Auto zugeschaufelt?: So fahren Sie sicher im Tiefschnee
zuletzt aktualisiert: 21.12.2009 - 10:26Düsseldorf (RPO). Autofahrer mussten sich Montag in Geduld üben. Glücklich war, wer überhaupt aus seiner Parklücke kam. Vielerorts hatten Räumdienste die Parkbereiche zugeschaufelt. Bei uns erfahren Sie, wie Sie ihr Auto bei diesen Verhältnissen und vor allem im Tiefschnee sicher beherrschen.
Die Ausrüstung stimmt, die Winterreifen sind drauf, und trotzdem kommen Sie am Montagmorgen nicht aus Ihrer Parklücke? Entweder es ist zu viel Schnee gefallen. Oder der Räumdienst hat Sie zugeschaufelt. Dann ist guter Rat teuer. Denn auch bei Winterreifen setzt sich dann so viel Schnee zwischen das Profil, dass erstmal nicht von der Stelle kommen.
Was können Sie tun? Hilfreich ist es, die Antriebsachse zu belasten. Zum Anfahren ist dann der zweite Gang der beste. Mit Bedacht vorgehen. Viel Gas und durchdrehende Reifen verschlechtern die Situation. Das gilt auch im übrigen auch, wenn Sie plötzlich von der Fahrbahn abkommen oder in eine Schneewehe geraten.
Winterreifenpflicht?
Es herrscht in Deutschland keine generelle Winterreifenpflicht. Aber Autofahrern ohne dem Winter angepasste Bereifung droht ein Bußgeld von 40 Euro und ein Punkt in Flensburg. Passiert ein Unfall, wird es noch teurer und der Versicherungsschutz kann erlöschen.
Leichtes Schaukeln
Wenn Sanftmut und Belastung nicht helfen, kann eine Mischung aus beidem zum Einsatz kommen: leichtes Schaukeln. Dazu muss der Fahrer das Auto mit regelmäßigem Gasgeben und Auskuppeln ins Wippen bringen. Geschickt muss er die Schaukelstrecke so verlängern, dass das Auto mittels Schwung über das Hindernis hinaus entkommt. Bei Fahrzeugen mit Automatikgetriebe muss der Weggerutschte gekonnt zwischen R- und D-Stufe wechseln.
Hilfreich bei den Befreiungsversuchen: Eine Fußmatte oder ein spezielles Gitter unter den angetriebenen Reifen gelegt, sorgt für den nötigen Grip. Aber Achtung: Umstehende sollten sich vom Fahrzeug entfernen. Untergelegte Gegenstände können zu Geschossen werden.
Der TÜV Süd empfiehlt, bei diesem Wetter, Schneeketten dabeizuhaben. Die einfachste und preisgünstige ist die Seilkette, auch Standmontage-Kette genannt. Ihre Montage setzt mehr Platz für die Hände in den Radkästen voraus. Der ist meist nur bei Frontantrieb gegeben. Nur dort kann der montierende Autofahrer auch hinter das Rad greifen.
Warum wir Fahren auf Schnee verlernen
Warum in jedem Winter der Verkehr zusammenbricht und sich kilometerlange Staus bilden, ist für Experten keine Überraschung. Der Mensch verlernt binnen kürzester Zeit auf Schnee und Eis zu fahren und geht zur Sicherheit automatisch vom Gas.
Für Verkehrsforscher Michael Schreckenberg kommen die Mega-Staus um diese Jahreszeit nicht überraschend: Ob tiefstehende Sonne, Dunkelheit, Regen oder Schnee – „die Leute haben einfach vergessen, wie das im letzten Jahr war. Das alles ist erst einmal wieder etwas ganz Neues“, erklärt der Professor von der Uni Duisburg-Essen.
Obwohl die meisten Autofahrer die Verhältnisse schon mehrfach erlebt hätten, „dauert etwa drei Tage, bis der Mensch das Fahren auf Eis und Schnee wieder drauf hat.“ Der Körper benötige erst wieder das entsprechende Fahrgefühl für Eis und Schnee.
Weihnachtsreisewelle ab Mittwoch
In diesem Jahr paaren sich die chaotischen Wetterverhältnisse mit zwei unglücklichen Umständen. Noch sind Pendler unterwegs. Gleichzeitig brechen die ersten Weihnachtsurlauber in die Ferien auf. Wie der ADAC vorhersagt, wird die erste richtige Reisewelle aber erst dann rollen, wenn in sechs Bundesländern am Mittwoch (23. Dezember) die Weihnachtsferien beginnen.
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