt Moser aus der Praxis.
Verschiedene Hersteller, wie etwa Mercedes oder Lexus, arbeiten mit einem System rotierender Codes. Ist eine Kombination benutzt, stellen Sender und Empfänger einen neuen Code bereit. Doch "einen unendlichen Schutz gibt nicht", zieht Lexus-Manager Peter Wandt die Grenzen der Technik. ARBÖ-Fachmann Moser warnt: "Wer merkt, dass es mit der Fernbedienung nicht geklappt hat, weil beim Pkw das gewohnte Aufblinken der Lichter und das typische Schließgeräusch ausgeblieben sind, darf nicht den nächsten Fehler begehen und den Wagen nun mechanisch mit dem Schlüssel zusperren." Denn mit Hilfe des zuvor abgefangenen und kopierten elektronischen Codes sei es für Diebe leicht, das per Hand verriegelte Fahrzeug zu öffnen.
Mit dem Schlüssel zusperren
Keine Sorgen müssen sich Autobesitzer machen, wenn die elektronische Betätigung der Zentralverriegelung funktioniert hat. "Ist das Auto einmal elektronisch verriegelt, kann es nicht mehr von Fremden elektronisch aufgesperrt werden", beruhigt Moser. In zweifelhaften Fällen sollte der Autofahrer auf den Komfort der Fernsteuerung verzichten und mit dem Schlüssel zusperren - auf die ganz herkömmliche Art, rät der Fachmann. "Falls die Fernsteuerung spinnt", sollte das Auto auf keinen Fall allein gelassen, sondern weggefahren oder im Auge behalten werden. Darüber hinaus empfehle es sich, "prinzipiell im Auto nichts liegen zu lassen, schon gar keine Gegenstände, die den Anschein erwecken, wertvoll zu sein". Dies gelte auch für schöne Verpackungen, worin Diebe Wertvolles vermuten könnten.
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