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Unfall- und Staugefahr steigt: Mittelspurschleicher sind ein Sicherheitsrisiko

VON NICOLAS BERTHOLD - zuletzt aktualisiert: 13.07.2011 - 12:12

Düsseldorf (RPO). Für Millionen Autofahrer sind notorische Mittelspurfahrer das größte Ärgernis auf der Autobahn. Selbst auf dreispurigen Autobahnen verursachen sie schnell Behinderungen. Nach Ansicht von Experten tut die Polizei zu wenig, um den Schleichern Einhalt zu gebieten. Denn Verkehrspsychologen warnen: Mittelspurfahrer gefährden die Sicherheit auf der Straße.

Die rechte Spur ist frei, doch viele Autofahrer bleiben lieber auf der mittleren Fahrbahn.  Foto: ddp
Die rechte Spur ist frei, doch viele Autofahrer bleiben lieber auf der mittleren Fahrbahn. Foto: ddp

Sie schleichen dahin und auf den Autobahnen gibt es viele von ihnen – Mittelspurfahrer. Bisher wurden stets die Drängler, die in einem Höllentempo bis auf wenige Meter an die Stoßstange des Vordermanns zu rasen und mit Lichthupe versuchen, den Fahrer zum Spurwechsel zu bewegen, als Sicherheitsrisiko auf Deutschlands Straßen betrachtet. Doch auch die bisher wenig öffentlich beachtete Gruppe der Mittelspurschleicher ist groß.

Dabei ist in Deutschland das Rechtsfahrgebot in Paragraph 2 der Straßenverkehrsordnung gesetzlich verankert. "Fahrzeuge müssen die Fahrbahn benutzen, von zwei Fahrbahnen die rechte. […] Es ist möglichst weit rechts zu fahren, nicht nur bei Gegenverkehr, beim Überholtwerden, an Kuppen, in Kurven oder bei Unübersichtlichkeit."

Sicherheitsrisiko auf Autobahnen

"Mittelspurfahrer stellen durchaus ein Sicherheitsrisiko dar", wie Verkehrspsychologe Michael Haeser aus Duisburg unserer Redaktion erklärt. Zwar seien die gemütlichen Schleicher nicht mit den zumeist aggressiven Dränglern zu vergleichen. "Zu Staus oder Unfällen kann es dennoch kommen. Insbesondere dann, wenn sich der schnellere Autofahrer an die Vorschrift hält, rechts nicht zu überholen."

Mittelspurschleicher bewirken durch ihre Fahrweise, dass eine zwei- oder dreispurige Strecke faktisch einspurig wird, weil sich der Verkehrsfluss auf den linken Fahrstreifen konzentriert. Damit steigt die Stau- und Unfallgefahr.

Streben nach Freiheit

"Viele Fahrer treibt eine Mischung aus Unsicherheit und Bequemlichkeit dazu, trotz freier Spuren auf der mittleren Fahrbahn zu verharren", meint ADAC-Sprecher Andreas Hölzel. "Viele waren möglicherweise längere Zeit nicht mehr am Steuer und fühlen sich auf der Mittelspur sicher. Rechts ist ein Sicherheitsabstand und links auch."

Welche Fahrer aber zählen zu den notorischen Mittelspur- oder Linksfahrern? Verkehrspsychologe Haeser: "Autofahrer streben nach Freiheit und Freiraum. Die Sorge der Mittelspurschleicher: Bin ich auf der rechten Spur habe ich nur die Freiheit, über die linke Spur zu entweichen. Auf der Mittelspur aber habe ich zwei Optionen – links und rechts." Dass sie dabei in bestimmten Situationen den Verkehr behindern und gefährden, ist den meisten offenbar nicht klar.

Bußgeld bis 80 Euro

Ähnlich wie ADAC und Verkehrspsychologe wünschen sich viele Bürger ein Eingreifen der Autobahnpolizei und stärkere Kontrollen. "Die Polizei kümmert sich zu wenig um diese Autofahrer-Gruppe", sagt der ADAC-Sprecher. Dabei müsse derjenige, der ohne Überholabsicht links oder mittig fährt und dadurch schnellere Autofahrer behindert, mit einem Bußgeld zwischen zehn und 80 Euro rechnen. "Im Straßenverkehr sollten alle Teilnehmer Rücksicht walten lassen. Notorische Mittelspurfahrer tun genau das nicht", sagt Haeser.

Werde die Spur sogar bewusst blockiert, etwa um einen schnelleren Autofahrer zu "disziplinieren", können gegen den Schuldigen wegen Nötigung noch weitaus höhere Strafen verhängt werden. Die Polizei ist zudem der Ansicht, dass Mittelspurfahrer den Konflikt mit schnelleren Autofahrern schüren würden.

Quelle: rpo

 
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