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Biosprit E10 Diesel Benzin apd Panorama 2011-0905
  Foto: dapd
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Rohölpreis, globale Krisen, Steuerlast: Warum ist der Spritpreis so hoch?

VON NICOLAS BERTHOLD - zuletzt aktualisiert: 02.02.2012 - 14:41

Düsseldorf (RPO). Neues Jahr, neuer Preisanstieg beim Spritpreis. Wie die monatliche Auswertung des ADAC ergeben hat, ist der Preis für einen Liter Super E10 im Vergleich zum Dezember im bundesweiten Durchschnitt im Januar auf 1,536 Euro gestiegen. Welche Faktoren werden den Literpreis 2012 beeinflussen? Ein Experte gibt Antworten.

Branchenexperten rechnen auch für dieses Jahr keine Entspannung beim Benzinpreis. Droht Deutschlands Autofahrern nach dem teuersten Tankjahr 2011 in diesem Jahr ein neuer Spitzenpreis? Welche Faktoren werden 2012 eine entscheidende Rolle bei der Zusammensetzung des Spritpreises spielen?

Rohölpreis Steigt der Preis für das Barrel Rohöl, steigt auch der Preis für Benzin an unserer Tankstelle. Dieser Merkspruch gilt nur bedingt. "Es stimmt, dass der Wert eines Barrels Rohöl Auswirkungen auf die Gestaltung des Spritpreise in Deutschland hat", erklärt Dr. Klaus-Jürgen Gern vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) auf Anfrage.

Natürlich macht es einen Unterschied, ob das Barrel der Nordseesorte Brent auf den Weltmärkten mit 40 Dollar (wie Anfang 2009) gehandelt wird oder aktuell mit 111 Dollar. Für diese Entwicklung bestimmend ist das Verhältnis von Förderung und weltweiter Nachfrage. Seit Jahren steigt der Rohöl-Bedarf von Ländern wie China, den USA und auch Brasilien.

Globale Krisen Die weltweite Versorgung mit dem Rohprodukt wird laut IfW-Experte auch in Zukunft gesichert sein, weil Fördergiganten wie Saudi-Arabien ("swing producer") drohende Verknappungen oder aktuelle Krisen (Iran) spielerisch ausgleichen und ihre Produktionsmenge anheben können.

Dennoch: "Der Preis für Rohöl dürfte 2012 auf einem stabil-hohen Niveau bleiben. Und möglicherweise. Grund sind sogenannte 'Risikoprämien', die die Akteure in Zeiten möglicher Verknappungsszenarien bereit sind zu zahlen. Das treibt den Preis nach oben."

Produktpreis Einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung der Spritpreise leisten die Produktpreise, die auf den "Spotmärkten" gehandelt werden. Der für Europa wichtigste Spotmarkt ist der Rotterdamer Hafen. Hier werden Rohöl, Benzin, Diesel und Heizöl gehandelt. "Saisonale und nicht-saisonale Fluktuationen zwischen Angebot und Nachfrage machen sich hier bemerkbar und verändern den gehandelten Preis", so Dr. Gern vom IfW.

In den vergangenen Jahren haben sich insbesondere die USA ausgedehnte Shopping-Touren in Rotterdam ausgezeichnet. "Seit geraumer Zeit haben sie einen gesteigerten Diesel-Bedarf, den sie selbst nicht decken können. Das hat zu einem dramatischen Anstieg des Preises geführt. Das wirkt sich auch an unseren Zapfsäulen aus."

Schwacher Euro, starker Euro? Der Rohstoff Öl wird weltweit in Dollar pro Barrel gehandelt. Der europäische Wirtschaftsraum dagegen zahlt in Euro. Entscheidend ist daher der Wechselkurs des Euro zum Dollar. Wirtschaftlich angespannte Zeiten zeichnen sich durch starke Währungskursschwankungen aus.

Dr. Gern: "Bei einem schwachen Euro verteuert sich Rohöl im europäischen Markt. Der Importeur muss für das Produkt mehr Euro zahlen. Ein starker Euro ist besser, weil der Importeur weniger eigene Währung investiert." Im Rekordjahr 2008 lag der durchschnittliche Wechselkurs Dollar zu Euro bei 1,47. "2011 lag er nur bei 1,36, was wiederum schlechter für uns ist. Sollte der Euro 2012 schwächer werden, wird auch der Benzinpreis weiter ansteigen."

Staatliche Steuerlast Einer der größten Profiteure ist der Staat. Die Steuerlast auf Benzin und Diesel wiegt schwer, wie Dr. Gern vom IfW an einem einfachen Beispiel erläutert. "Steigt der Anteil des Rohölpreises am Liter Kraftstoff von 25 auf 50 Cent, steigt die Mehrwertsteuer, die auf Rohöl belegt wird, gleichzeitig von fünf auf zehn Cent. Das schlägt sich zwangsläufig im Preis an der Zapfsäule nieder."

Der Fiskus verdient an den hohen Benzinpreisen kräftig mit. Genau genommen sogar doppelt. Neben der Mehrwertsteuer, die auf den verkauften Liter erhoben wird, wird auch der fixe Betrag der Mineralölsteuer, der keinen Schwankungen unterliegt, noch einmal mit der Mehrwertsteuer belegt.

So fließen auf den getankten Liter Super E10 (1,55 Euro) satte 91 Cent in die Haushaltskasse des Bundesfinanzministers. Das entspricht fast 59 Prozent des Benzinpreises. "In Deutschland sind die zu zahlenden Steuern europaweit mit am höchsten", sagt Gern. Ohne Steuern wäre Benzin wiederum auf den vorderen Plätzen der Billig-Tabelle.

Zudem verweist der IfW-Experte auf die vergleichsweise niedrigen Gewinnspannen, die Tankstellenpächter und Mineralölkonzerne hierzulande einfahren. "Die Marge beträgt einen Cent, der überwiegende Teil fließt nach Berlin." Gern begrüßt daher die vielen Preisbewegungen an der Zapfsäule. Er sieht das als Beleg eines guten Wettbewerbs.

Ähnlich sieht es auch Klaus Picard, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes. "Wir haben Verständnis dafür, dass Preisschwankungen ein Ärgernis aus Sicht der Kunden sind. Preisschwankungen sind aber gerade ein Zeichen für den harten Wettbewerb, der dazu führt, dass die deutschen Tankstellenpreise vor Steuern zu den niedrigsten in ganz Europa zählen."

Transportkosten und Provision Die Kosten für die Raffination der Produkte und die Transportkosten bis zur Tankstelle tragen ebenfalls zur Preisbildung bei, "wenn auch in einem relativ unbedeutenden Maße."

Wie wird sich der Benzinpreis 2012 entwickeln? Dr. Gern vom IfW: "Eine eindeutige Prognose abzugeben ist aufgrund dieser unterschiedlichen, den Spritpreis beeinflussenden Faktoren äußerst schwierig. Wir haben aber technischen Annahmen der konjunkturellen Entwicklung durchgeführt. Wir gehen davon aus, die Nachfrage auch in den kommenden Monaten stabil bleibt bzw. wieder anziehen wird."

Fazit: Ein steigender Benzinpreis könnte die Folge sein. Allerdings werden diese Ausreißer nach oben nach Ansicht des Branchenkenners nicht von Dauer sein. "Höhere Spritpreise sollten wir aber nicht ins Reich der Fabel verweisen. Insbesondere dann wenn der Rohölpreis wie vor fast vier Jahren wieder auf über 140 Dollar klettert und gleichzeitig der Euro abschmiert."

Quelle: nbe/csi/nbe

 
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