Chaos in NRW: Warum November der Stau-Monat ist
VON MANFRED KÜHNAPPEL - zuletzt aktualisiert: 02.11.2010 - 10:40Düsseldorf (RPO). Knapp 500 Kilometer Stau in Deutschland, davon mehr als 300 allein in NRW. Wer am Dienstagmorgen an Rhein und Ruhr mit dem Auto zur Arbeit musste, für den ging vielfach nichts mehr. Dabei gab es gar nichts Besonderes. Nur der typische Stau-Monat November ist angebrochen.
Mehr als 100 Kilometer Stau an einem Tag sind in dieser Zeit in Nordrhein-Westfalen Normalität. Der Grund: Im November sind mehr Autos unterwegs als in anderen Monaten. Wenn dann noch Baustellen hinzukommen, ist die Kapazitätsgrenze der Straßen erreicht.
"Für die A40 beispielsweise, die ohnehin ständig an ihrer Belastungsgrenze ist, gilt das in jedem Fall", erklärt Bernd Löchter, Sprecher von Straßen NRW. Er weiß, auf welchen Strecken die typischen Staugefahren lauern: Auf der A1, A40, A43, A46, A52, A57, A59 und dem Kölner Ring. Genau dort spielte sich am Dienstag wieder einmal das größte Chaos mit Staus von teilweise bis zu 25 Kilometern Länge ab. Auf der A57 herrschte von Alpen bis Meerbusch mit einigen Unterbrechungen Dauerstau. Die Sperrung der A59 in Duisburg wurde zwar planmäßig um 23 Uhr aufgehoben, den üblichen Stau verhinderte das aber nicht.
Warum im November mehr Autos unterwegs sind, ist schnell erklärt: Die wenigsten Arbeitnehmer haben Urlaub. Erstens ist die Jahreszeit denkbar unattraktiv. Es gibt keine Ferien. Außerdem stehen in etlichen Betrieben Projekte an, die noch bis Jahresende abgearbeitet werden müssen, so dass der Chef schnell sein Veto einlegt.
Nässe und Dunkelheit
"Unsere Ausschläge nach oben für November sind absolut gar nicht so hoch, aber in diesem Monat reicht es wenn nur wenig mehr sind, um das subjektive Gefühl zu haben, es seien deutlich mehr", sagt Löchter und verweist auf jahreszeitliche Erschwernisse: Nässe, Dunkelheit, Laub, erste Glätte oder Schnee auf den Straßen. Das führt zur Umstellung im Kopf. Die meisten fahren dann aus gutem Grund vorsichtiger. Löchter: "So gesehen hatten wir Dienstag noch Glück, weil die Temperaturen nicht am Gefrierpunkt lagen."
Besonders groß ist das Staurisiko zu den Stoßzeiten. Erfahrungsgemäß beginnt die Woche montags zwischen 7 und 8.30 Uhr. Erschwerend kam diesmal das lange Wochenende hinzu, so dass sich das komplette Verkehrsaufkommen auf den Dienstagmorgen verlagerte. Rückstaus reichten von den Autobahnen mitunter bis auf die Bundesstraßen und Anfahrtswege.
Ein zusätzlicher Faktor kann sein, dass Baufirmen gerne Gratifikationen auszahlen, wenn ihre Mitarbeiter rechtzeitig mit Baustellen fertig werden. Zwar meinte Löchter: „Neue Baustellen gibt es eigentlich nicht.“ Am grundsätzlichen Phnomen ändert das aber nichts. Aktuelle, größere Baustellen gibt es in NRW derzeit zwischen 25 und 30.
Am kommenden Wochenende (5. bis 7. November) müssen sich übrigens vor allem Autofahrer im Süden der Republik auf volle Straße einstellen. Erst dann enden in Bayern und Baden-Württemberg die Herbstferien. Durch den Rückreiseverkehr steige die Staugefahr südlich der Mainlinie, erklärte der Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart.
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